Artern

Zur freundlichen Beachtung & aktuelle Meldungen

Funde Johannisstraße

Dienstag, 11. Juli 2017

Am 21. Juni 2017 begannen im oberen Teil der Wasserstraße und danach abbiegend in die Johannisstraße Tiefbauarbeiten, bei denen Rohrleitungen verlegt werden. Die aufbaggerten, nicht allzu breiten Gräben waren weit über zwei Meter tief, was durchaus auf den einen oder anderen archäologischen Funde oder Befund hoffen ließ. Doch bislang wurden diese Hoffnungen, trotz täglicher Kontrollgänge mit Fotodokumentationen, leider arg enttäuscht. So gut wie keine Scherben oder Knochen konnten im Aushub entdeckt werden, und dass, trotzdem wenigstens mittelalterliche und/oder frühneuzeitliche Keramiken in mäßigem Umfang aus dem Altsiedelgebiet der Neustadt zu erwarten gewesen wären. Die bislang lediglich vier gemachten Funde bestehen aus zwei Gefäßhenkeln (der größere mit Innenglasur, der kleinere mit Innen- und Außenglasur), vermutlich einem Gefäßrandstück (unser Bild) sowie einer noch undatierten (nicht industriell hergestellten) Dachziegel vom Typ Biberschwanz. – Das beim Straßenaufriss ausgebaggerte fundleere Lockermaterial kann als sekundär verbaute Füllmasse aus vorangegangenen Straßenbauarbeiten angesprochen werden, hinzu kommt Baukies, darunter befand sich anstehender Ton. Auch die durch die Baggerschaufel entstandenen Profile brachten keinerlei archäologisch relevanten Erkenntnisse. Auch vom „unterirdischen Gang“, der vom Wohnhaus Wasserstraße 2 in Richtung des Rathauses verlaufen soll, war keine Spur zu entdecken, trotzdem ein Foto mit Bauarbeiten von Ende der 1950er Jahre eben jenen gemauerten Tunnel zeigt, der gerade durch Heimatforscher Ewald Engelhardt (1878-1976) inspiziert wird. Ebenso fehlen eindeutige Brandschichten im Erdreich, die auf die großen Stadtfeuer, vor allem im 17. Jahrhundert, hindeuten könnten. Es wird sich zeigen, ob im Verlauf der weiteren Straßenarbeiten doch noch vermehrt Funde zutage treten. Merkwürdig und enttäuschend ist die jetzige Situation aber schon, denn während der umfassenden Sanierung der Straßen der Altstadt in den 1990er Jahren waren zahlreiche glasierte und unglasierte Scherben sowie Knochen an Tageslicht gelangt. – Die bisherigen Pflasterungen mit den in Jahrzehnten völlig abgefahrenen Schlackesteinen in den jetzt schon aufgerissenen bzw. noch unter die Baggerschaufel kommenden Straßenabschnitten wurden zuvor umfänglich fotografisch dokumentiert, ebenso der potentielle Abriss-Giebel der Ruine Harzstraße 22 und das gleichfalls zur Einebnung bestimmte Wohnhaus Fräuleinstraße 20 im ehemaligen Schulkomplex.


CG2017-02

Dienstag, 4. Juli 2017

Die jüngste Ausgabe 2/2017 der Zeitschrift „Computer-Genealogie“ (unser Bild) nimmt sich mit dem Thema „Wo unsere Ahnen wohnten“ wichtigen geographischen Komponenten innerhalb der Familienforschung an, denn das Problem der exakten Identifikation von Ortschaften ist in der Praxis oftmals vordergründiger als angenommen (vgl. aus unserer Region z. B. Reinsdorf, Ringleben oder Esperstedt sowie nicht mehr existente Orte, weil längst eingemeindet und/oder umbenannt). Mit folgenden Artikeln wird sich dieser Thematik genähert: „Kleinwalbur, wo ist das nur?“, „Landkarten – Quellen für den Familienforscher“, „GOV – Das Geschichtliche Ortsverzeichnis“, „Von Abtsdorf bis Zwuschwitz – Orte in sächsischen Gerichtsbüchern sichtbar gemacht“ sowie „Die Topothek – Für jeden Ort ein Online-Archiv“ (betrifft nur Österreich). Ganz anderes und für (bezahlende) Forscher ärgerliches Thema anschließend: falsche Transkriptionen und Deutungen bei Ancestry, danach „DNA-Genealogie – Familiengeschichtsforschung plus Naturwissenschaft“, die sich mit der genetischen Herkunftsanalyse beschäftigt. Anschließend folgt ein Interview über die Kooperation des Vereins für Computer-Genealogie und dem Deutschen DNA-Forschungsprojekt „Living DNA“. Kurzmeldungen sowie Aktuelles über Genealogie-Software komplettieren die neue Ausgabe, die mit einem weiteren Thema zum Schwerpunkt dieses Heftes beschlossen wird: „Geschichtliche Ortsnamen in Genealogie-Programmen und ihre Verknüpfung zum GOV [Geschichtliches Ortsverzeichnis]“. – Erneut hat es die Redaktion der Zeitschrift „Computer-Genealogie“ geschafft, wichtige thematische Hilfestellung und Handreichungen für Familienforscher zu geben. Mehr dazu wie immer auf http://compgen.de/. Die nächste Ausgabe ist für den 15. September 2017 angekündigt, dann ist „Familienforschung mit Kindern und Jugendlichen“ das avisierte Schwerpunktthema. – Nachsatz: Der Heimatverein ARATORA bietet gern Hilfe bei der Identifizierung von historischen Ortschaften dahingehend an, auf Anfrage entsprechende Eintragungen aus dem mehr als eintausend Seiten umfassenden „Neumanns Orts-Lexikon des Deutschen Reichs – Ein geographisch-statistisches Nachschlagebuch für deutsche Landeskunde“ aus dem Jahr 1894 kostenlos mitzuteilen.


Jurassic Harz

Dienstag, 27. Juni 2017

Geologie und Paläontologie stehen in der hiesigen Heimatforschung zwar nicht unbedingt auf den vordersten Rängen, trotzdem ist die Beschäftigung mit diesen Themenblöcken stets erbaulich und informationsreich, zumal z. B. mit Fossilien aus dem Karbon, Muschelkalk und Zechstein (Kieselhölzer, Ammoniten, Seelilien und „Kupferheringe“) interessante Zeugnisse der vorzeitlichen Lebenswelt auch in unserer Gegend gefunden werden können. Die etwas überregionale Ausweitung dieses Arbeitsbereiches nach Norden hin gewährt schließlich sogar Einlass ins Reich der Dinosaurier. Darüber berichten eine aktuelle Ausstellung im Staatlichen Naturhistorischen Museum Braunschweig sowie die zugehörige Publikation „Jurassic Harz“ von Benjamin Englich et al. – Am 1. April 2017 öffnet die gleichnamige Sonderausstellung, in deren Fokus Geschichte und Lebensweise eines Zwerg-Dinos aus dem Harz stehen: Europasaurus holgeri, ein Sauropode (Langhals) im Miniformat (aber immerhin noch mit neun Meter Länge) aus dem Oberen Jura, dessen Überreste in den 1990er am Nordharz entdeckt worden sind. Zur Jurazeit war der Harz eine Insel im Binnenmeer, wo sich wegen des begrenzten Lebensraums die Dinos zu kleineren Exemplaren entwickelten. Mit einem Plateosaurus aus Halberstadt wird zudem ein triassischer, somit älterer Prosauropode als Komplett-Montage präsentiert. Als optische „Reißer“ werden in Braunschweig einige große Fauna-Vertreter aus der mit Europasaurus gleichaltrigen Morrison-Formation der USA gezeigt: das 27 Meter lange Originalskelett des Diplodocus „Arapahoe“ aus Wyoming, der Raubsaurier Allosaurus „Big Al II“ sowie der Stegosaurus „Sarah“. – Die zugehörige und reich bebilderte Publikation (ISBN: 3899372204) umfasst 108 Seiten. Das sehr empfehlenswerte Buch komplettiert die spektakuläre Ausstellung Harzer und zeitgleich lebender US-Dinos in eindrucksvoller Weise und bringt Forschungswege bzw. -möglichkeiten der modernen Paläontologie nahe, und das quasi vor der Haustür! Darüber hinaus wird aufgezeigt, dass die Saurier-Forschung immer wieder Überraschungen parat hat und besonders auch im Harzer „Jurassic Park“ immer wieder neue spektakuläre Bewohner entdeckt werden. – Die Sonderausstellung „Jurassic Harz. Dinosaurier von Oker bis Wyoming“ wird nur noch bis 23. Juli in der Ausstellungshalle in der Hamburger Straße 267 in Braunschweig gezeigt. Ab August wird dann mit „Eiszeit-Safari“ eine neue Sonderausstellung in der Welfenstadt präsentiert, deren Titel bereits Beziehungen auch nach jenseits (südlich) des Harzes erahnen lässt. Schließlich ist unsere Heimat erwiesenermaßen „Mammut-Land“ gewesen! – In obigen Zusammenhängen sei auf die regional-geologischen Abteilungen der Museen in Sangerhausen, Bad Frankenhausen und Sondershausens hingewiesen, besonders aber auf die mittlerweile erweiterten Ausstellungsräume zur heimischen Erdkunde und Paläontologie des Fossilien-, Mineralien- und Bergbauvereins Steinthaleben e. V., ebendort in der Alten Schule, Kelbraer Straße.


Gartenzeit

Freitag, 20. Juni 2017

Die jüngste Schrift der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen nimmt sich auf 115 Seiten im handlichen A5-Format einem jahreszeitlich sehr aktuellen Thema an: „Gartenzeit – Was man sich vom (eigenen) Garten erzählt“ (unser Bild). Die Berichte dort datieren in jene nicht allzu ferne Zeit, als noch keine teils irrwitzigen und kleinkarierten Vorschriften des Bundeskleingartengesetzes Gültigkeit hatten und Gartenvorständen und/oder Mitgliedern graue Haare sprießen ließen! In siebzehn Artikeln berichten Autoren hier über ihre ganz persönlichen Erfahrungen, Ereignisse und Geschichten im und um den privaten Gartenbau in Thüringen. Sicherlich muss diese Art von Erlebnisniederschriften als eher leichte Lektüre bezeichnet werden, dennoch ist es wichtig, auch solche scheinbar banalen Geschehnisse aufzuzeichnen, um später einmal authentische Situationsbilder, hier überwiegend aus DDR-Zeiten, aus erster Hand nachlesen zu können. Über siebzig Fotos illustrieren die Neuerscheinung überwiegend in Farbe, aber auch historische Bilder wurden publiziert. Detailliert berichten die Verfasser, dass der Garten in der DDR vielmehr war als nur ein Ruhepol für gestresste Arbeiter und Angestellte in den Volkseigenen Betrieben und LPGs. Da wird vom Leben als Kleingärtner im Allgemeinen und Besonderen erzählt, vom Urbarmachen potentiellen Gartenlandes, vom Ungemach während der Errichtung einer Laube, von den gärtnerisch-individuellen Inspirationen bei der Gestaltung, auch über den Garten als Treffpunkt, sozialen Ort und Oase für Kinder usw. – Wer also wieder einmal richtig entspannt lesen möchte über die kleinen und großen Probleme, aber auch Annehmlichkeiten des privaten Gartenwesens im sozialistisch geprägten Umfeld, der möge 5,00 Euro für „Gartenzeit – Was man sich vom (eigenen) Garten erzählt“ ausgeben (ISSN 1619-5698). – Mit dem aktuellen kleinen Buch wird für den Leser erneut Volkskunde lebendig, greifbar und nachvollziehbar, auch wenn keine Gartengeschichte aus unserer unmittelbaren Umgebung veröffentlicht worden ist. Das sollte altgediente heimische Kleingärtner umso mehr anspornen, auch ihre Geschichte(n) aufs Papier zu bringen und damit der Nachwelt zu erhalten. Denn: wie stets in der Zeitgeschichts- und Volkskundeforschung gilt auch hier, wenn der letzte Zeitzeuge erst weg ist, dann ist es zu spät mit Informationen aus erster Hand, und zwar für immer! Daher ganz besonderen Dank für dieses nette Büchlein an die Autoren sowie vor allem an Dr. Gudrun Braune und Dr. Peter Fauser von der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle in Erfurt für die Zusammenstellung und Veröffentlichung von einigen Erinnerungen und Reminiszenzen rund um thüringische Laubenpieper, Kolonisten und Schrebergärtner. – Noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache für die bevorstehende Urlaubszeit: während der Sommerferien in Thüringen, also ab nächster Woche und bis einschließlich der zweiten August-Woche 2017, werden die aktuellen Meldungen auf einen Bericht pro Woche reduziert. Danach erfolgt, wie gehabt, die Veröffentlichung heimatkundlicher Informationen aus Artern, der Umgebung und der Region wieder jeweils am Dienstag und Freitag!


Numburg-Heft

Dienstag, 20. Juni 2017

Eine neue heimatkundliche Broschüre im Format A5 aus der Feder von Dr. Wilfried Neumerkel nimmt sich auf 36 Seiten und illustriert mit knapp sechzig Fotos bzw. Repros unter dem Titel „Die Numburg bei Kelbra“ der 900jährigen Geschichte (1116-2016), der Gegend und Natur um die gleichnamige Burganlage, der kleinen Befestigung selbst, der Domäne sowie der dortigen Naturschutzstation am Nordwesthang des Kyffhäusers an (unser Bild). Ausgehend von der Beschreibung der natürlichen Gegebenheiten, von Geologie, Flora und Fauna sowie der nicht zugänglichen Numburg-Höhle zeigt der Verfasser aus Bendeleben zunächst archäologische Funde aus dem Umfeld auf. Es folgen einige genealogische und urkundliche Nachweise der Burgherren bzw. der Burg, zudem Gedanken über die ehemalige Wallfahrtskirche St. Peter und Paul ebendort sowie ein lokalhistorischer Überblick bis zur Reformation. Nach der Vorstellung von sagenhaften Überlieferungen und Berichten über die Numburg wird die Zeit der Zisterzienser und deren Wirken in der Goldenen Aue beleuchtet. Etwas mehr Platz wird dann der alten Saline Numburg bzw. der dort vorkommenden Salzflora eingeräumt, ehe recht ausführlich aus der Vergangenheit der Domäne bzw. des Vorwerks Numburg erzählt wird. Für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Errichtung des Helme-Stausees Kelbra 1968 in den Fokus gerückt, weiterhin die 1967 angelegte Naturschutzstation. Trotz nicht gerade üppiger historischer Aktenlage hat Dr. Wilfried Neumerkel eine lesenswerte und informative Schrift herausgebracht, versehen mit schönen aktuellen und historischen Abbildungen sowie einigen Reproduktionen alter Karten. – Nun ist jedoch die eher rare Situation eingetreten, dass eine weitere, fast zeitgleiche und thematisch ähnliche Druckschrift, herausgegeben vom Förderverein Numburg, veröffentlicht wurde. Der vorbehaltlose Heimat- und Naturfreund möge diese Dopplung mit wohlwollendem Opportunismus hinnehmen und sich um der Sache willen freuen, dass sich beide Publikationen inhaltlich gut ergänzen! Diese gleichfalls attraktive, fast durchweg farbig illustrierte A4-Broschüre mit dem Titel „50 Jahre Naturschutzstation Numburg“ umfasst 60 Seiten mit rund 100 Abbildungen, zwölf Autoren haben dafür Texte geliefert. Schwerpunkte sind Fauna, Flora und Erdgeschichte der Region um die Numburg. Beleuchtet werden 50 Jahre Naturschutzstation, die Naturschutzgebiete Schlossberg, Solwiesen, Badraer Lehde und Großer Eller, weiterhin die Pflanzenwelt um die Numburg, Fledermaus-Populationen in der Umgebung, die Schmetterlingsfauna der Numburg, das internationale Vogelschutzgebiet am Stausee Kelbra, Informationen zur Vogelberingung ebendort, Kraniche am Helme-Stausee, Kranichrastplätze sowie geführte Kranichwanderungen durch das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz, historische Eckdaten über die Numburgen und die gleichnamige Grangie, die Geschichte des Stausees bei Kelbra, die Entdeckung und Erforschung der Numburg-Höhle sowie Erkenntnisse aus geologischen Bohrungen im Umfeld. – Beide Neuveröffentlichungen bereichern die historische und naturkundliche Literatur der Kyffhäuser-Region und machen Lust, z. B. aus Schusters Rappen, die Region oberhalb des Stausees Kelbra mit ihrer Lebewelt und Geschichte selbst zu erkunden.


Sammlung Leibniz

Freitag, 16. Juni 2017

Eine unerwartet freudige Überraschung, die sich schließlich zu einer der Extraklasse mauserte, wurde dem Archiv des Heimatvereins ARATORA erst vor wenigen Tagen zuteil: eine umfangreiche Fotosammlung aus dem Jahr 1958 mit zahlreichen Aufnahmen aus Artern während der Zeit von ca. 1880 bis zur frühen DDR. Seit Jahrzehnten war diese reichhaltige Kollektion in Göttingen in Verwahrung, doch wollten die Besitzer nun, dass diese einmaligen Bilddokumente wieder in die alte Heimat zurückkehren, was jetzt geschehen ist. Bei der großzügigen Schenkung handelt sich um zwei dicke, zusammen ca. zehn Kilogramm schwere Folianten in Pappkarton-Schubern (unser Bild), die sich der vormals in der Leipziger Straße ansässig gewesene Buchbinder und -händler Wilhelm Leibniz für die private Nutzung und als zeitgeschichtliche Dokumentation zusammengestellt sowie eigens gebunden hatte. Die über 120 qualitativ überwiegend sehr hochwertigen, großformatigen Fotos sollen dem alten Meister, der 1970 von Artern nach Niedersachsen umgezogen war, bei der Überwindung seines Heimwehs geholfen haben. Bei den Bildern handelt es sich um Aufnahmen mit verschiedensten Motiven aus der Neu- und Altstadt, dem Industrieviertel mit Bahnhof sowie Westbahnhof der Kyffhäuser-Kleinbahn, von der Saline, dem Weinberg usw. Als bildliche Raritäten seien kurz einige wenige genannt: Grundsteinlegung zum neuen Rathaus, Altaustattung des Ratskellers, detaillierte Gesamtansichten von Betrieben und Bahnanlagen im Osten der Stadt, zahlreiche Straßenzüge mit Altbauten und vielen traditionsreichen Geschäften der Innenstadt, Goethe-Ahnenhaus in der Harzstraße noch als Fachwerkbau, Unstrut und Mühlgraben, Fernblicke auf Artern sowie Panorama-Aufnahmen. In den meisten Fällen sind kurze Bildunterschriften vorhanden. Als Zugabe gab es schließlich noch eine sehr anheimelnde Original-Radierung vom „Maler des alten Thüringen“ Arthur Rose (1891-1974) aus Neudietendorf, die Arterner Marienkirche sowie vormals südlich vorgebaute Fachwerk-Wohnhäuser darstellend. – Aufgrund der Einmaligkeit und Schönheit obiger Aufnahmen wäre es mehr als eine Überlegung wert, diese als zeitgeschichtliches Dokument in Buchform zu publizieren, und zwar so, wie sie sich einst Wilhelm Leibniz als Erinnerungs-Alben zusammengestellt hat, also 1:1 in Bildfolge und Größe. Dies als Ehrung des Urhebers und Würdigung von dessen Handwerk sowie zur Freude und Erbauung der heute in Artern Wohnhaften oder von hier Stammenden. – Ganz vorzüglicher Dank gebührt Marianne Kohl aus Göttingen, der Tochter von Wilhelm Leibniz, die als Schenkerin dieser Unikate auftrat. Nur durch solch wohlüberlegtes und vorbildliches Handeln ist es möglich, historische Schätze zu erhalten bzw. später der Allgemeinheit zugänglich zu machen! Möge diese löbliche Bildertransaktion von Niedersachsen nach Thüringen Ansporn und Erinnerung sein, Fotos, historische Dokumente und Heimatbelege jedweder Art nicht achtlos wegzuwerfen!


Beichte

Dienstag, 13. Juni 2017

Die hier bereits mehrfach besprochene „KirchenAgenda“ von 1580 aus dem Altbestand des längst aufgelösten Archivs der Superintendentur Artern ist definitiv ein erhaltenwertes Buch, nicht nur ihres Alters wegen, sondern vor allem, da es womöglich schon kurz nach Drucklegung von hiesigen Geistlichen zur Umsetzung der damals noch jungen lutherischen Lehre und zur Gestaltung des evangelischen Gemeindelebens als Leitfaden angewendet worden ist. Das theologische Werk hat die Maße 19 x 15,5 x 3 Zentimeter und umfasst rund 370 Druckseiten, zudem etliche alte, mit (inzwischen sehr aufgehellter) Tinte handschriftlich beschriebene Seiten. Besonders diese befinden sich in einem Zustand, der es kaum zulässt, die Blätter anzufassen. Der Buchumschlag besteht aus mittlerweile sehr speckigem Leder. – Als erster sanierungstechnisch nötiger Schritt wurde das bis dato teilweise arg ramponierte Buch nun einer Behandlung im Zentrum für Bucherhaltung Leipzig unterzogen. Zuvor waren weiße, rotbraune und schwarze Schimmelpartien festgestellt worden, weiterhin partielle Stockflecken und größere Nässe- bzw. Feuchtigkeitsschäden. In Leipzig wurden die Säuberung, Trocknung und Fleckenbeseitigung vorgenommen. So wurden Einband und Buchblock sorgfältig unter einer Reinen Werkbank (Gerät, das für eine bestimmte Reinheit der Luft im Arbeitsbereich sorgt) trockengereinigt. In diesem Zusammenhang wurden auch Stichprobenmessungen vorgenommen, um den Reinigungserfolg zu überprüfen. Hierbei wies keiner der gemessenen ATP/AMP-Werte (Analyse von Verunreinigungen bzw. Verschmutzungen) erhöhte Kontaminationen auf! Diese jetzt erledigten, notwendigen Arbeiten wurden großzügigerweise von unserem Vereinsmitglied Dr. Axel Römer aus Pulheim gesponsert, sind aber lediglich Voraussetzungen für die spätere Sanierung der Einzelseiten, des Buchblocks bzw. die schlussendliche Neueinbindung, die in einer renommierten Buchkunst-Werkstatt in Halle/S. erfolgen soll. Die Zeitplanung hierfür sieht den Herbst 2017 vor, sodass die Übergabe zum Verbleib des für die Kirchengeschichte Arterns einmaligen Buches in der hiesigen evangelischen Gemeinde vielleicht noch Ende dieses Jahres und somit noch im Rahmen des Reformations-Jubiläums vorgenommen könnte. Spenden bis dahin sind noch nötig und deshalb sehr willkommen! – Unser Bild zeigt einen Stich aus der „Agenda“ mit Darstellung der christlichen Taufe nach Luther und dem erklärenden Untertitel „Wie man die Einfeltigen sol leren Beichten“.


Hochwasser in Thüringen 2017

Freitag, 9. Juni 2017

Am vergangenen Mittwoch konnte in Jena im Rahmen einer sehr gut besuchten Informationsveranstaltung der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) eine neue Publikation der hauseigenen Schriftenreihe mit dem Titel „Hochwasser in Thüringen. Ursachen, Verlauf und Schäden extremer Abflussereignisse (1500-2015)“ vorgestellt werden. Bei dem von Dr. Mathias Deutsch (Erfurt) und Prof. Dr. Karl-Heinz Pörtge (Göttingen/Nienstädt) erarbeiteten Werk handelt es sich um die dritte, stark erweiterte Auflage ihrer bereits 2002 bzw. 2003 vorgelegten und inzwischen längst vergriffenen Veröffentlichung „Hochwasserereignisse in Thüringen“. – Erneut ist es ein wichtiges Anliegen der Autoren, die Leserinnen und Leser über sehr schwere Hochwasser, die ab 1500 im Gebiet des heutigen Bundeslandes Thüringen abgelaufen sind, zu informieren. Dazu gehören sowohl die Flutkatastrophen vom Mai 1613 (die sog. „Thüringer Sintflut“) und November 1890 als auch die extremen Abflussereignisse in den Jahren 1981, 1994 und 2013. Wie die Ausführungen verdeutlichen, verursachten derartige Naturereignisse bei ungünstigen Ausgangsbedingungen (u. a. bei hoher Bodenfeuchte und ergiebigen, lange anhaltenden Niederschlägen) immer wieder extrem hohe Pegelstände bzw. Abflüsse. Die damit unweigerlich verbundenen Überschwemmungen führten u. a. auf landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie in den Siedlungsbereichen zwischen der Sachsenburger Pforte und dem Wendelstein stets zu außerordentlichen Schäden und Verlusten. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass bestimmte hydro-meteorologische Konstellationen, die in der Vergangenheit schwere Hochwasser verursachten, zukünftig nicht wieder auftreten! – Das 217 Seiten umfassende und mit 142 Abbildungen (Karten, Tabellen, Fotos etc.) reich illustrierte Buch gliedert sich in sechs Kapitel. Nach einer Einleitung sowie allgemeinen Angaben über Hochwasser und Hochwasserursachen gehen die Autoren auf die hydrologische Situation in Thüringen ein. Es folgen Ausführungen über Eingriffe des Menschen in das Abflussgeschehen sowie Erläuterungen zu verschiedenen Quellen, die im Rahmen historischer Hochwasserforschungen zu nutzen sind. Nach einer Chronologie herausragender Hochwasser in Thüringen ab 1500 werden im Hauptkapitel insgesamt 15 ausgewählte historische Abflussextreme näher vorgestellt. Zu nennen sind beispielsweise die Flutkatastrophen von 1799, 1871, 1946 und 1947, die auch im Raum Artern bedeutende Zerstörungen verursachten. Für heimatgeschichtlich interessierte Leser dürfte von Interesse sein, dass zum Hochwasser 1799 u. a. ein Bericht aus dem Schönfeld an der Unstrut zum Abdruck kam. Die neue Publikation von Dr. Deutsch und Prof. Pörtge schließt mit einem Glossar, in dem wichtige hydrologische bzw. wasserwirtschaftliche Fachbegriffe in Kurzform erläutert werden, sowie mit einem umfangreichen Quellen- und Literaturverzeichnis. – Seit dem 7. Juni 2017 kann die Publikation, welche nicht im Buchhandel erhältlich ist, zum Preis von 15 Euro (zuzüglich Versandkosten) direkt bei der TLUG Jena unter der Mail susanne.oberlaender@tlug.thueringen.de oder über die Telefonnummer 0361-573 942-000 bestellt werden. Natürlich ist es auch weiterhin möglich, die Bestellung postalisch aufzugeben. Die Anschrift hierfür lautet: TLUG Jena, Göschwitzer Straße 41, 07745 Jena.


Freiheit 1963

Dienstag, 6. Juni 2017

Fürst Otto von Bismarck postulierte einst: „Die Presse ist für mich Druckerschwärze auf Papier“ und traf mit diesem Aphorismus, trotz Pressefreiheit infolge des Reichspressegesetzes von 1874, eine eher zwiespältige persönliche Diagnose über die „vierte Macht in Staate“ zu seiner Zeit. – Dessen ungeachtet nimmt sich die aktuelle, im Vormonat eröffnete Sonderausstellung des Spengler-Museums Sangerhausen „200 Jahre Zeitung für Sangerhausen“ der Geschichte der Presse in unserer langjährigen Kreisstadt an und gib vielfältige Einblicke in die Vergangenheit der lokalen und regionalen Veröffentlichungsorgane. – So erschien am 24. Oktober 1817 die erste Ausgabe einer Zeitung in Sangerhausen, nämlich die „Sangerhäusischen wöchentlichen Intelligenzblätter“. Nach Umbenennung in „Sangerhäuser Kreisblatt“ wurde aus diesem die „Sangerhäuser Zeitung“, die bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges erschien. Als Konkurrenzblatt sind die „Sangerhäuser Nachrichten“ zu nennen, später die „Kyffhäuser-Zeitung“. Die rot lackierte „Freiheit“ (im Volksmund: „Frechheit“) mussten die Leser dann von 1946 bis 1990 erdulden (unser Bild zeigt die Titelseite vom 3. September 1963), ehe ab 1990 die „Mitteldeutsche Zeitung“ mit der Regionalausgabe für Sangerhausen das führende Tagesblatt wurde. – Die aktuelle Sonderausstellung im Spengler-Museum berichtet im Jubiläumsjahr über die Zeitungsgeschichte Sangerhausens von den Anfängen bis zur Gründung der MZ. Im Fokus stehen dabei alte Zeitungsausgaben im Original. Zudem gibt es Leseproben aus ausgewählten Jahrgängen. Eine Vielzahl von Bildern, Dokumenten und Informationen runden die Thematik ab. Nicht erwähnt werden muss, dass neben der damals tagesaktuellen Berichterstattung im Laufe der Jahre und Jahrzehnte auch ungezählte heimatgeschichtlich und thematisch ähnliche Artikel aus dem Gebiet des Altkreises Sangerhausen in den Zeitungen publiziert worden sind, die ebenso längst wichtige Quellen historischer Forschungen sind. Im Museum bzw. im Stadt- oder Kreisarchiv Sangerhausen können diese Folianten nach Voranmeldung gern eingesehen werden. Zum historischen Studium muss man „lediglich“ Zeit aufbringen, denn (im krassen Gegensatz zu heute, wo von der Journaille jeden Tag „eine andere Sau“ durch Dorf getrieben wird) fesseln diese alte Zeitungen mit hohem Informationsgehalt und auch Meinungsreichtum (!) fast durchweg. Und sogar die bisweilen damals schon umfangreiche und detaillierte Werbung hat längst Bedeutung als Quelle für die Stadt- und Kreisgeschichts- sowie Firmen-, Personen- und Familienforschung erlangt. Die sehenswerte Ausstellung im Spengler-Museum ist noch bis 5. November 2017 geöffnet.


Schneider-Innung

Freitag, 2. Juni 2017

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt und drittens wird auch noch die Zeit knapp! So könnte man den turbulenten Ausgang eines Besuches im Arterner Stadtarchiv in der ersten Hälfte des Vormonats umschreiben. Was war passiert? Auf der Suche nach historischen Unterlagen zu völlig anderen Themen wurde mit Hilfe von Archivarin Charlotte Loeschmann ein Aktenkarton ausgehoben, dessen Inhalt bereits zu DDR-Zeiten nicht eindeutig deklariert worden ist. Gleich oben auf liegend „lachte“ eine damals unkorrekt abgelegt Akte mit dem verführerischen Titel „Innungs Articul Derer Schneider zu Artern Anno 1689“ entgegen (unser Bild). Verführerisch deshalb, weil eben diese oder eine thematisch möglichst ähnliche Akte aus der Zeit vor oder kurz nach dem großen Stadtbrand 1683 in Artern bis vor kurzem händeringend gesucht wurde. Warum? Wie in der aktuellen Meldung vom 18. April 2017 veröffentlicht, erscheint im Sommer eine Biografie von Johann Wolfgang von Goethes Großvater Friedrich Georg Göthe (1657-1730), und der war bekanntlich Schneider von Beruf – ein Handwerk, das er in Artern erlernt haben muss. Leider waren die Akten darüber 1683 verbrannt, sodass kein historisch verwertbares Dokument darüber hätte berichten können. Das änderte sich mit dem 9. Mai 2017 schlagartig: mit den entdeckten Innungsartikeln von 1689 können nun tiefgehende Einblicke in diesen Zusammenschluss Arterner Schneider genommen werden. Und nun kommt die Zeit ins Spiel, denn das angesprochene Buch über „Monsieur Göthé“, den Schneider aus Artern und Sohn des Hufschmiedes Hans Christian Göthe, ist so gut wie fertig! Aber diese neuen Erkenntnisse müssten auf jeden Fall noch in das Buchmanuskript, lassen diese doch die Lehr- und Gesellenzeit Friedrich Georg Göthes erst richtig lebendig werden. – Also: kaum vom Archiv kommend zuhause eingetroffen, wurde einer der Autoren telefonisch kontaktiert und über den spektakulären Fund berichtet. Auch dieser möchte möglichst die komplette, gerade einmal 14seitige Akte mit ins Buch bringen, wurde doch bislang dafür ersatzweise eine andere sächsische Schneiderordnung (hier aus Leipzig) zurate gezogen. Aufgrund des Fertigungsstandes der Biografie und verbunden damit akuter Zeitnot bis zur Veröffentlichung wird aber wohl nur ein Kompromiss zustande kommen. So werden die Innungsartikel wohl „lediglich“ als Fotos, versehen mit ausführlicheren Bildunterschriften, noch Einzug in den Band halten. (In einer zweiten Auflage könnte diese Situation durch Einarbeitung und Bewertung der aufgefundenen Innungsartikel auch im Text abgeändert werden.) Immerhin konnte wenigstens noch ein Verlust historischer Authentizität abgewendet werden, und jener Lebensabschnitt Friedrich Georg Göthes in Artern wird nun der Aktenlage entsprechend korrekt wiedergegeben werden. Alles andere wäre für das bislang bereits 460 Seiten (!) umfassende Buch ein nicht unerhebliches historisches Manko geworden!


Wappenstein saniert

Dienstag, 30. Mai 2017

Der vorigen Mittwoch enthüllte Arterner Wappenstein widerspiegelt einen bedeutsamen Teil der kursächsischen Landesgeschichte, die sich hier in den Wappen Sachsens und Polen-Litauens manifestiert (unser Bild). Hintergrund dieser heraldischen Konstellation ist die 1697 erfolgte Union zwischen dem Kurfürstentum Sachsen und dem Königreich Polen-Litauen mit August dem Starken als Staatsoberhaupt. – Damit im Zuge der Fertigstellung des Wappensteins auch diesen historischen Gegebenheiten sowie heraldischen Vorgaben Genüge getan wird, wurde dessen Bemalung durch den Steinmetzbetrieb Marko Gödicke gemäß der „Richtlinie für die Gestaltung von Wappenteilen an kursächsischen Postmeilensäulen“, erschienen im Rundbrief der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e.V. (90, 2013), ausgeführt. Um den Arterner Stein historisch korrekt erklären zu können zu können, ist es unerlässlich, sich mit seinen beiden Wappen und deren Elementen zu beschäftigen. Eine kurze und prägnante Blasonierung wurde deshalb dieser Richtlinie entnommen und ist nachstehend wiedergegeben: „Das kursächsische Wappen besteht aus zwei senkrecht aneinander grenzenden Schildern. Das linke Schild ist in der oberen Hälfte schwarz und in der unteren silbern. Es enthält zwei gekreuzte rote Schwerter, deren Spitzen nach oben weisen. Im rechten Schild sind, oben i.d.R. mit Gold beginnend, 5 schwarze, erhabene Balken auf goldenem Feld enthalten, die von einem grünen Rautenkranz mit i. d. R. 5 Rauten und 5 Sporen überdeckt sind, welcher i.d.R. schräg von links oben nach rechts unten verläuft. Das Wappen ist von einer erhöhten ovalen Begrenzung umgeben, die zu vergolden ist. – Das polnische Wappen besteht aus vier roten Schildern, die durch zwei erhaben stehende, sich kreuzende Linien getrennt sind. Dieses Trennkreuz ist schwarz. Im ersten (links oben) und vierten (rechts unten) Schild ist je ein silberner Adler mit blauem Brustband sowie mit goldener Krone, goldenem Schnabel und vier goldenen Krallen enthalten. Seine Blickrichtung ist nach links. Im zweiten und dritten Schild befindet sich je ein silberner, nach links galoppierender Reiter, dessen silbernes Pferd goldene Hufe trägt. Er hält in der Rechten ein silbernes, mit der Spitze nach oben zeigendes Schwert und in der Linken ein blaues Schild mit einem goldenen Patriarchenkreuz (Doppelkreuz) und einer schmalen goldenen Umrandung. Satteldecke und Zügel des Pferdes sind blau. Das Wappen ist von einer erhöhten ovalen Begrenzung umgeben, die zu vergolden ist.“ – Trotz Recherchen war bislang nicht zu ermitteln gewesen, ob das Arterner Wappenstein früher bemalt gewesen war. Dass sich für eine farbliche Gestaltung entschieden worden ist, kann aber als richtig gewertet werden, da das Denkmal dadurch erheblich an optischer Attraktivität erheblich gewinnt (ähnlich den Wappen auf Postmeilensäulen), andererseits seine historische Aussage noch hervorgehoben wird!


Wappenstein Gruppenbild

Freitag, 26. Mai 2017

Petrus meinte es vorgestern gut mit den Veranstaltern und Besuchern der feierlichen Übergabe des Wappensteins und bescherte einen angenehm temperierten Nachmittag, zwar nicht mit Sonne, dafür immerhin ohne Niederschlag. An die vierzig Arterner und Gäste waren in die untere Ritterstraße gekommen, um der Enthüllung dieses Denkmals aus Johann Gottfried Borlachs Zeiten beizuwohnen. Dass ausgerechnet der 24. Mai zum Termin der Übergabe gewählt wurde, hatte seinen Hintergrund: an diesem Tag vor 330 Jahren nämlich erblickte der spätere Salinengründer Borlach als Sohn eines Tischlers in Dresden das Licht der Welt! Sein Leben und Wirken, besonders aber sein Charakter und die persönlichen Eigenarten des Bergrates wurden durch die Rezitation eines historischen Textes hervorgehoben, den Hedi Bialkowski vortrug. Zuvor hatte sich Bürgermeisterin Christine Zimmer mit einem Grußwort an die Gäste gewandt, erinnerte gleichfalls an den Salinengründer und dankte für die erfolgte Denkmalsanierung. Kantor a. D. Peter Telschow war für die musikalische Umrahmung zuständig und spielte zeitgenössische Stücke auf dem Keyboard, darunter das Arterner Tempete, einen Tanz der hiesigen Saliner, wohl aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als „Zeitzeugen“ in Gewandung gaben sich zwei Schüler der Borlach-Schule als Salinengründer Borlach und Arterner Stadtrat sowie Ronald Römer als Salinenarbeiter die Ehre und bildeten eine optisch ins Auge stechende Gruppe von Personen aus der Arterner Geschichte. Bei der Enthüllung des Denkmals kamen mit Bürgermeisterin Christine Zimmer, Sonja Helm, Leiterin der Borlach-Schule, und Salzprinzessin Sarah II. gleich drei Frauen zum Zuge, unterstützt von Heimatfreund Manfred Schröter aus Berga/Kyffh., Kleindenkmalforscher und langjähriger Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue. Nach seiner Abdeckung präsentierte sich der Wappenstein leicht angewinkelt aufgestellt und die Schaufläche zur Straße hinzeigend dem Publikum. Eingebettet in Schnörkel und Arabesken beschauten sich die Besucher das farbige Doppelwappen des wettinischen Kurfürstentums Sachsen sowie das des Königreiches Polen und des Großfürstentums Litauen auf dem mehr als eine Tonne auf die Waage bringende Koloss. Andreas Schmölling vom Heimatverein ARATORA sprach einige erläuternde Sätze zur Geschichte des Steins bzw. diese scheinbar eigentümliche Wappenkonstellation (August der Große als sächsischer Kurfürst war seit 1697 zugleich König von Polen-Litauen). Erfreulich, dass von fachmännischer Seite die handwerkliche Ausführung des Denkmals durchweg positiv ausfiel!  Der Wappenstein war ursprünglich am Unteren Salinetor angerbracht, nun steht er nur einige Meter entfernt. Aus Anlass der Denkmalaufstellung zu Borlachs 330. Geburtstag wurden zum Abschluss der kleinen Feier die Gläser erhoben und sich damit auf die Geselligkeit am bevorstehenden Himmelfahrtstag eingestimmt. – Ganz besonderen Dank für das Gelingen der Denkmalübergabe wird auf diesem Wege übermittelt an: Bürgermeisterin Christine Zimmer, Amtsleiterin Antje Große, Christine Wehling und Frank Wölk vom Städtischen Bauhof, Patrick Helm vom Kyffhäuser Textilservice in Artern, Ronald Römer vom VdK Artern, Rezitatorin Hedi Bialkowski aus Artern, Kirchenmusiker Peter Telschow aus Schönfeld, Salzprinzessin Sarah II. sowie die beiden Schüler der Borlach-Schule. Besonders lobend erwähnt werden muss, dass seitens des Steinmetzfirma Marko Gödicke zwei Rechnungspositionen als Sponsoring erlassen worden sind. – Unser Bild zeigt den Stein sowie „Saliner“ Ronald Römer, Salzprinzessin Sarah II., Vereinsvorsitzenden Andreas Schmölling sowie Bürgermeisterin Christine Zimmer (Foto: Manfred Schröter, Berga).


Industrieviertel Artern

Dienstag, 23. Mai 2017

Der bereits angekündigte, jedoch noch in Entstehung befindliche, sehr umfangreiche Bildband zur jüngeren Geschichte der Stadt Artern hat inhaltlich Änderungen erfahren. Die zunächst avisierte Zeitspanne von etwa 1925 bis 1955 wurde aufgrund von in letzter Zeit verstärkt zu diesem Zweck vermittelter Fotos nun auf das Jahrzehnt bis ca. 1975 ausgedehnt. Somit lautet der Arbeitstitel des Buches jetzt „Damals in Artern 1925-1975 – Streifzüge durch fünf Jahrzehnte Stadtgeschichte“. Der Umfang soll nicht geändert werden und weiterhin 280 Seiten umfassend. Somit ist mit 450 bis 500 Fotos zu rechnen, die den genannten Zeitraum bildlich dokumentieren sollen. Schön, dass bislang so viele Unterstützer unser Buchprojekt mit Fotos ausschmücken halfen, und noch immer können möglichst private Bilder mit aussagefähigen Motiven für den Bildband abgegeben werden (bitte keine Familienbilder im engeren Sinne). Eine Garantie zur Veröffentlichung kann natürlich nicht gegeben werden, da zahlreiche Fotos oftmals dieselben Motive zum Inhalt haben und dann nur die optisch besten bzw. inhaltsreichsten und interessantesten ausgewählt werden können. In der Arbeitsfassung des Bildbandes sind folgende zehn Kapitel geplant: 1. Schöne Ausblicke: Stadtansichten vom Weinberg und aus der Aue, 2. Auf dem Weinberg: Park, Plantage und Straßen am Hang, 3. Spaziergang durch die Siedlung, 4. Am Stadtrand: Solequelle, Friedhof, Naturschutzgebiet und Talgebind, 5. Entlang der Unstrut zur Kleinen Helme, 6. Die Altstadt: Kirche, Gutshöfe und Mühlgraben, 7. Mit viel kleinstädtischem Charme: Streifzug in der Innenstadt, 8. Im Industrie- und Bahnhofsviertel, 9. Leben in Artern: Menschen und Anlässe, sowie 10. Dörfliche Impressionen aus Schönfeld. – Besonders das Kapitel über Schönfeld betreffend, werden noch dringend Fotos erbeten, die über die „üblichen“ Motiven hinaus gehen und gern auch Hinterhöfe, rückwärtige Ansichten von Häusern und Gehöften, Gärten oder Feldarbeit zeigen dürfen. Soweit Bildmaterial vorhanden, soll gern auch der Ortsteil Kachstedt einige Seiten mit historischen Bildern zugestanden bekommen, doch ist hier die Situation mit Illustrationen seit jeher prekär. Wer kann hierbei helfen? – Erstmals in einer Veröffentlichung des Heimatvereins ARATORA sollen im Layout sog. auslaufende Bilder gesetzt werden, d. h. die Fotos schlagen jeweils direkt an der oberen linken bzw. rechten sowie unteren linken bzw. rechten Schnittkante der jeweiligen Seite an. Dadurch wird Platzgewinn erreicht, weil die Flächen der Aufnahmen dann maximal ausgenutzt werden kann. – Unser Bild zeigt ein Gemälde von Otto Engelhardt-Kyffhäuser, das historische Industrie- und Bahnhofsviertel der Stadt Artern darstellend.


Lena Burghardt Schönfeld

Freitag, 19. Mai 2017

Die wichtigste kulturhistorische Veranstaltung, wohl auch in der weiteren Umgebung, fand am vergangenen Sonnabend im Arterner Ortsteil Schönfeld statt. Eingeladen wurde zu einer festlichen Andacht anlässlich der Fertigstellung des Altarraumes in der Kirche St. Kilian, und das kleine Gotteshaus an der Unstrut war bis auf den letzten Platz auf der Empore mit Einheimischen und Gästen gefüllt: 150 Menschen. Immerhin galt es, einen Meilenstein bei der Sanierung der Kirche von 1747/1748 zu feiern: Chorraum und spätbarocker Altar wurden denkmalgerecht instandgesetzt! Hierzu hielt zunächst Pfarrerin Lena Burghardt aus Artern eine Andacht, und zwar direkt vom Kanzelaltar aus – eine Aufgabe, die ihr einiges abverlangte, wie sie uns verriet, denn der senkrechte Blick von dort, d. h. direkt nach unten, war alles andere als vertrauenerweckend, zumal die Standfläche für den Redner sehr knapp bemessen und die Sicht in die Tiefe ungestört ist. Die Freude und der Stolz über das Geschaffene war aber nicht nur den Offiziellen anzusehen, auch die Kirchenbesucher aus Schönfeld, der Partnergemeinde Neerda in Nordhessen sowie aus Artern waren des Lobes voll. Pfarrerin Dr. Friederike Spengler, die in den Anfangsjahren den Erhalt der Schönfelder Kirche unterstützte, richtete Worte an die Gemeinde, ebenso Restauratorin Bianca Witte-Schäfer, die über die Sanierung des in Weiß und Gold strahlenden Altars sprach. Dr. Axel Römer aus Pulheim, ARATORA-Vereinsmitglied und seit Jahren großzügiger Mäzen der Kirche seines Ahnendorfes, legt sich fest, der Altar müsse aus der abgerissenen Kapelle des Arterner Wasserschlosses nach Schönfeld gekommen sein und hob zudem die Seltenheit von Kanzelaltären in unserer Region hervor. Nicht zuletzt dankte auch Bürgermeisterin Sonja Helm für das hohe Engagement in ihrem Ort und erinnerte an die Zeit, als die Schönfelder Kirche noch eine Ruine war. – Unterstützungen für die weitere Sanierung von St. Kilian kamen an diesem Wochenende von den Besuchern, wobei die Bürger der Gemeinde Neerda ausdrücklich als mittlerweile langjährige Spender erwähnt seien. Ebenso gelobt wurde das hohe Engagement von Elke Eisenhut, die mit Tür-zu-Tür-Aktionen Geld sammelte und auch die Erlöse aus dem Verkauf eines Kalenders der Wiederherstellung der kleinen Kirche überließ. Für die sehr ansprechende musikalische Umrahmung der Andacht sorgten in altbewährter Weise Ursula und Peter Telschow sowie zwei Musiker aus Nordhausen mit eher jazzinspirierten Vorträgen. Zum Schluss wurden zwei Schautafeln aufgestellt, wofür Ursula Telschow und Dorothea Kleinschmager Bilddokumente aus der Geschichte der Kiliankirche zusammengetragen hatten. Der Erhalt des kleinen Gotteshauses geht weiter, auch wenn die Sanierung des Dachstuhls bzw. der Dachdeckung noch sehr viel Engagement kosten und noch mehr an Geldern fordern wird. Doch die Schönfelder schaffen das, da sind sich die Initiatoren sehr sicher, zumal der Jahresplan 2017 noch sieben weitere Veranstaltungen anbietet, die Besucher anlocken werden. Und nicht ohne Grund lautet schließlich die keltische Urform von Kilian übersetzt: Kämpfer! – Das heftige Gewitter während der Andacht wurde im Trocknen des Kirchenschiffes überstanden, und als es zu Kaffee und Kuchen ging, strahlte auch schon wieder Sonne und bescherte eine herrliche Aussicht. Wenn das mal kein gutes Omen ist! – Schöner „Nebeneffekt“ der gelungenen Veranstaltung in Schönfeld für den Heimatverein ARATORA: die Ankündigung von weiteren historischen Privatfotos für den derzeit in Arbeit befindlichen Arterner Bildband sowie eine äußerst inhalts- und detailreiche heimatgeschichtliche Chronik von 1906. – Unser Foto zeigt Pastorin Lena Burghardt bei der Präsentation historischer Kelche und weiterer alter Objekte aus der Schönfelder Kirche.


Wappenstein Sockel

Dienstag, 16. Mai 2016

Die Sanierung des um 1730 angefertigten Wappensteins aus der Arterner Saline ist beendet! Während der vergangenen Monate wurde das Kleindenkmal in der Werkstatt des hiesigen Steinmetzbetriebes Marko Gödicke aufgearbeitet. Besonders die beiden durch Erosion völlig verwaschenen Wappen sind komplett neu graviert sowie anschließend mittels hochwertiger Acrylfarbe heraldisch korrekt bemalt worden. Mit Abschluss dieser Arbeiten wurden binnen nur zweier Jahre schon drei städtische Denkmale des 18. und 19. Jahrhunderts mit lokaler bzw. regionaler Bedeutung wiederhergestellt. Für den Lutherstein, den Friedensstein und auch den Wappenstein hatte der Heimatverein ARATORA die Organisation der Sanierung sowie die jeweiligen Kostenübernahmen der Restaurierungen (im aktuellen Fall mit rund neunzig Prozent Spendenanteil durch Mitglieder und Freunde) übernommen. Besonderer Dank, auch während der Zeit der Wiederherstellung des Wappensteins, ergeht an die Bürgermeisterin, das Bauamt, den Bauhof und die Friedhofsverwaltung für stets gute und angenehme Zusammenarbeit! – Die Übergabe des kursächsischen Wappensteins wird mit einer kleinen Feierstunde begangen, die am Mittwoch kommender Woche, also am 24. Mai 2017 (Tag vor Himmelfahrt) um 16.00 Uhr am Unteren Saline-Tor (Einmündung der Ritterstraße in den Salzdamm) stattfinden wird. Bürgerinnen und Bürger der Stadt Artern, Vereinsmitglieder, Freunde, Unterstützer und Interessierte sind hierzu besonders herzlich eingeladen. – Als nächstes historisches Objekt in Artern, das vielleicht noch in diesem Jahr der Wiederherstellung unterzogen wird, ist ein verkehrsrechtliches Kleindenkmal an der Sangerhäuser Straße (sog. „Provinzstein“). Mittelfristig stehen auch der Versteinerte Baum vor der Veitskirche, der Gustav-Adolf-Stein auf dem Königstuhl und vor allem der Wasserstein bei Ringleben auf der Wunschliste für denkmalgerechte Wiederherstellungen in bzw. um Artern! – Unser Bild zeigt den am 10. Mai 2017 durch den Städtischen Bauhof gesetzten Sockel für den Wappenstein in der Ritterstraße vor dem Erweiterungsneubau des Hauses Anna am Park, gemeinnützige Betriebsgesellschaft für soziale Dienste und Einrichtungen mbH. Die bis dahin dort abgelagerten alten Werksteine wurden abgefahren, sodass das neue und weit über eine Tonne schwere Kleindenkmal ab Mitte nächster Woche optisch ungestört auf der Rasenfläche wirken kann.