Artern

Zur freundlichen Beachtung & aktuelle Meldungen

Kalenderblatt Juni 2018

Dienstag, 3. Oktober 2017

Erstmals zum Arterner Zwiebelmarkt am 7. und 8. Oktober 2017 bietet der Heimatverein ARATORA die neueste Ausgabe des 28seitigen und mit 32 Fotos illustrierten (N)Ostalgie-Kalenders an, der für 2018 unter dem Motto „Artern in den 60er bis 80er Jahren“ steht (unser Bild). Bitte jedoch wegen der Bauarbeiten in der Innenstadt zu beachten: der Info-Stand des Heimatvereins ARATORA befindet sich diesmal nicht in der Wasserstraße, sondern in der Torfahrt zwischen der Leipziger Straße 9 (vormals griechisches Restaurant) und dem Wohnhaus Nr. 10. An beiden Markttagen ist von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Ab Montag, 9. Oktober 2017 werden dann die Restexemplare im „Guten Buch“ Artern angeboten. Es liegen zudem bereits zahlreiche Vorbestellungen für den Postversand vor! Die Auflage des Kalenders beläuft sich auf 350 Exemplare, der Einzelpreis beträgt 8,00 Euro. – In diesem Zusammenhang eine besonders herzliche Bitte an alle Interessenten dieses wiederum sehr attraktiven Erzeugnisses aus der Druckerei Möbius in Artern. Wie bekannt, gibt es aktuell mit der Orgel in der Arterner Marienkirche erhebliche Bedenken und Probleme hinsichtlich deren Statik. Die Behebung dieses Missstandes wird etwa 200.000 Euro kosten! Um die Einwerbung von Eigenmitteln zu unterstützen, möchte der Heimatverein der evangelischen Kirchengemeinde Artern gern wie folgt helfen. Alle Interessenten werden herzlich gebeten, den Kaufpreis unseres neuen Kalenders freiwillig von 8,00 auf 10,00 Euro oder gern auch mehr zu erhöhen! (Wenigstens) zwei Euro ist ein Betrag, den sicherlich jedermann aufzubringen vermag und nicht allzu im Portemonnaie sehr wehtut, zumal dieses Geld für einen guten und sehr wichtigen Zweck eingesetzt wird. Sollten optimalerweise sämtliche Kalender unter diesen Vorzeichen verkauft werden, kämen wenigstens 700,00 Euro zugunsten der Orgel zusammen. Das wäre doch ein sehr schönes Ergebnis und hilft bestimmt schon etwas weiter, um der Arterner Königin der Instrumente wieder mehr Standfestigkeit zu verleihen! – Unser Bild zeigt das Kalenderblatt für die ersten zwei Wochen im Juni 2018 mit Blick in die Leipziger Straße, teils noch mit längst abgerissener Altbebauung.


Kleine Sammlung Leibnitz

Freitag, 29. September 2017

Erneut war es Heimatfreund Günther Burghardt aus Bad Frankenhausen, der kürzlich dem Heimatverein ARATORA wichtige Bilddokumente aus der Vergangenheit der Stadt Artern überließ, insgesamt über vierzig Fotos (unser Bild). Darunter befand sich ein Fotoalbum von Buchbindermeister Wilhelm Leibnitz, vormals Leipziger Straße 12, mit 24 professionellen Aufnahmen aus den 1930er bis 1950er Jahren. Zu sehen sind: Artern vom Weinberg aus, Rathaus mit Fünfjahresplan-Symbol, obere Wasserstraße, Markt mit Kirche, Sündergasse, Veitskirche, Bismarckplatz mit Leipziger Straße, Sockel des Ehrenmals auf dem Bismarckplatz, Mühlgraben, Badehaus im Salinepark, Unstrut-Flussbad, vereister Mühlgraben, Freilichtbühne, Solequelle, Kirche Schönfeld mit Unstrut, Kalbsrieth, Sachsenburgen, Schafherde bei Tilleda, Goldene Aue mit Kyffhäuser, Kyffhäuser-Denkmal und Rothenburg. Die Liebe von Wilhelm Leibnitz zu seiner Heimat und zur Stadt Artern insbesondere brachte er im Album mit kalligrafisch niedergeschriebenen Sinnsprüchen zum Ausdruck, zusammen zehn Zitate. Eines, besonders sich in jetziger Zeit mehr als bewahrheitend, lautet: „Man kann das große Vaterland nicht lieben, wenn man die kleine Heimat nicht im Herzen trägt“. – Aus der dem Album beigefügten losen Bildersammlung stechen betreffs der Seltenheit der Motive bzw. des Blickwinkels der Aufnahmen hervor: Süßwasserbrunnen an der Sole, Turm des Rathauses, Kaufhaus Schaefer in der Nordhäuser Straße und Kinderbildnis des späteren Waffenmeisters Adolf Diebner mit Spielkamerad Hans Burghardt, beide aus der Harzstraße. – Sehr schade ist es, dass aus zeitlichen und organisatorischen Gründen obiges Album nicht mehr in den bereits fertiggestellten Bildband mit einer großen Foto-Sammlung von Wilhelm Leibnitz integriert werden kann, der im schon November 2017 als Bildband „Alte Heimat Artern“ erscheinen wird. Dafür werden diese neuen Fotos nun in den voraussichtlich Mitte 2018 erscheinenden Band "Damals in Artern 1925-1975 – Streifzüge durch fünf Jahrzehnte Stadtgeschichte" publiziert. – Nicht unerwähnt bleiben soll noch eine kürzlich zur Verfügung gestellte Sammlung mit über 30 historischen Fotos und Reproduktionen, die den Heimatverein ARATORA dankenswerterweise aus Laucha/Unstrut erreichte. Ein nicht geringer Teil dieser Abbildungen eignet sich perspektivisch zur Illustration von Artikeln, die bereits für die avisierte Fortsetzung unseres in 2. Auflage erhältlichen Buches „Die Unstrut – Geschichte(n) vom Fluss zwischen der Sachsenburger Pforte und dem Wendelstein“ vorliegen. Es handelt sich hierbei zumeist um Darstellungen aus der regionalen Schifffahrtsgeschichte.


CG 3-2017

Dienstag, 26. September 2017

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Computer-Genealogie“ 3/2017 widmet sich einem ebenso wichtigen wie in der Realität mitunter leidigem Thema: Nachwuchs und Nachwuchsförderung in der Ahnenforschung. Die mittel- bis langfristige Bedeutung dieses Komplexes ist bereits daraus zu ersehen, dass sich mehr als die Hälfte des Heftes, das sind sechs Artikel, mit eben diesem Inhalt beschäftigt. Wert wird demnach schon im frühen Lebensalter auf die kindgerechte Hinleitung sowie auf die praxisnahe Durchführung genealogischer Ermittlungen und später auch Forschungen (alte Schriften lesen, Quellen aufspüren) gelegt: zu Hause, in der Verwandtschaft und in der Schule. Besonders Eltern und Pädagogen sollten sich deswegen dieses Heft besorgen (6,10 Euro inkl. Versand), um förderliche Anregungen und Hinweise zu erhalten, wie Kinder und Jugendliche für die Familienforschung begeistert werden könn(t)en. – Ein weiterer wichtiger Bericht widmet sich dem Ende des Mikrofilm-Zeitalters bei Familiysearch, denn die bislang genutzten Filme als Datenträger wurden bzw. werden noch digitalisiert. Wie es nun weiter geht und wie sich Forscher verhalten sollen, wird erläutert. Näheres auch auf der Homepage von Familiysearch. – Die wie stets äußerst informativen „Splitter“ und Kurzberichte aus der Welt der Genealogie (Bücher, Software, Websites) beschließen die neue Ausgabe der „Computer-Genealogie“. – Das nächste Heft kommt am 15. Dezember 2017 heraus und widmet sich der „Geschichte zwischen den Standarddaten“ der Ahnenforschung – ein besonders interessantes und weites Forschungsfeld, denn jenseits der Eintragungen in Kirchenbüchern („Er ward geboren, nahm sich ein Weib und starb“) ist schließlich für jede zu erforschende Person, egal wann und wo, so gut es eben geht ein Lebenslauf zu recherchieren. Wir sind schon gespannt auf die Tipps der „Computer-Genealogie“.


Lonicerus

Freitag, 22. September 2017

Gezielte und tiefgründige Recherchen in mittlerweile recht zahlreich online verfügbaren Archiven und Portalen bringen immer wieder auch lokal- oder regionalgeschichtlich relevante Dokumente zutage: vom Inhalt her bereits bekannte, jedoch auch bislang ungekannte Informationen. Von der intensiven Digitalisierung historischer Unterlagen sind nämlich nicht selten auch Akten aus unserer Gegend betroffen, die dann komplett zur Verfügung stehen bzw. deren Erreichbarkeit und Kopierung dadurch möglich sind. Im Rahmen einer solchen Durchforstung wurde die „Die Porträtsammlung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel“ ermittelt. Diese Kollektion entstand in der heutigen Form um 1970 infolge der Auflösung bzw. Zusammenführung dreier älterer Sammlungen, die hernach restauriert und auf Karton gezogen bzw. unter Passepartouts gelegt worden sind. Die gesamte Sammlung beinhaltet rund 32.000 Blätter (darunter etwa 6.000 Dubletten) verschiedenster druckgraphischer Verfahren, wobei überwiegend Personen des 17. und 18. Jahrhunderts dargestellt sind, besonders Gelehrte, Amtspersonen, Herrscher, Adelige und Personen aus dem höheren Bürgentum. Der Schwerpunkt liegt auf den protestantischen deutschen Gebieten. – Mittels der Suchfunktion auf der zugehörigen Webseite http://portraits.hab.de/ ist es möglich, Porträts des 16. bis 19. Jahrhunderts aus besagter Sammlung zu ermitteln, wobei auch etliche Persönlichkeiten aus unserer Heimat gefunden werden können. Mit folgenden Suchanfragen wird man u. a. gut fündig: Allstedt, Artern, Eisleben, Frankenhausen, Gorsleben, Greußen, Heldrungen, Kelbra, Kindelbrück, Mansfeld, Nordhausen, Oldisleben, Querfurt, Reinsdorf, Sachsenburg, Sangerhausen, Sömmerda, Sondershausen, Stolberg/Harz, Unstrut, Weißensee, Wiehe. Ein Beispiel hierzu: Nach Eingabe des Suchbegriffes „Artern“ wird u. a. der 1497 (oder 1499) geborene Gelehrte Johannes Lonicerus mit Daten und hier sogar mit zwei Porträts wiedergegeben. Unser hier wiedergegebenes Bild zeigt eines dieser Brustbilder jenes Mannes aus dem weiteren Wirkungskreis um Martin Luther, entnommen aus der Sammlung des Heimatvereins ARATORA. – Darüber hinaus sind relevante Suchanfragen betreffs Porträts auch über die Internetseite http://www.portraitindex.de/ möglich. Beide Homepages sind, unter Beachtung der Bildnutzungsrechte, wichtige und bedeutende Hilfsmittel in der kulturgeschichtlichen, historischen und heimatkundlichen Forschung.


Alte Heimat Artern

Dienstag, 19. September 2017

Die Setz- und Korrekturarbeiten für die nächste Buchveröffentlichung des Heimatvereins ARATORA sind vor wenigen Tagen beendet worden. Nun wird der Bildband „Alte Heimat Artern - Die Bildersammlung des Buchbindermeisters Wilhelm Leibnitz (1898-1983)“ bis ca. Mitte November gedruckt und gebunden. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft ist das 128seitige Buch im Querformat A5 beim Verein sowie im „Guten Buch“ Artern erhältlich. Der exakte Veröffentlichungstermin wird rechtzeitig mitgeteilt, auch in der Presse; selbiges gilt für den Preis. Die Höhe der Auflage beläuft sich auf lediglich 300 Stück, nur ggf. könnten deshalb noch Exemplare zum Weihnachtsmarkt in Artern am 9. und 10. Dezember angeboten werden. Vorbestellungen werden aber gern schon jetzt entgegengenommen. – Das Buch umfasst 124 Fotografien aus der Sammlung des Buchbindermeisters Wilhelm Leibnitz aus der Leipziger Straße 12, der diese 1958 in zwei großen Folianten eingebunden hatte. Durch die Großzügigkeit seiner Tochter in Göttingen kam diese einmalige Sammlung in diesem Sommer von Niedersachsen wieder nach Artern zurück und wird nun komplett als Bildband veröffentlicht. Gezeigt werden pro Seite je ein stadtgeschichtliches Motiv aus der Zeit von ca. 1880 bis in die 1950er Jahren, untermalt mit kurzen Bildunterschriften. Artern präsentiert sich hier als pulsierende Kleinstadt mit mannigfaltiger Industrie, Handel und Handwerk sowie Möglichkeiten der Naherholung. – Währenddessen der überwiegende Teil der Fotos wohl mit großen Plattenkameras bzw. längeren Belichtungszeiten aufgenommen worden ist und daher sehr gute Auflösung und Detailtreue aufweist, sind einige wenige Bilder leider leicht fehlerbehaftet (z. B. Überbelichtung). Ähnliches gilt für ein paar sehr alte, damals abfotografierte Aufnahmen, die gleichfalls qualitativ nicht an die offensichtlich professionellen Aufnahmen heranreichen. Trotz dieser vertretbaren Mängel stellen diese aber doch wichtige Zeitdokumente dar und werden deshalb publiziert. Der Betrachter sollte sich daran nur wenig stören! – Unser Bild zeigt das Layout des Umschlages dieser attraktiven Neuerscheinung mit Stadtansicht vom Weinberg aus.


Ernst Richter

Freitag, 15. September 2017

Kenntnis vorausgesetzt sowie mit einigermaßen scharfem Blick über das Tor des ehemaligen Gehöftes in der Fräuleinstraße 17 in Artern erkennbar, ist über dem Tor der etwas weiter hinten befindlichen Scheune eine historische Tafel angebracht, darauf die Abkürzung E.R. Sicherlich wurde die Platte aus Anlass der Errichtung oder Erneuerung des Klinker-Gebäudes im vorletzten Jahrhundert dort befestigt. Welche Person sich jedoch dahinter verbirgt war bislang unbekannt, auch den Eigentümern Familie Altrock. Mithilfe der kürzlich massenhaft fotografierten und nunmehr für Recherchen digital aufgearbeiteten Akten zur Erhebung sämtlicher Wohnhäuser und der darin seitdem späten 18. bzw. frühen 19. Jahrhundert wohnhaften Eigentümer, Mieter und sporadisch dort Lebenden ist dies nun möglich! Es handelt sich bei E.R. um den 1799 geborenen „Ernst Richter / Altsitzer“ (unser Bild). Diese heute in unserem Raum nicht mehr gebräuchliche Benennung bezeichnet einen Bauern nach Übergabe seines Hofes an dessen Nachfolger, der jedoch den Altbauern mitversorgen durfte. Da Ernst Richter nicht im Arterner Taufverzeichnis von 1799 nicht aufgeführt ist, muss dieser von außerhalb stammen. Hier sollte also noch recherchiert werden, wann und warum Richter in Besitz des Gehöftes Fräuleinstraße 17 gekommen ist. – Dafür konnten die Vorbesitzer dieses Anwesens ermittelt werden: zunächst der 1809 als Sohn eines Bäckers in der Altstadt geborene, spätere Posamentierer (Hersteller von Schmuckbesatz an Kleidungsstücken) Friedrich Gottlob Bertram, dessen 1807 geborene und 1840 verstorbene Ehefrau Christiane, geb. Schröter aus Ringleben, und deren drei Kinder. Danach wird als Ehefrau (vermutlich als jene des zwischenzeitlichen Witwers Friedrich Gottlob Bertram) die 1813 in Hackpfüffel geborenen Pauline Buchmann genannt, die 1841 jedoch fortgezogen ist. Als Besitzers des Hofes folgen: der 1824 in Wandersleben unterhalb der Burg Gleichen geborene Sattler Heinrich Wilhelm Ritter (oder Richter) und dessen 1819 ebendort geborene Gattin Friederike. Nach diesen kommt bereits erwähnter Altsitzer Ernst Richter als Eigentümer am die Reihe, ehe Ökonom August Schönau (geb. 1819) mit Ehefrau Caroline (geb. 1819) und deren Kinder Ernst, Marie, Carl, Bertha, Franz, Emil und Otto (geb. zwischen 1853 und 1869 in Artern) als Besitzerfamilie erwähnt ist. Hier endet die Akte; wann die Familie Altrock das Gehöft übernommen hat, sollte in der Familienüberlieferung bekannt oder über die Katasterunterlagen zu ermitteln sein. In der Konsequenz läge dann eine komplette Besitzerliste über knapp 200 Jahre für das Gehöft Fräuleinstraße 17 vor. Weiterführende Forschungen in Kirchenbüchern oder z. B. alten Steuerregistern bringen sicherlich weitere Details ans Tageslicht. Ergänzt werden könnten diese noch mit den Mietern besagten Wohnhauses, die gleichfalls namentlich in obigen Erhebungsakten aufgeführt sind. Analog für fast jedes Haus in Artern (leider fehlen aktenmäßig die damaligen Nr. 1-49) sind mit den digitalisierten Besitzer- und Bewohnerverzeichnissen seit ca. 1800 entsprechende Erhebungen möglich. Einzig die sehr individuellen Handschriften der Verfasser bereiten bei der Transkription teils Mühe.


Paul Meyer

Dienstag, 12. September 2017

Vor einem halbem Jahr konnte an dieser Stelle berichtet werden, dass das erst kurz zuvor während Bauarbeiten im Sumpf westlich von Artern wiederentdeckte, vormalige Thälmann-Denkmal auf Vermittlung des Heimatvereins ARATORA zwecks historischer Umwidmung an den Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue weitergeleitet und nach Tilleda gebracht worden ist. Dieser Stein mit der Namensgravur des Kriegsdeserteurs, Arbeiterfunktionärs, lauthalsigen Klassenkämpfers und KPD-Chefs von Stalins Gnaden ragte Jahrzehnte zuvor im Salinepark, ehe der jetzt noch dort befindliche Gedenkstein aus Quarzit dessen Stelle einnahm. (Zeitweise sollen beide Steine gemeinsam dort gestanden haben, jedenfalls wurde bei Erdarbeiten im Frühjahr 2017 das Fundament des ersten Thälmann-Denkmals gefunden und auch fotografisch dokumentiert.) Engagierte Mitglieder des Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue haben in der Zwischenzeit das vormals Arterner Denkmal einer eindrucksvollen Verjüngungskur unterziehen lassen. Es wurde z. B. die Patina entfernt und die Namensgravur Ernst Thälmanns fast unkenntlich gemacht. Als Handwerker in Erscheinung trat hierbei Paul Meyer aus Tilleda. Der rüstige Rentner, der kein Steinmetz ist, hat dennoch in beeindruckender Weise das Werkstück umgewidmet. (Paul Meyer war während der archäologischen Erforschung der Pfalz Tilleda aktiv als Grabungstechniker mitbeteiligt. Er betreibt zudem in Tilleda ein kleines Privatmuseum, pikanterweise in der Ernst-Thälmann-Straße). – Schon Mitte nächsten Monats soll das Denkmal nahe des Gietenkopfes im Kyffhäuser-Gebirge aufgestellt werden und dann erneut an den 1884 durch einen Wilddieb erschossenen Waldhüter Carl Rose aus Tilleda erinnern. Dieses ursprünglich auf fürstlich-schwarzburgischen Befehl hin 1886 für den Ermordeten errichtete Denkmal ist leider seit 1984 verschollen und wird also künftig durch den Ex-Thälmann-Stein aus Artern ersetzt. Besonders Heimatfreund Manfred Schröter aus Berga ist es zu verdanken, dass die Schriftzüge des originalen Rose-Steins ebenso auf dessen Duplikat graviert wurden. Die Aussage des alten Steins ist somit identisch mit der des neuen Denkmals. Einzig dessen Form variiert zum verschwundenen Original: der neue Erinnerungsstein ist höher und schlanker. Von der feierlichen Übergabe wird demnächst auch hier berichtet. – Unser Bild zeigt links Paul Meyer bei der Arbeit am neuen Rose-Stein, der jedoch erst später gezeigt wird. Rechts steht Manfred Wirth aus Tilleda, der im Frühjahr 2017 den Stein aus Artern holen ließ (Foto: Manfred Schröter, Berga).


Uwe Landes

Freitag, 8. September 2017

Ein Glücksfall für die Industriearchäologie, aber auch für die Heimat- und Kulturgeschichte, befindet sich nur wenige Kilometer entfernt in Oldisleben: die Zuckerfabrik von 1872. Diese ist die weltweit einzig noch bestehende Rübenzuckerfabrik, die nach der letzten gefahrenen Kampagne 1990 komplett als Industriedenkmal erhalten worden ist (allerdings ist deren Bewerbung als touristisch bedeutsamer Anziehungspunkt verdientermaßen noch ausbaufähig). Eben dorthin lud kürzlich Bundestagsabgeordneter Manfred Grund (CDU) ein, und mehr als dreißig Interessierte aus dem Kyffhäuserkreis schlossen sich einer mehr als zweistündigen Führung durch die alten Gemäuer an. Jederzeit und zu allen Themen der Zuckerherstellung kompetent brachte Uwe Landes (unser Bild) als Verantwortlicher für die denkmalgeschützte Fabrik den Gästen den historischen Betrieb nahe. Zuvor gab es ein zwanzigminütiges Video der letzten Kampagne zu sehen, das die Besucher auf den bevorstehenden Ausflug in die heimische Industriegeschichte einstimmte. Mit Beginn der Rübenverarbeitung, immer gegen Ende September, wurde aus der Fabrik ein beinahe lebendig erscheinender Organismus, der Rübenmassen in sich hineinfraß bzw. nach zahlreichen physikalisch-chemischen Prozessen Weißzucker ausspie und mittels eines für den Laien kaum entschlüsselbaren Gewirrs von Handrädern, Schiebern, Leitungen, Rohren, Kesseln, Tanks, Behältern, Apparaten, Schalt- und Regelkästen in Gang gehalten wurde. Währenddessen nach 1990 viele Fabriken in der Umgebung, so Artern, Oberröblingen/H., Roßleben, Straußfurt usw., der Abrissbirne zu Opfer fielen und heute „schicke“ Solarparks beherbergen, blieb die Fabrik in Oldisleben von diesem Schicksal verschont – der Südzucker AG sei Dank! Heute ist das Denkmal ein buntes Anlagen-Gemisch seit Kaisers Zeiten bis hin zur BMSR-Technik aus späten DDR-Tagen. Besonders eindrucksvoll sind die Diffusionsbatterie von 1906, der Kalkofen von 1898 und die Dampfmaschine von 1882 – diese und mehr Geräte in Baulichkeiten aus der Gründungszeit, die seit der Errichtung nur wenige Änderungen erfahren haben. Mann muss dieses Technik nicht im Detail verstehen, um einfach nur begeistert zu sein, was sich da in Oldisleben erhalten hat und mit Millionenaufwand (!) für die Zukunft gepflegt wird. Als weltweit einzig erhaltene historische Weißzuckerfabrik ist daher auch die Verleihung des Titels als Weltkulturerbe irgendwann in der Zukunft so unrealistisch nicht! Denn Oldisleben ist ein Kleinod der Technikgeschichte, in dessen Erhalt bereits fünf Millionen Euro investiert worden sind – Gelder, die sich aufgrund der Einmaligkeit jedoch lohnen. Gäste sind nach Voranmeldung stets willkommen (Tel. 034673 / 78562 oder oldisleben[at]suedzucker-de. Besonders ehemals in die Zucker- und Nahrungsmittel-Industrie Beschäftigte werden ihre helle Freude haben, denn nicht ohne Grund gilt noch immer die Festellung „Zucker klebt“. – Wer also sich oder seinen Gästen etwas Gutes tun will, jenseits von Kyffhäuser-Denkmal, Panorama-Museum und Barbarossahöhle, der sollte die Zuckerfabrik Oldisleben besuchen. Greifbarer können fast 120 Jahre Technik- und Produktionsgeschichte in unserer Heimat nicht vor Augen geführt werden! Auch unseren Geschichtsfreunden aus der Partnerstadt Einbeck wurde die Zuckerfabrik Oldisleben kürzlich „schmackhaft“ gemacht, sodass für deren nächsten Besuch in Thüringen schon ein sehr lohnendes Reiseziel feststehen dürfte. Einheimische können sich allerdings bereits zum Tag des offenen Denkmals an diesem Sonntag vom Stand der Restaurierungen in der Zuckerfabrik ein Bild machen.


Bastion Mansfeld

Dienstag, 5. September 2017

Martin Luther überall: in den Tagen kurz vor dem 500. Jubiläum des Thesenanschlags zu Wittenberg kann man sich des medialen Einflusses des Reformators kaum entziehen. So war es nur folgerichtig, dass das diesjährige Treffen von Mitgliedern des Einbecker Geschichtsvereins und des Heimatvereins ARATORA, diesmal ergänzt durch den Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue, am vergangenen Sonnabend ebenso den großen Eisleber als zentrale Figur vereinnahmte. Als Besuchsziel stand jedoch nicht dessen Geburtstadt auf den Plan, sondern Mansfeld, wo frohgelaunte Geschichtsfreunde aus Einbeck, Tilleda und Artern am dreiteiligen Besuchsprogramm teilnahmen. Begleitet von passablem Spätsommerwetter führte die erste Station in die soeben sanierte, prachtvolle Stadtkirche St. Georg mit Emporenbildern aus dem Neuen Testament, Prunkgräbern der Mansfelder Grafen sowie einem der seltenen Ganzkörperporträts Luthers aus der Werkstatt von Lucas Cranach. Bemerkenswert dort: man war über die Sanierung des Lutherdenkmals von 1819 in Artern vor zwei Jahren informiert und erfreut! Nach dieser gelungenen historischen Einstimmung wurde das primäre Ziel angesteuert: die Ausstellung in Luthers Elternhaus, wo der spätere Reformator 13 Jahre lebte, und das 2014 umfassend saniert bzw. durch einen modernen Museumsneubau erweitert worden ist. Dort zu sehen sind u. a. die 2003/4 und 2008 archäologisch ergrabenen Hinterlassenschaften aus dem damaligen Vierseitenhof, die das private Lebensumfeld der Familie Luder (Luther) begreifbar machen. Demnach konnte sich die Familie einen gehobenen Lebensstandard leisten, der als Basis der späteren Ausbildung Martins anzusehen ist. Wie hoch das Interesse an der Reformation kurz vor dem großen Jubiläum ist, zeigte die hohe Frequentierung von Kirche und musealem Elternhaus sowie die offensichtlich vor allem unter terminlichen Druck stehenden Mitarbeiterinnen. Nach äußerst schmackhafter Mittagsverköstigung im Forellenhof zu Möllendorf ging’s zurück nach Mansfeld, nun aber hoch über die Dächer des Städtchens auf das Schloss. In einer fast neunzigminütigen Führung wurden die drei Schlösser Vorder-, Mittel- und Hinterort erklärt, ehe zum Abschluss die Kapelle mit sehr üppiger Ausstattung aus mehreren Jahrhunderten gezeigt worden ist. Unser Bild zeigt vorn Familie Puchta aus Artern sowie mittig Manfred Wirth aus Tilleda beim Erkunden einer Bastion der ehemaligen Festung. Der gelungene und bestens organisierte Besuchstag in Mansfeld ging mit Kaffee und Kuchen auf dem Schloss zu Ende. Zum Abschied überreichte Vereinsvorsitzende Dr. Elke Heege das kürzlich erschienene Buch „Das Chorgestühl der Stiftskirche St. Alexandri zu Einbeck“ – ein opulentes Werk, dass das 1288 hergestellte (und damit älteste in Deutschland datierte) Gestühl der Münsterkirche in Wort und Bild behandelt. Und noch in diesem Herbst wird ein weiteres großartiges Buch publiziert; es behandelt die fast komplette wissenschaftliche Aufnahme und Vermessung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kelleranlagen in der Altstadt Einbecks. Mit Hilfe dieser Veröffentlichung kann z. B. die Entwicklung der Bebauung entlang einzelner Straßenzüge über viele Jahrhunderte nachvollzogen werden. Wohl dem, der einen solch seltenen „Schlüssel“ zur städtischen Vergangenheit in Händen hat!


Wehr bei Bretleben

Freitag, 1. September 2017

Heute einige kurze Neuigkeiten über aktuelle Schenkungen und Neuanschaffungen von heimatkundlich und genealogisch relevantem Material. Thematisch passend zu unserer Meldung vom 25. August 2017 trafen aus Osterwieck im Nordharz etliche historische Unterlagen eines Sammlers über die Glocken der Kirchen in Artern beim Heimatverein ARATORA ein. Im Gegenzug wurde sich mit anderen Dokumenten zu alten Arterner Glocken bedankt, zzgl. einer umfangreichen (und im Nachgang als sehr aussagekräftig gelobten) Fotodokumentation über den Glockenguss am 19. August 2017 in Sangerhausen. – Als fotografische Rarität konnte kürzlich eine wohl nur in Kleinstauflage hergestellte Ansichtskarte mit dem Wohnhaus von Friseur Willy Otto in der Nordstraße 6 erworben werden, versehen mit handschriftlichen Pfingstgrüßen vom Mai 1930. Ebenso selten dürfte eine weitere Privatpostkarte sein, die die Front des Wohnhauses Ritterstraße 53, damals Neue Straße 1, zeigt, davor einige Personen. Auf der Rückseite hat sich 1909 Eigentümer Friedrich Vollrath verewigt. Auch diese Fotos werden nächstes Jahr im Bildband „Damals in Artern 1925-1975 – Streifzüge durch fünf Jahrzehnte Stadtgeschichte“ veröffentlicht. – Der bereits im November 2017 erhältliche Bildband „Alte Heimat Artern“ mit Fotos aus der Sammlung von Buchbindermeister Wilhelm Leibnitz ist zwischenzeitlich komplett gesetzt und wurde auch schon auf Korrekturen gelesen. Damit steht einer rechtzeitigen Veröffentlichung zum Weihnachtsgeschäft kaum noch etwas im Wege! – Die nur scheinbar ins Hintertreffen geratenen Arbeiten an der Fortsetzung von „Die Unstrut - Geschichte(n) vom Fluss zwischen der Sachsenburger Pforte und dem Wendelstein“ erfuhren vor wenigen Tagen erfreuliche bildliche Bereichungen aus Bretleben: mehr als 50 private Aufnahmen aus den 1950/60er Jahren mit sehr schönen lokalen Bezügen zu Hydrographie und Hydrologie, so Unstrut-Hochwasser, diverse Wasserbauarbeiten, altes Wehr, Bahnbrücke über den Fluss, Ausbau der Schleuse am Flutkanal usw. Unser Bild aus dieser Sammlung datiert ungefähr in das Jahr 1962 und zeigt den damals noch sehr jugendlichen Bildgeber vor dem Unstrut-Wehr bei Bretleben.


Plakette Veitskirche

Dienstag, 29. August 2017

Heute vor achtzig Jahren wurde in der St. Veitskirche ein Heimatmuseum mit großen Feierstunde eröffnet. Ein Artikel aus dem Mitteilungsblatt „Thüringer Heimatschutz – Mitteilungen der Thüringer Landesvereine Heimatschutz“ vom Oktober 1937 berichtet darüber wie folgt: „Artern neues Heimatmuseum eröffnet. Mit einem Heimatfest eröffnete Artern sein Geltemuseum in der alten Veitskirche. Der Raum der Kirche hat durch Herausnahme einer Mauer wieder seine ursprüngliche Kreuzform erhalten. Nach weiteren Erneuerungsarbeiten wurden dann die Museumsschätze nach modernen Vorbildern aufgestellt. Gleichzeitig haben die alten Arterner Fahnen und Innungszeichen einen Ehrenplatz bekommen. Das neue Museum enthält pergamentene und papierne Urkunden mit umkapselten Siegeln, Hunderte von alten Abschriften, Regesten und Auszügen, besonders die wertvollen Handschriften von Archivrat Dr. [Eduard] Jacobs [aus Wernigerode], ferner eine beachtenswerte Sammlung heimischer Gesteinsschichten und Versteinerungen, vorgeschichtliche Gefäße und Werkzeuge, Reste urzeitlicher Tiere und Sammlungen von Pflanzen und Tieren des letzten Jahrtausends. Von den mittelalterlichen Stücken sind neben der wertvollen Ho[h]lstedter Madonna mit dem Jesuskind besonders die prächtigen Innungsbriefe der Schuhmacher von 1392 zu erwähnen. Ergänzend zu früheren Sammlungen traten alte Chroniken, Flugblätter, Steindrucke, Kupferstiche und Landkarten der engeren und weiteren Heimat. Wappen heimischer Familiengeschlechter wechseln mit alten Felgenwappen [Irrtum: es waren ursprünglich Regenbögen, später auch Sichelmonde] und Siegeln. Die an Alter wertvollsten Fahnen sind die reich bemalte Jubelfahne von 1730 und die alte weißseidene Leineweberfahne von 1795. Interesse beanspruchen auch ein Gipsabguß von Goethe Hans (Goethes Ahnen stammten aus Artern) und Bilder vom Leben und Schaffen Thomas Münzers.“ – Bereits ein Jahr zuvor hatte dieselbe Zeitschrift über damals laufende Vorbereitungen für das neue Arterner Museum berichtet: „Das im Aufbau befindliche Museum in der Veitskirche wurde durch den Leiter der Landesanstalt für Volkheitskunde Halle, Prof. [Hans] Hahne [vormals Schüler in Artern] und den Kustos [Paul] Grimm [später Ausgräber der Pfalz Tilleda] eingehend besichtig. In mehrstündigen Beratungen mit Vertretern der Stadtverwaltung und des Heimatvereins Aratora befaßte man sich mit den Schwierigkeiten, die bei der Errichtung des Museums aufgetreten sind. Zur Freude der Arterner Heimatfreunde erhielt man die Zusicherung, daß dem Museum seine Selbständigkeit nicht genommen wird. Allerdings steht zur Bergung vorgeschichtlicher Funde künftig nur der südliche Teils des Kreises Sangerhausen zur Verfügung. Darüber hinaus wird aber sein Wirkungskreis durch nicht beschränkt, so daß das Arterner Museum einst nach Fertigstellung ein getreues Spiegelbild von Kultur und Geschichte der Nordthüringer Gelte zwischen Steinklöbe und Walkenried, zwischen Sachsenburgpaß und mittleren Harz geben wird.“ – Der hohe, regional sehr ausdehnte Anspruch wurde in den zwei Jahrzehnten der Existenz des Museums nie erreicht. Schicksale und Verbleib des reichen Inventars nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute sind eines Trauerspiels würdig! Unser Bild zeigt eine Plakette zur Eröffnung 1937, darauf die Inschrift "Veits= u. Moritzkirche zu Artern / Gelteheim". (Dem Heilige Mauritius oder Moritz geweiht ist auch der Dom in Magdeburg. Mit der Namendoppelung sollte auf die historische Zugehörigkeit Arterns zum Erzstift Magdeburg seit 1346 hingewiesen werden).


Glockenguss

Freitag, 25. August 2017

Eine sehr eindrucksvolle Lehrstunde historischen Handwerks fand am vergangenen Wochenende in unserer lieben alten Kreisstadt Sangerhausen statt. Hermann Schmitt, Glockengießermeister aus Brockscheid in der Vulkaneifel, goss am Sonnabend gleich zwei Glocken für die um 1350 erbaute Marienkirche nahe des Bahnhofes. Eine Vertretung des Heimatvereins ARATORA weilte auf Einladung des Sangerhäuser Geschichtsvereins ebendort und bereute das stundenlange Warten in der das Gotteshaus umgebenden Marienanlage keinesfalls. Immerhin kamen während der Vorführungen auch Erinnerungen an die Arterner Glockengießermeister Meyer in der Harzstraße und Werner in der Kirchstraße aus dem 19. Jahrhundert hoch. – Der Glockenguss 2017 ist ein Gemeinschaftsprojekt des Kulturvereins Armer Kasten, des Vereins für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung sowie der Gemeinde der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Insgesamt sind es vier Glocken, die für die Marienkirche neu gegossen worden sind und bald zu Ehren des 500. Jubiläums der Reformation vom Turm von St. Marien erklingen werden. Die Kosten hierfür belaufen sich auf insgesamt über 64.000 Euro! – Eindrucksvollste und vermutlich einmalige Augenblicke waren jene, als die 1.100 Grad heiße Glockenspeise aus Kupfer und Zinn manuell in die Gussformen gefüllt wurde (unser Bild). Sehr rasch glühten da die Eisenstangen und Schaufeln bzw. es fingen die Handschuhe der Gießer Feuer. In markanter Pfälzer Mundart hallten die Befehle an die Arbeiter während der hochgefährlichen Arbeit durch die Reihen der zahlreichen Besucher. Aber erst einen Tag später stellte sich heraus, ob die Güsse gelungen sind – und sie waren es, auch wenn die Arbeiter (mit Hilfe auch von Gästen) bis dahin mit Schlaghammer, Stemmeisen, Flex und Drahtbürste in stundenlangen, sehr staubigen Strapazen die Bronzeglocken von den Resten der Gussformen befreien mussten. Das erste Anschlagen mittels eines Holzbretts offenbarte bereits, was bald klanglich die Rosenstadt bereichern wird. Zum Kobermännchenfest am ersten September-Wochenende können die Besucher die Resultate des Glockengusses in Augenschein nehmen, ehe alle vier Glocken dann am 31. Oktober 2017 zusammen ertönen.


Bewohner- & Hausverzeichnis

Dienstag, 22. August 2017

Anderthalb Tage dauerte eine kürzlich von Heimatfreunden bzw. Familienforschern aus Artern und Nordrhein-Westfalen umständehalber vorgenommene, umfangreiche fotografische Dokumentation von hiesigen Akten, vorrangig aus dem späten 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts (unser Bild) sowie die Sichtung weitere hochinteressanter Dokumente, vorrangig mit historischen Personenbezügen. Der Clou an der durch den Heimatverein ARATORA sichergestellten Sammlung: eine achtbändige Erhebung sämtlicher Wohnhäuser in Artern mit zeitlicher Auflistung und Nachweisung der Besitzer und deren Familien, der Mieter mit Familien, den zweitweise darin wohnhaften Gewesenen sowie früher nur sporadisch dort Anwesenden – alles in allem mehrere Tausend Eintragungen mit detaillierten Zahlenwerten weit über ein Halbjahrhundert hinweg. Es liegen vor: die Belegung der Häuser Nr. 50 bis 458. Leider fehlt Band 1 mit den Wohnhäusern 1 bis 49, d. h. Teile der Harzstraße, der Nordhäuser Straße und der Alten Poststraße sind nicht nachweisbar. Trotzdem lässt es diese sehr inhaltsreiche handschriftliche Dokumentation künftig zu, viele personen- und/oder familienbezogene Chronologien pro Wohngebäude zu erstellen. Als hilfreicher Schlüssel zur Verortung der in den Folianten benannten einzelnen Hausnummern dient eine bislang unveröffentlichte Arterner Stadtkarte aus dem Jahr 1887, auf der akribisch die damals gültige Haunummerierung im Stadtgebiet vermerkt wurde, ehe 1893 eine vollständige Änderung dieses überholten Ordnungssystems durch den Arterner Stadtrat beschlossen worden ist. – Nunmehr können Aussagen über die historische Bewohnung der meisten Häuser in Artern über einen nicht unbedeutenden Zeitraum von spätsächsischer über frühpreußische Zeit und noch später eruiert werden! Einarbeitung, Erfassung, Transkription, Registrierung und Verkartung der Daten werden allerdings einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Der Lohn dieser Mühen werden einmalige Informationen zur Genealogie, Bau- und Stadtgeschichte sein. Insgesamt wurden fast 1.300 Fotos erstellt, die analog den Originalen digital in Ordnern abgelegt worden sind, wobei die Dateien der historischen Nummerierung der Häuser folgen. Zur schnelleren Abarbeitung und Übersicht wurden diese Einzelfotos in PDF-Dateien zusammengefasst, ehe die spannende, wenngleich mühselige Einzelbearbeitung und -erfassung erfolgt. Ohne Übertreibung kann vorab schon resümiert werden, dass der Fund dieser einmaligen Dokumente eine stadtgeschichtliche Quelle ersten Ranges darstellt, die bauhistorisch und personenbezogen viele neue Einzelheiten offenbaren wird, quasi ein Einwohner-Melderegister aus alter Zeit! Ganz besonderen Dank gebührt Vorstandsmitglied Wolfgang Hecker aus Artern für die Bereitstellung diverser Technik zur Erleichterung der Durchführung obiger Aktion zwecks digitaler Sicherung alter Unterlagen.


Thüringer Fähnlein

Freitag, 18. August 2017

Eine wahre Fundgrube für vorgeschichtlich und historisch Interessierte bietet die Bibliothek der Bau- und Kunstdenkmalpflege, Erfurt und die Bibliothek der Archäologischen Denkmalpflege, Weimar im Internet an, und zwar entsprechend thematisch getrennt in Form von diversen Online-Publikationen. Darunter befinden sich zahlreiche Veröffentlichungen, die einerseits heute nur noch schwer erhältlich sind oder aber oftmals überteuert antiquarisch angeboten werden. So wartet die Bau- und Kunstdenkmalpflege mit den digitalen Ausgaben der „Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens“ als historische Standardwerke auf. Umfang- und abwechslungsreicher kommt die Archäologie mit Vorkriegs- und DDR-Ausgaben daher und bietet u. a. diese Periodika zum (artikelweisen) Download als PDF-Dokumente an: Der Spatenforscher, Das Thüringer Fähnlein (unser Bild), Urgeschichte und Heimatforschung, Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Thüringens, Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte, Restauration und Museumstechnik, Alt-Thüringen usw. – Das Digitalisierungsangebot wird ständig erweitert und steht online zur Verfügung. Mit diesen tausende Seiten umfassenden Schriften und Büchern können besonders auch Heimatforscher und Bodendenkmalpfleger ihre Kenntnisse zur Regional- und Landesgeschichte erweitern. Besonders erfreulich: über eine Suchfunktion können mühelos innerhalb mehrerer Buchausgaben Begriffe eruiert werden. Als besonderer „Leckerbissen“ regionaler Art sei auf „Der Derfflinger Hügel bei Kalbsrieth (Grossherzogtum Sachsen) : eine thüringische Nekropole aus dem Unstruttale von der Steinzeit bis zur Einführung des Christentums benutzt / von Armin Möller. - Jena : Fischer, 1912“ aufmerksam gemacht. Über nachstehenden Link sind sämtliche Daten erreichbar: https://lhwei.gbv.de/DB=5.4/TLDA_DIGIMEDIEN.


Mansfeld Schloss

Dienstag, 15. August 2017

Das jährliche Freundschaftstreffen zwischen dem Einbecker Geschichtsverein und dem Heimatverein ARATORA findet diesmal am Sonnabend, 2. September 2017 statt und führt nach Mansfeld. Die Tagestour beginnt um 10 Uhr in der dortigen spätgotischen Stadtkirche St. Georg mit prächtigen Gräbern der Mansfelder Grafen, drei künstlerisch hochwertigen Altären sowie einen Ganzkörperporträt Martin Luthers. Danach ist der Besuch von Luthers Elternhaus geplant, wo Ausstellungen den Lebensalltag der Familie des Reformators, rekonstruiert aufgrund von archäologischen Grabungen, nachvollziehen. Während Baumaßnahmen wurden dort in den Jahren 2003/2004 sowie 2008 herausragende diesbezügliche Bodenfunde aus der frühen Neuzeit gemacht. Nach dem Mittagessen geht es dann auf Schloss Mansfeld, wo der Wohnort des gleichnamigen Grafengeschlechtes bei einer Führung nahegebracht wird (unser Bild zeigt eine 1723 veröffentlichte Darstellung dieser Festung). Besonders über die Prunksärge in der Kirche sowie das Schloss (Linie Mansfeld-Vorderort) können leicht direkte historische Beziehungen auch zur Stadtgeschichte des vormals mansfeldischen Städtchens Artern gezogen werden. Bei Kaffee und Kuchen auf dem Schloss soll der Besuchstag am Nachmittag dann ausklingen. – Mitglieder und Interessierte sind herzlich eingeladen, an dieser Tour im Lutherjahr teilzunehmen. Hierzu wird um vorherige telefonische Anmeldung bis Montag, 28. August 2017 gebeten (Tel. 03466 / 320139). Mitfahrgelegenheiten ab Artern bzw. retour sind allerdings begrenzt. Interessierte Selbstfahrer sind willkommen. Die Kosten für den Ausflug werden sich in einem sehr verträglichen Rahmen halten!