Artern

Zur freundlichen Beachtung & aktuelle Meldungen

Paul Meyer

Dienstag, 12. September 2017

Vor einem halbem Jahr konnte an dieser Stelle berichtet werden, dass das erst kurz zuvor während Bauarbeiten im Sumpf westlich von Artern wiederentdeckte, vormalige Thälmann-Denkmal auf Vermittlung des Heimatvereins ARATORA zwecks historischer Umwidmung an den Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue weitergeleitet und nach Tilleda gebracht worden ist. Dieser Stein mit der Namensgravur des Kriegsdeserteurs, Arbeiterfunktionärs, lauthalsigen Klassenkämpfers und KPD-Chefs von Stalins Gnaden ragte Jahrzehnte zuvor im Salinepark, ehe der jetzt noch dort befindliche Gedenkstein aus Quarzit dessen Stelle einnahm. (Zeitweise sollen beide Steine gemeinsam dort gestanden haben, jedenfalls wurde bei Erdarbeiten im Frühjahr 2017 das Fundament des ersten Thälmann-Denkmals gefunden und auch fotografisch dokumentiert.) Engagierte Mitglieder des Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue haben in der Zwischenzeit das vormals Arterner Denkmal einer eindrucksvollen Verjüngungskur unterziehen lassen. Es wurde z. B. die Patina entfernt und die Namensgravur Ernst Thälmanns fast unkenntlich gemacht. Als Handwerker in Erscheinung trat hierbei Paul Meyer aus Tilleda. Der rüstige Rentner, der kein Steinmetz ist, hat dennoch in beeindruckender Weise das Werkstück umgewidmet. (Paul Meyer war während der archäologischen Erforschung der Pfalz Tilleda aktiv als Grabungstechniker mitbeteiligt. Er betreibt zudem in Tilleda ein kleines Privatmuseum, pikanterweise in der Ernst-Thälmann-Straße). – Schon Mitte nächsten Monats soll das Denkmal nahe des Gietenkopfes im Kyffhäuser-Gebirge aufgestellt werden und dann erneut an den 1884 durch einen Wilddieb erschossenen Waldhüter Carl Rose aus Tilleda erinnern. Dieses ursprünglich auf fürstlich-schwarzburgischen Befehl hin 1886 für den Ermordeten errichtete Denkmal ist leider seit 1984 verschollen und wird also künftig durch den Ex-Thälmann-Stein aus Artern ersetzt. Besonders Heimatfreund Manfred Schröter aus Berga ist es zu verdanken, dass die Schriftzüge des originalen Rose-Steins ebenso auf dessen Duplikat graviert wurden. Die Aussage des alten Steins ist somit identisch mit der des neuen Denkmals. Einzig dessen Form variiert zum verschwundenen Original: der neue Erinnerungsstein ist höher und schlanker. Von der feierlichen Übergabe wird demnächst auch hier berichtet. – Unser Bild zeigt links Paul Meyer bei der Arbeit am neuen Rose-Stein, der jedoch erst später gezeigt wird. Rechts steht Manfred Wirth aus Tilleda, der im Frühjahr 2017 den Stein aus Artern holen ließ (Foto: Manfred Schröter, Berga).


Uwe Landes

Freitag, 8. September 2017

Ein Glücksfall für die Industriearchäologie, aber auch für die Heimat- und Kulturgeschichte, befindet sich nur wenige Kilometer entfernt in Oldisleben: die Zuckerfabrik von 1872. Diese ist die weltweit einzig noch bestehende Rübenzuckerfabrik, die nach der letzten gefahrenen Kampagne 1990 komplett als Industriedenkmal erhalten worden ist (allerdings ist deren Bewerbung als touristisch bedeutsamer Anziehungspunkt verdientermaßen noch ausbaufähig). Eben dorthin lud kürzlich Bundestagsabgeordneter Manfred Grund (CDU) ein, und mehr als dreißig Interessierte aus dem Kyffhäuserkreis schlossen sich einer mehr als zweistündigen Führung durch die alten Gemäuer an. Jederzeit und zu allen Themen der Zuckerherstellung kompetent brachte Uwe Landes (unser Bild) als Verantwortlicher für die denkmalgeschützte Fabrik den Gästen den historischen Betrieb nahe. Zuvor gab es ein zwanzigminütiges Video der letzten Kampagne zu sehen, das die Besucher auf den bevorstehenden Ausflug in die heimische Industriegeschichte einstimmte. Mit Beginn der Rübenverarbeitung, immer gegen Ende September, wurde aus der Fabrik ein beinahe lebendig erscheinender Organismus, der Rübenmassen in sich hineinfraß bzw. nach zahlreichen physikalisch-chemischen Prozessen Weißzucker ausspie und mittels eines für den Laien kaum entschlüsselbaren Gewirrs von Handrädern, Schiebern, Leitungen, Rohren, Kesseln, Tanks, Behältern, Apparaten, Schalt- und Regelkästen in Gang gehalten wurde. Währenddessen nach 1990 viele Fabriken in der Umgebung, so Artern, Oberröblingen/H., Roßleben, Straußfurt usw., der Abrissbirne zu Opfer fielen und heute „schicke“ Solarparks beherbergen, blieb die Fabrik in Oldisleben von diesem Schicksal verschont – der Südzucker AG sei Dank! Heute ist das Denkmal ein buntes Anlagen-Gemisch seit Kaisers Zeiten bis hin zur BMSR-Technik aus späten DDR-Tagen. Besonders eindrucksvoll sind die Diffusionsbatterie von 1906, der Kalkofen von 1898 und die Dampfmaschine von 1882 – diese und mehr Geräte in Baulichkeiten aus der Gründungszeit, die seit der Errichtung nur wenige Änderungen erfahren haben. Mann muss dieses Technik nicht im Detail verstehen, um einfach nur begeistert zu sein, was sich da in Oldisleben erhalten hat und mit Millionenaufwand (!) für die Zukunft gepflegt wird. Als weltweit einzig erhaltene historische Weißzuckerfabrik ist daher auch die Verleihung des Titels als Weltkulturerbe irgendwann in der Zukunft so unrealistisch nicht! Denn Oldisleben ist ein Kleinod der Technikgeschichte, in dessen Erhalt bereits fünf Millionen Euro investiert worden sind – Gelder, die sich aufgrund der Einmaligkeit jedoch lohnen. Gäste sind nach Voranmeldung stets willkommen (Tel. 034673 / 78562 oder oldisleben[at]suedzucker-de. Besonders ehemals in die Zucker- und Nahrungsmittel-Industrie Beschäftigte werden ihre helle Freude haben, denn nicht ohne Grund gilt noch immer die Festellung „Zucker klebt“. – Wer also sich oder seinen Gästen etwas Gutes tun will, jenseits von Kyffhäuser-Denkmal, Panorama-Museum und Barbarossahöhle, der sollte die Zuckerfabrik Oldisleben besuchen. Greifbarer können fast 120 Jahre Technik- und Produktionsgeschichte in unserer Heimat nicht vor Augen geführt werden! Auch unseren Geschichtsfreunden aus der Partnerstadt Einbeck wurde die Zuckerfabrik Oldisleben kürzlich „schmackhaft“ gemacht, sodass für deren nächsten Besuch in Thüringen schon ein sehr lohnendes Reiseziel feststehen dürfte. Einheimische können sich allerdings bereits zum Tag des offenen Denkmals an diesem Sonntag vom Stand der Restaurierungen in der Zuckerfabrik ein Bild machen.


Bastion Mansfeld

Dienstag, 5. September 2017

Martin Luther überall: in den Tagen kurz vor dem 500. Jubiläum des Thesenanschlags zu Wittenberg kann man sich des medialen Einflusses des Reformators kaum entziehen. So war es nur folgerichtig, dass das diesjährige Treffen von Mitgliedern des Einbecker Geschichtsvereins und des Heimatvereins ARATORA, diesmal ergänzt durch den Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue, am vergangenen Sonnabend ebenso den großen Eisleber als zentrale Figur vereinnahmte. Als Besuchsziel stand jedoch nicht dessen Geburtstadt auf den Plan, sondern Mansfeld, wo frohgelaunte Geschichtsfreunde aus Einbeck, Tilleda und Artern am dreiteiligen Besuchsprogramm teilnahmen. Begleitet von passablem Spätsommerwetter führte die erste Station in die soeben sanierte, prachtvolle Stadtkirche St. Georg mit Emporenbildern aus dem Neuen Testament, Prunkgräbern der Mansfelder Grafen sowie einem der seltenen Ganzkörperporträts Luthers aus der Werkstatt von Lucas Cranach. Bemerkenswert dort: man war über die Sanierung des Lutherdenkmals von 1819 in Artern vor zwei Jahren informiert und erfreut! Nach dieser gelungenen historischen Einstimmung wurde das primäre Ziel angesteuert: die Ausstellung in Luthers Elternhaus, wo der spätere Reformator 13 Jahre lebte, und das 2014 umfassend saniert bzw. durch einen modernen Museumsneubau erweitert worden ist. Dort zu sehen sind u. a. die 2003/4 und 2008 archäologisch ergrabenen Hinterlassenschaften aus dem damaligen Vierseitenhof, die das private Lebensumfeld der Familie Luder (Luther) begreifbar machen. Demnach konnte sich die Familie einen gehobenen Lebensstandard leisten, der als Basis der späteren Ausbildung Martins anzusehen ist. Wie hoch das Interesse an der Reformation kurz vor dem großen Jubiläum ist, zeigte die hohe Frequentierung von Kirche und musealem Elternhaus sowie die offensichtlich vor allem unter terminlichen Druck stehenden Mitarbeiterinnen. Nach äußerst schmackhafter Mittagsverköstigung im Forellenhof zu Möllendorf ging’s zurück nach Mansfeld, nun aber hoch über die Dächer des Städtchens auf das Schloss. In einer fast neunzigminütigen Führung wurden die drei Schlösser Vorder-, Mittel- und Hinterort erklärt, ehe zum Abschluss die Kapelle mit sehr üppiger Ausstattung aus mehreren Jahrhunderten gezeigt worden ist. Unser Bild zeigt vorn Familie Puchta aus Artern sowie mittig Manfred Wirth aus Tilleda beim Erkunden einer Bastion der ehemaligen Festung. Der gelungene und bestens organisierte Besuchstag in Mansfeld ging mit Kaffee und Kuchen auf dem Schloss zu Ende. Zum Abschied überreichte Vereinsvorsitzende Dr. Elke Heege das kürzlich erschienene Buch „Das Chorgestühl der Stiftskirche St. Alexandri zu Einbeck“ – ein opulentes Werk, dass das 1288 hergestellte (und damit älteste in Deutschland datierte) Gestühl der Münsterkirche in Wort und Bild behandelt. Und noch in diesem Herbst wird ein weiteres großartiges Buch publiziert; es behandelt die fast komplette wissenschaftliche Aufnahme und Vermessung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kelleranlagen in der Altstadt Einbecks. Mit Hilfe dieser Veröffentlichung kann z. B. die Entwicklung der Bebauung entlang einzelner Straßenzüge über viele Jahrhunderte nachvollzogen werden. Wohl dem, der einen solch seltenen „Schlüssel“ zur städtischen Vergangenheit in Händen hat!


Wehr bei Bretleben

Freitag, 1. September 2017

Heute einige kurze Neuigkeiten über aktuelle Schenkungen und Neuanschaffungen von heimatkundlich und genealogisch relevantem Material. Thematisch passend zu unserer Meldung vom 25. August 2017 trafen aus Osterwieck im Nordharz etliche historische Unterlagen eines Sammlers über die Glocken der Kirchen in Artern beim Heimatverein ARATORA ein. Im Gegenzug wurde sich mit anderen Dokumenten zu alten Arterner Glocken bedankt, zzgl. einer umfangreichen (und im Nachgang als sehr aussagekräftig gelobten) Fotodokumentation über den Glockenguss am 19. August 2017 in Sangerhausen. – Als fotografische Rarität konnte kürzlich eine wohl nur in Kleinstauflage hergestellte Ansichtskarte mit dem Wohnhaus von Friseur Willy Otto in der Nordstraße 6 erworben werden, versehen mit handschriftlichen Pfingstgrüßen vom Mai 1930. Ebenso selten dürfte eine weitere Privatpostkarte sein, die die Front des Wohnhauses Ritterstraße 53, damals Neue Straße 1, zeigt, davor einige Personen. Auf der Rückseite hat sich 1909 Eigentümer Friedrich Vollrath verewigt. Auch diese Fotos werden nächstes Jahr im Bildband „Damals in Artern 1925-1975 – Streifzüge durch fünf Jahrzehnte Stadtgeschichte“ veröffentlicht. – Der bereits im November 2017 erhältliche Bildband „Alte Heimat Artern“ mit Fotos aus der Sammlung von Buchbindermeister Wilhelm Leibnitz ist zwischenzeitlich komplett gesetzt und wurde auch schon auf Korrekturen gelesen. Damit steht einer rechtzeitigen Veröffentlichung zum Weihnachtsgeschäft kaum noch etwas im Wege! – Die nur scheinbar ins Hintertreffen geratenen Arbeiten an der Fortsetzung von „Die Unstrut - Geschichte(n) vom Fluss zwischen der Sachsenburger Pforte und dem Wendelstein“ erfuhren vor wenigen Tagen erfreuliche bildliche Bereichungen aus Bretleben: mehr als 50 private Aufnahmen aus den 1950/60er Jahren mit sehr schönen lokalen Bezügen zu Hydrographie und Hydrologie, so Unstrut-Hochwasser, diverse Wasserbauarbeiten, altes Wehr, Bahnbrücke über den Fluss, Ausbau der Schleuse am Flutkanal usw. Unser Bild aus dieser Sammlung datiert ungefähr in das Jahr 1962 und zeigt den damals noch sehr jugendlichen Bildgeber vor dem Unstrut-Wehr bei Bretleben.


Plakette Veitskirche

Dienstag, 29. August 2017

Heute vor achtzig Jahren wurde in der St. Veitskirche ein Heimatmuseum mit großen Feierstunde eröffnet. Ein Artikel aus dem Mitteilungsblatt „Thüringer Heimatschutz – Mitteilungen der Thüringer Landesvereine Heimatschutz“ vom Oktober 1937 berichtet darüber wie folgt: „Artern neues Heimatmuseum eröffnet. Mit einem Heimatfest eröffnete Artern sein Geltemuseum in der alten Veitskirche. Der Raum der Kirche hat durch Herausnahme einer Mauer wieder seine ursprüngliche Kreuzform erhalten. Nach weiteren Erneuerungsarbeiten wurden dann die Museumsschätze nach modernen Vorbildern aufgestellt. Gleichzeitig haben die alten Arterner Fahnen und Innungszeichen einen Ehrenplatz bekommen. Das neue Museum enthält pergamentene und papierne Urkunden mit umkapselten Siegeln, Hunderte von alten Abschriften, Regesten und Auszügen, besonders die wertvollen Handschriften von Archivrat Dr. [Eduard] Jacobs [aus Wernigerode], ferner eine beachtenswerte Sammlung heimischer Gesteinsschichten und Versteinerungen, vorgeschichtliche Gefäße und Werkzeuge, Reste urzeitlicher Tiere und Sammlungen von Pflanzen und Tieren des letzten Jahrtausends. Von den mittelalterlichen Stücken sind neben der wertvollen Ho[h]lstedter Madonna mit dem Jesuskind besonders die prächtigen Innungsbriefe der Schuhmacher von 1392 zu erwähnen. Ergänzend zu früheren Sammlungen traten alte Chroniken, Flugblätter, Steindrucke, Kupferstiche und Landkarten der engeren und weiteren Heimat. Wappen heimischer Familiengeschlechter wechseln mit alten Felgenwappen [Irrtum: es waren ursprünglich Regenbögen, später auch Sichelmonde] und Siegeln. Die an Alter wertvollsten Fahnen sind die reich bemalte Jubelfahne von 1730 und die alte weißseidene Leineweberfahne von 1795. Interesse beanspruchen auch ein Gipsabguß von Goethe Hans (Goethes Ahnen stammten aus Artern) und Bilder vom Leben und Schaffen Thomas Münzers.“ – Bereits ein Jahr zuvor hatte dieselbe Zeitschrift über damals laufende Vorbereitungen für das neue Arterner Museum berichtet: „Das im Aufbau befindliche Museum in der Veitskirche wurde durch den Leiter der Landesanstalt für Volkheitskunde Halle, Prof. [Hans] Hahne [vormals Schüler in Artern] und den Kustos [Paul] Grimm [später Ausgräber der Pfalz Tilleda] eingehend besichtig. In mehrstündigen Beratungen mit Vertretern der Stadtverwaltung und des Heimatvereins Aratora befaßte man sich mit den Schwierigkeiten, die bei der Errichtung des Museums aufgetreten sind. Zur Freude der Arterner Heimatfreunde erhielt man die Zusicherung, daß dem Museum seine Selbständigkeit nicht genommen wird. Allerdings steht zur Bergung vorgeschichtlicher Funde künftig nur der südliche Teils des Kreises Sangerhausen zur Verfügung. Darüber hinaus wird aber sein Wirkungskreis durch nicht beschränkt, so daß das Arterner Museum einst nach Fertigstellung ein getreues Spiegelbild von Kultur und Geschichte der Nordthüringer Gelte zwischen Steinklöbe und Walkenried, zwischen Sachsenburgpaß und mittleren Harz geben wird.“ – Der hohe, regional sehr ausdehnte Anspruch wurde in den zwei Jahrzehnten der Existenz des Museums nie erreicht. Schicksale und Verbleib des reichen Inventars nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute sind eines Trauerspiels würdig! Unser Bild zeigt eine Plakette zur Eröffnung 1937, darauf die Inschrift "Veits= u. Moritzkirche zu Artern / Gelteheim". (Dem Heilige Mauritius oder Moritz geweiht ist auch der Dom in Magdeburg. Mit der Namendoppelung sollte auf die historische Zugehörigkeit Arterns zum Erzstift Magdeburg seit 1346 hingewiesen werden).


Glockenguss

Freitag, 25. August 2017

Eine sehr eindrucksvolle Lehrstunde historischen Handwerks fand am vergangenen Wochenende in unserer lieben alten Kreisstadt Sangerhausen statt. Hermann Schmitt, Glockengießermeister aus Brockscheid in der Vulkaneifel, goss am Sonnabend gleich zwei Glocken für die um 1350 erbaute Marienkirche nahe des Bahnhofes. Eine Vertretung des Heimatvereins ARATORA weilte auf Einladung des Sangerhäuser Geschichtsvereins ebendort und bereute das stundenlange Warten in der das Gotteshaus umgebenden Marienanlage keinesfalls. Immerhin kamen während der Vorführungen auch Erinnerungen an die Arterner Glockengießermeister Meyer in der Harzstraße und Werner in der Kirchstraße aus dem 19. Jahrhundert hoch. – Der Glockenguss 2017 ist ein Gemeinschaftsprojekt des Kulturvereins Armer Kasten, des Vereins für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung sowie der Gemeinde der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Insgesamt sind es vier Glocken, die für die Marienkirche neu gegossen worden sind und bald zu Ehren des 500. Jubiläums der Reformation vom Turm von St. Marien erklingen werden. Die Kosten hierfür belaufen sich auf insgesamt über 64.000 Euro! – Eindrucksvollste und vermutlich einmalige Augenblicke waren jene, als die 1.100 Grad heiße Glockenspeise aus Kupfer und Zinn manuell in die Gussformen gefüllt wurde (unser Bild). Sehr rasch glühten da die Eisenstangen und Schaufeln bzw. es fingen die Handschuhe der Gießer Feuer. In markanter Pfälzer Mundart hallten die Befehle an die Arbeiter während der hochgefährlichen Arbeit durch die Reihen der zahlreichen Besucher. Aber erst einen Tag später stellte sich heraus, ob die Güsse gelungen sind – und sie waren es, auch wenn die Arbeiter (mit Hilfe auch von Gästen) bis dahin mit Schlaghammer, Stemmeisen, Flex und Drahtbürste in stundenlangen, sehr staubigen Strapazen die Bronzeglocken von den Resten der Gussformen befreien mussten. Das erste Anschlagen mittels eines Holzbretts offenbarte bereits, was bald klanglich die Rosenstadt bereichern wird. Zum Kobermännchenfest am ersten September-Wochenende können die Besucher die Resultate des Glockengusses in Augenschein nehmen, ehe alle vier Glocken dann am 31. Oktober 2017 zusammen ertönen.


Bewohner- & Hausverzeichnis

Dienstag, 22. August 2017

Anderthalb Tage dauerte eine kürzlich von Heimatfreunden bzw. Familienforschern aus Artern und Nordrhein-Westfalen umständehalber vorgenommene, umfangreiche fotografische Dokumentation von hiesigen Akten, vorrangig aus dem späten 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts (unser Bild) sowie die Sichtung weitere hochinteressanter Dokumente, vorrangig mit historischen Personenbezügen. Der Clou an der durch den Heimatverein ARATORA sichergestellten Sammlung: eine achtbändige Erhebung sämtlicher Wohnhäuser in Artern mit zeitlicher Auflistung und Nachweisung der Besitzer und deren Familien, der Mieter mit Familien, den zweitweise darin wohnhaften Gewesenen sowie früher nur sporadisch dort Anwesenden – alles in allem mehrere Tausend Eintragungen mit detaillierten Zahlenwerten weit über ein Halbjahrhundert hinweg. Es liegen vor: die Belegung der Häuser Nr. 50 bis 458. Leider fehlt Band 1 mit den Wohnhäusern 1 bis 49, d. h. Teile der Harzstraße, der Nordhäuser Straße und der Alten Poststraße sind nicht nachweisbar. Trotzdem lässt es diese sehr inhaltsreiche handschriftliche Dokumentation künftig zu, viele personen- und/oder familienbezogene Chronologien pro Wohngebäude zu erstellen. Als hilfreicher Schlüssel zur Verortung der in den Folianten benannten einzelnen Hausnummern dient eine bislang unveröffentlichte Arterner Stadtkarte aus dem Jahr 1887, auf der akribisch die damals gültige Haunummerierung im Stadtgebiet vermerkt wurde, ehe 1893 eine vollständige Änderung dieses überholten Ordnungssystems durch den Arterner Stadtrat beschlossen worden ist. – Nunmehr können Aussagen über die historische Bewohnung der meisten Häuser in Artern über einen nicht unbedeutenden Zeitraum von spätsächsischer über frühpreußische Zeit und noch später eruiert werden! Einarbeitung, Erfassung, Transkription, Registrierung und Verkartung der Daten werden allerdings einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Der Lohn dieser Mühen werden einmalige Informationen zur Genealogie, Bau- und Stadtgeschichte sein. Insgesamt wurden fast 1.300 Fotos erstellt, die analog den Originalen digital in Ordnern abgelegt worden sind, wobei die Dateien der historischen Nummerierung der Häuser folgen. Zur schnelleren Abarbeitung und Übersicht wurden diese Einzelfotos in PDF-Dateien zusammengefasst, ehe die spannende, wenngleich mühselige Einzelbearbeitung und -erfassung erfolgt. Ohne Übertreibung kann vorab schon resümiert werden, dass der Fund dieser einmaligen Dokumente eine stadtgeschichtliche Quelle ersten Ranges darstellt, die bauhistorisch und personenbezogen viele neue Einzelheiten offenbaren wird, quasi ein Einwohner-Melderegister aus alter Zeit! Ganz besonderen Dank gebührt Vorstandsmitglied Wolfgang Hecker aus Artern für die Bereitstellung diverser Technik zur Erleichterung der Durchführung obiger Aktion zwecks digitaler Sicherung alter Unterlagen.


Thüringer Fähnlein

Freitag, 18. August 2017

Eine wahre Fundgrube für vorgeschichtlich und historisch Interessierte bietet die Bibliothek der Bau- und Kunstdenkmalpflege, Erfurt und die Bibliothek der Archäologischen Denkmalpflege, Weimar im Internet an, und zwar entsprechend thematisch getrennt in Form von diversen Online-Publikationen. Darunter befinden sich zahlreiche Veröffentlichungen, die einerseits heute nur noch schwer erhältlich sind oder aber oftmals überteuert antiquarisch angeboten werden. So wartet die Bau- und Kunstdenkmalpflege mit den digitalen Ausgaben der „Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens“ als historische Standardwerke auf. Umfang- und abwechslungsreicher kommt die Archäologie mit Vorkriegs- und DDR-Ausgaben daher und bietet u. a. diese Periodika zum (artikelweisen) Download als PDF-Dokumente an: Der Spatenforscher, Das Thüringer Fähnlein (unser Bild), Urgeschichte und Heimatforschung, Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Thüringens, Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte, Restauration und Museumstechnik, Alt-Thüringen usw. – Das Digitalisierungsangebot wird ständig erweitert und steht online zur Verfügung. Mit diesen tausende Seiten umfassenden Schriften und Büchern können besonders auch Heimatforscher und Bodendenkmalpfleger ihre Kenntnisse zur Regional- und Landesgeschichte erweitern. Besonders erfreulich: über eine Suchfunktion können mühelos innerhalb mehrerer Buchausgaben Begriffe eruiert werden. Als besonderer „Leckerbissen“ regionaler Art sei auf „Der Derfflinger Hügel bei Kalbsrieth (Grossherzogtum Sachsen) : eine thüringische Nekropole aus dem Unstruttale von der Steinzeit bis zur Einführung des Christentums benutzt / von Armin Möller. - Jena : Fischer, 1912“ aufmerksam gemacht. Über nachstehenden Link sind sämtliche Daten erreichbar: https://lhwei.gbv.de/DB=5.4/TLDA_DIGIMEDIEN.


Mansfeld Schloss

Dienstag, 15. August 2017

Das jährliche Freundschaftstreffen zwischen dem Einbecker Geschichtsverein und dem Heimatverein ARATORA findet diesmal am Sonnabend, 2. September 2017 statt und führt nach Mansfeld. Die Tagestour beginnt um 10 Uhr in der dortigen spätgotischen Stadtkirche St. Georg mit prächtigen Gräbern der Mansfelder Grafen, drei künstlerisch hochwertigen Altären sowie einen Ganzkörperporträt Martin Luthers. Danach ist der Besuch von Luthers Elternhaus geplant, wo Ausstellungen den Lebensalltag der Familie des Reformators, rekonstruiert aufgrund von archäologischen Grabungen, nachvollziehen. Während Baumaßnahmen wurden dort in den Jahren 2003/2004 sowie 2008 herausragende diesbezügliche Bodenfunde aus der frühen Neuzeit gemacht. Nach dem Mittagessen geht es dann auf Schloss Mansfeld, wo der Wohnort des gleichnamigen Grafengeschlechtes bei einer Führung nahegebracht wird (unser Bild zeigt eine 1723 veröffentlichte Darstellung dieser Festung). Besonders über die Prunksärge in der Kirche sowie das Schloss (Linie Mansfeld-Vorderort) können leicht direkte historische Beziehungen auch zur Stadtgeschichte des vormals mansfeldischen Städtchens Artern gezogen werden. Bei Kaffee und Kuchen auf dem Schloss soll der Besuchstag am Nachmittag dann ausklingen. – Mitglieder und Interessierte sind herzlich eingeladen, an dieser Tour im Lutherjahr teilzunehmen. Hierzu wird um vorherige telefonische Anmeldung bis Montag, 28. August 2017 gebeten (Tel. 03466 / 320139). Mitfahrgelegenheiten ab Artern bzw. retour sind allerdings begrenzt. Interessierte Selbstfahrer sind willkommen. Die Kosten für den Ausflug werden sich in einem sehr verträglichen Rahmen halten!


Bahnhof

Freitag, 11. August 2017

Wie in unserer aktuellen Meldung vom 16. Juni 2017 bereits mitgeteilt, erhielt das Bilderarchiv des Heimatvereins ARATORA ungeahnten und hochwertigen Zuwachs infolge der schenkungsweisen Überlassung der Sammlung des ehemaligen Arterner Buchbindermeisters Wilhelm Leibnitz in der Leipziger Straße 12. Nachdem die 122 Abbildungen umfassende Kollektion, bestehend überwiegend aus Fotos zwischen etwa 1880 und 1950, digitalisiert und danach intensiver begutachtet werden konnte, reifte der Beschluss einer Veröffentlichung. Auch und besonders die außergewöhnliche Besucherresonanz und Zustimmung beim Tag der Vereine im Arterner Sole-Schwimmbad am 24. Juni 2017, als bereits viele Dutzend Interessierte am Stand des Heimatvereins ARATORA begeistert Einblick in die Sammlung genommen hatten, haben die Entscheidung für eine neue Publikation maßgeblich verstärkt. Unter dem Titel „Alte Heimat Artern“ wird nun die Sammlung von Wilhelm Leibnitz voraussichtlich Mitte/Ende November 2017 als 128seitiger Bildband veröffentlicht. Zu sehen sein werden u. a. verschiedene sehr alte Darstellungen des Bahnhofs (unser Bild) und Kleinbahnhofes, weiterhin der Markt, die Wasser- und Harzstraße, Bismarckplatz, Unstrut, Saline usw. Als Format des Buches wurde A5 quer gewählt, um den überwiegenden Profilen der Originalfotos gerecht zu werden. Es wird pro Seite nur ein Bild gezeigt, um Details der Aufnahmen besser erkennen zu können. Ergänzt werden die Abbildungen mit kurzen Unterschriften sowie einem Vorwort. Das Buch kann in drei Monaten zu einem voraussichtlich sehr akzeptablen Preis beim Heimatverein ARATORA sowie im „Guten Buch“ in Artern erworben werden. Das Buch wird derzeit gesetzt und wird Ende August auf Korrekturen gelesen. Näheres zu gegebener Zeit! – Aufgrund dieser Veröffentlichung verschiebt sich die zunächst für das Jahresende 2017 angestrebte, 280seitige Veröffentlichung „Damals in Artern 1925-1975 – Streifzüge durch fünf Jahrzehnte Stadtgeschichte“ nun leider auf Mitte 2018. Denn anders als zunächst eingeschätzt sind Arbeit, Zeitaufwand und Recherchen für dieses Buch doch bedeutend intensiver. Zudem fehlen noch immer zwar zugesagte, jedoch immer noch nicht überlassene Abbildungen, die jedoch möglichst Aufnahme in „Damals in Artern“ finden sollen. – Unberührt davon bleibt jedoch der Erscheinungstermin des (N)Ostalgie-Kalenders 2018 „Artern in den 60er bis 80er Jahren auf 24 Kalenderbildern“ am 7. Oktober 2017 zum Zwiebelmarkt bestehen! – Noch eine erfreuliche Information zu unserer letzten Buchveröffentlichung. Zum wahren Glücksfall entwickelte sich nämlich die vergangenen Wochen hinweg die großflächige Ausweitung des Bewerbungsgebietes der Ende Mai 2017 erschienenen Nachauflage unserer Veröffentlichung „Die Unstrut - Geschichte(n) vom Fluss zwischen der Sachsenburger Pforte und dem Wendelstein“ das Unstrut-Tal abwärts nach Naumburg. Das Interesse an diesem Sachbuch ist auch dort hoch, das Echo darauf durchweg positiv!


Rund um die Hüttenmühle

Dienstag, 8. August 2017

Die Heimatstadt zu Fuß erkunden, mit einem historischen Wanderführer in der Hand. Dieses Konzept verfolgen derzeit unsere langjährigen Geschichtsfreunde aus Sangerhausen. Nachdem bereits im Vorjahr die erste Broschüre dieser Art mit dem Titel „Wanderung durch das Brühltal zum Schacht“ publiziert worden ist, liegt nunmehr die Folgeausgabe vor, die per pedes „Rund um die Hüttenmühle“ führt. Wanderlustige haben nun die Möglichkeit, mit dem Heftchen in der Hand auf Entdeckungsreise zu gehen oder einfach nur in der 34seitigen und mit 54 historischen und aktuellen Abbildungen illustrierten Broschüre zu lesen. Als Wanderstationen sind u. a. zu nennen: Friesenstadion, Gartenanlage am Bahnteich, ehemaliges RAD-Lager, Brückenanlagen für die Gonna und den Pfingstgraben, Mundloch des Segen-Gottes-Stollen, Hüttenmühle, Stift St. Julian, Mühlgasse, Maschinenfabrik Askania. – Vereinsvorsitzender Helmut Loth resümiert über die noch junge Reihe mit Wanderführern: „Unsere unmittelbare Heimat ist dank Ihrer Schönheit und Vielfalt zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Ausflugsziel. Wir wollen mit unseren Wanderheften einen Anstoß geben, hinaus zu gehen, um Natur und Geschichte der Heimat gratis zu erleben. Wanderfreudige und Geschichtsinteressierte sind eingeladen, mit uns um und in Sangerhausen zu wandern. Mit den Wanderheften starten wir den Versuch, etwas über die Geschichte von Gebäuden und Landschaften entlang des jeweiligen Wanderweges zu erzählen.“. – Die Broschüren sind in der Sangerhäuser Buchhandlung „Das Gute Buch“ in der Göpenstraße zum Stückpreis von 3,00 Euro erhältlich oder können mittels Email zzgl. Porto beim Geschichtsverein bestellt werden: geschichtsverein[at]web.de. Beide Hefte können gut als Vorlage dienen, auch in anderen Städten und Gemeinden unserer Heimat derartige kulturhistorische Wanderrouten zu initiieren bzw. zu popularisieren, z. B. in Artern, wo der Borlach-Wanderweg zu Erkundungen der Stadtgeschichte einlädt.


Autoren

Dienstag. 1. August 2017

Am vergangenen Freitag erschien mit „Monsieur Göthé – Goethes unbekannter Großvater“ die erste umfängliche Lebensbeschreibung des Dichter-Ahnen aus Artern als 391. Band der renommierten Buchreihe „Die andere Bibliothek“ in Berlin. Im Mittelpunkt des 480 Seiten umfassenden Werks steht Friedrich Georg Göthe (1657-1730), Sohn des Hufschmieds und Ratsherrn Hans Christian Göthe in der Arterner Harzstraße, der als Schneider seine Heimatstadt an der Unstrut verließ und ab 1705 Gasthalter des renommierten Weidenhofes in Frankfurt am Main wurde. Sein Enkel war hernach der Dichterfürst (1749-1832). – Zu genealogischen und historischen Recherchen weilten die drei Autoren Prof. Heiner Boehncke (rechts), Autor und Literaturwissenschaftler, Hans Sarkowicz (Mitte), Leiter des Bereichs Kultur und Wissenschaft beim Hessischen Rundfunk, und Dr. Joachim Seng (links), Leiter der Bibliothek „Freies Deutsches Hochstift“ (Goethe-Museum) in Frankfurt/M. bereits im Frühjahr 2016 auch in Artern. Gemeinsam mit Charlotte Loeschmann vom Stadtarchiv sowie Andreas Schmölling vom Heimatverein Aratora wurden sämtliche vorhandenen Primär- und Sekundärunterlagen über die Familie Göthe in Artern bzw. relevante Akten aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts für Recherchen zugänglich gemacht, respektive im Nachgang zugesandt. Darüber hinaus weilten die Verfassern auch an anderen Orten unserer Heimat mit Goethe-Bezug, so in Kannawurf, dem Ort der Taufe von Friedrich Georg Göthe. – Der Verlag teilt über die Neuerscheinung mit: „Am 6. September 1657 wurde im thüringischen Dorf Kannawurf Friedrich Georg Göthe getauft. Der Sohn eines Hufschmieds blieb nicht in Thüringen und wurde, anders als vier seiner Brüder, auch nicht Schmied. Friedrich Georg lernte das Schneiderhandwerk und suchte sein Glück als wandernder Geselle in der Seidenstadt Lyon, wo er die neueste Mode und die besten Stoffe fand. Damit die Franzosen sein »E« nicht verschluckten, setzte er einen Akzent darauf und nannte sich fortan Göthé. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. musste der Protestant Frankreich verlassen und kam über Paris nach Frankfurt am Main, wo er die Tochter eines Schneidermeisters heiratete und zu einem der wohlhabendsten Bürger Frankfurts wurde. Das vererbte Vermögen reichte auch für den Enkel Johann Wolfgang, der davon ein gutes Leben als Student führen konnte. Von ihm, dem Seidenschneider und Aufsteiger Göthé wollte er aber nicht abstammen. Allen Enkelstolz übertrug er auf die Textor-, die mütterliche Linie. Die maßgeblichen Biographen machten die Verdunkelung der väterlichen Seite mit. In nachgetragener Gerechtigkeit beleuchtet das Autorentrio Boehncke, Sarkowicz und Seng einen großen Unbekannten seines Stammbaums und fördert schöne Geschichten aus dem Leben des umtriebigen Schneidermeisters Göthé ans Licht, dessen Gerissenheit seinem Enkel den Weg zum Klassiker ebnete." – Die Göthé-Biografie erscheint in Originalausgabe, nummeriert und limitiert, illustriert mit zahlreichen Abbildungen, schneiderfaden-gestanzter Buchschlaufe und rot schillerndem Bezug. Das Werk kann mittels ISBN 9783847703914 im Buchhandel bestellt werden, es kostet 42,00 Euro.


Zitat Goethe

Dienstag, 25. Juli 2017

In Zeiten von WhatsApp, Twitter und Facebook und mit diesen Medien weltweit verbreiteten Mitteilungen, nicht selten trivial bzw. niveaulos, hat das altgediente Poesiealbum offenbar keine Chance mehr. Umso schöner, wenn sich diese alten Dokumente erhalten haben. Kürzlich erhielt der Heimatverein ARATORA ein solches Sammelbuch aus den Jahren 1927 bis 1931, einst Irmgard Horch aus Artern gehörend. Deren Vater Ernst Horch war Kaufmann und mit seinem Geschäft für Manufakturen und Schuhmode am Bismarckplatz 8 ansässig. Neununddreißig Personen aus Artern haben sich im Poesiealbum, dass aus Lengede/Broistedt bei Salzgitter in Niedersachsen zur Verfügung gestellt worden ist, mit Zitaten und Lebensweisheiten verewigt. Bei den Eintragenden handelt es sich neben der Familie, Lehrerschaft und Geistlichkeit überwiegend um Schulkameraden von Irmgard Horch, Geburtsjahr um 1915. Es haben sich vor rund neunzig Jahren folgende Personen aus Artern in das Poesiealbum von Irmgard Horch eingetragen: Tante Else Horch, Onkel Fritz Horch, Ernst Henze, Superintendent Wilhelm Kessler, Rektor Hermann Ritter, Pastor Paul Bauermeister, Lehrer W. (unleserlich), Lehrer Moritz Eberhardt, Lehrerin Marta Warich, Lehrer Walter Prüfert, Lehrer Hugo Kahl, Lehrer Max Sziede, Lehrer Erich Briest, Lehrer Erich Metzner, Lehrerin Lotte Mahlo, Elfriede Campesato, Eva Pomtow, Margarete Rosenau, Marianne Eckart, Edith Pochert, Rosa Reinhardt, Ursula Stoffer, Gertrud Abicht, Lotte Reinhardt, Charlotte Hesse, Käthe Mayer, Elfriede Götte, Richard Unkrodt, Heinz Sander, Herbert Schütze, Hildegard Oppermann, Hanna Müller, Irmgard Trinks, Gertrud Wölfer, Gertrud Kuhwald, Marianne Muth, Gerdi Moog, Charlotte Sander und Gerda Reinhardt. – Falls Familienforscher oder Interessierte hier ihre Ahnen und/oder Verwandten finden sollten, wird gern auf Anfrage die entsprechende Seite mit relevanter Schriftprobe aus dem Album per Email zugesandt. – Unser Bild zeigt eine Seite des Poesiealbums mit Zitat aus Goethes „Zahme Xenien“: „Wer mit dem Leben spielt, kommt nie zurecht; wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer Knecht“, zur zeitlosen Beherzigung damals niedergeschrieben von Lehrerin Lotte Mahlo.


Artern 1843

Dienstag, 18. Juli 2017

Vier Gemälde mit stadt- und regionalgeschichtlicher Relevanz wurden kürzlich dem Heimatverein ARATAORA leihweise zwecks Digitalisierung überlassen. Deren ältestes ist jenes von 1819, das vom Goldschmied Ernst Sann (1778-1857) gemalt worden ist und auch im Arterner Heimatbuch von Ewald Engelhardt (1913) auf Seite 231 publiziert wurde. Das uns vorliegende farbige Bild zeigt das Wasserschloss, den Saline-Kunstturm und die Mühle an der Unstrut. Offenbar handelt es sich hierbei um einen ersten Entwurf oder aber um eine später nach der Vorlage des Originals von Sann hergestellte Kopie. Sichtbar unter den Aquarellfarben sind die mittels Bleistift gemachten Vorzeichnungen der Motive. – Das zweite Bild (hier wiedergegeben) ist ein größerer Ausschnitt aus einer Gesamtdarstellung der Stadt Artern, sehr ähnlich jenem Gemälde von Moritz Hoffmann aus dem Jahr 1843 (vgl. Arterner Heimatbuch, S. 245). Der hier leider ungenannte Künstler hat im Vordergrund Bauern bei der Vesper dargestellt, dahinter mit viel Akribie das Weichbild der Stadt Artern mit Saline, Gradierwerken, Schachttürmen, Siedehäusern, Veitskirche und Altstadt. Jedoch die Marienkirche und die Neustadt fehlen; im Gegensatz zur von Ewald Engelhardt 1913 veröffentlichten Bildfassung. Besonders die Wiedergabe der städtischen Bebauung ist äußerst detailreich, wie im hochauflösende Scann erkennbar wird. Zur Konservierung ist auf das sehr farbenprächtige Gemälde vom Maler offenbar ein lackähnlicher Überzug aufgetragen worden. – Als Kunstwerk sowie vom Motiv her bislang völlig unbekannt ist ein Aquarell von Ewald Engelhardt (1879-1976) aus dem Jahr 1934, den Blick aus seiner Wohnung in der Puschkinstraße nach Westen hin zeigend: vorn der Hausgarten, dahinter die Schweinegasse sowie dort befindliche Fachwerk-Scheunen, zudem die Dachlandschaft der Harzstraße. Im Hintergrund erhebt sich majestätisch das Kyffhäuser-Gebirge im Abendrot. Entsprechend der dargestellten, fortgeschrittenen Tageszeit ist die Kolorierungen vom Künstler dezent und eher düster vorgenommen worden. – Als viertes Gemälde, offensichtlich auch ein Aquarell von Ewald Engelhardt, wird der Turm der Oberburg auf dem Kyffhäuser gezeigt, im Hintergrund die Rothenburg. Diese Darstellung ist jedoch mehr schemenhaft, zumal die bewaldeten Hänge nur mit breiten Pinselstrichen angedeutet sind. – Aufgrund dessen es sich bei beschriebenen Bildern um bislang unbekannte Unikate handelt, wurden diese auch noch nie veröffentlicht. Zumindest der Blick aus Engelhardts Wohnung auf die Schweinegasse und Harzstraße könnte in absehbarer Zeit in dem noch in Arbeit befindlichen Bildband „Artern 1925-1975“ Einzug halten, die anderen sicherlich zu gegebener Zeit zur Illustration von thematisch relevanten Texten. – Zudem konnte kürzlich im Rahmen von Unterstützungsarbeiten für eine Neuerscheinung zum historischen Arbeitsleben in und um Heldrungen erfolgreich Kontakt zu einem Bildgeber aufgenommen werden. In der Folge dessen sind dutzende historische Fotos gescannt worden, von denen etliche zur Illustration dieses für den Herbst 2017 geplanten volkskundlichen Buches dienen dürften. Mitgeliefert wurden zudem zahlreiche Farbdias mit für diese Veröffentlichung relevanten Motiven. Zur großen Freude fanden sich unter dem bereitgestellten Bildmaterial auch einige schöne alte Ansichten, die gut zur Bebilderung des zweiten Bandes unseres Unstrut-Buches taugen.


Funde Johannisstraße

Dienstag, 11. Juli 2017

Am 21. Juni 2017 begannen im oberen Teil der Wasserstraße und danach abbiegend in die Johannisstraße Tiefbauarbeiten, bei denen Rohrleitungen verlegt werden. Die aufbaggerten, nicht allzu breiten Gräben waren weit über zwei Meter tief, was durchaus auf den einen oder anderen archäologischen Funde oder Befund hoffen ließ. Doch bislang wurden diese Hoffnungen, trotz täglicher Kontrollgänge mit Fotodokumentationen, leider arg enttäuscht. So gut wie keine Scherben oder Knochen konnten im Aushub entdeckt werden, und dass, trotzdem wenigstens mittelalterliche und/oder frühneuzeitliche Keramiken in mäßigem Umfang aus dem Altsiedelgebiet der Neustadt zu erwarten gewesen wären. Die bislang lediglich vier gemachten Funde bestehen aus zwei Gefäßhenkeln (der größere mit Innenglasur, der kleinere mit Innen- und Außenglasur), vermutlich einem Gefäßrandstück (unser Bild) sowie einer noch undatierten (nicht industriell hergestellten) Dachziegel vom Typ Biberschwanz. – Das beim Straßenaufriss ausgebaggerte fundleere Lockermaterial kann als sekundär verbaute Füllmasse aus vorangegangenen Straßenbauarbeiten angesprochen werden, hinzu kommt Baukies, darunter befand sich anstehender Ton. Auch die durch die Baggerschaufel entstandenen Profile brachten keinerlei archäologisch relevanten Erkenntnisse. Auch vom „unterirdischen Gang“, der vom Wohnhaus Wasserstraße 2 in Richtung des Rathauses verlaufen soll, war keine Spur zu entdecken, trotzdem ein Foto mit Bauarbeiten von Ende der 1950er Jahre eben jenen gemauerten Tunnel zeigt, der gerade durch Heimatforscher Ewald Engelhardt (1878-1976) inspiziert wird. Ebenso fehlen eindeutige Brandschichten im Erdreich, die auf die großen Stadtfeuer, vor allem im 17. Jahrhundert, hindeuten könnten. Es wird sich zeigen, ob im Verlauf der weiteren Straßenarbeiten doch noch vermehrt Funde zutage treten. Merkwürdig und enttäuschend ist die jetzige Situation aber schon, denn während der umfassenden Sanierung der Straßen der Altstadt in den 1990er Jahren waren zahlreiche glasierte und unglasierte Scherben sowie Knochen an Tageslicht gelangt. – Die bisherigen Pflasterungen mit den in Jahrzehnten völlig abgefahrenen Schlackesteinen in den jetzt schon aufgerissenen bzw. noch unter die Baggerschaufel kommenden Straßenabschnitten wurden zuvor umfänglich fotografisch dokumentiert, ebenso der potentielle Abriss-Giebel der Ruine Harzstraße 22 und das gleichfalls zur Einebnung bestimmte Wohnhaus Fräuleinstraße 20 im ehemaligen Schulkomplex.