Artern

Zur freundlichen Beachtung & aktuelle Meldungen

Übergabe Agenda

Dienstag, 6. Februar 2018

Nach knapp einjähriger Sanierung in Leipzig und Halle ist ein wichtiges Buch zur Kirchen- und Stadtgeschichte der Stadt Artern heimgekehrt: die zuvor auf einem Flohmarkt (!) angebotene KirchenAgenda Darinnen Tauff, einsegen, und Trawbüchlein, Communion, sampt den teglichen Collecten, welche in der Kirchen gebraucht werden. Für die Prediger in der Graff/ vnd Herrschafft Mansfeld“. Am vergangenen Sonnabend übergab Buchkünstlerin und Restauratorin Syrta Traub (links) aus der Halloren-Stadt das vorzüglich wiederhergestellte Werk aus dem Jahr 1580 in der Arterner Marienkirche an den Heimatverein ARATORA und erläuterte zuvor detailliert ihre Arbeit. Aus den Händen des Vorsitzenden wurde das Werk an Gemeindebeirat Jürgen Puchta (rechts) weitergereicht, der es für das historische Archiv der evangelischen Kirchengemeinde in Empfang nahm (leider war Pastorin Lena Burghardt verhindert). Nun wird der alte Druck, gemeinsam mit den Kirchenbüchern, gut gesichert aufbewahrt. Aufgrund in Anwendung genommener, spezieller Japanpapiere, der Nutzung von neuem Pergament sowie nicht unerheblicher Restaurierungszeiten wurde der Kostenvoranschlag zwar voll ausgereizt, jedoch hat sich der Aufwand gelohnt. Das handliche Buch, das in eine Zeit datiert, die nur ein knappes Vierteljahrhundert nach dem Tode Martin Luthers liegt, ist rundum gelungen und hat nun beste Voraussetzungen, wieder einige Jahrhunderte zu halten. Nur der originale, völlige abgegriffene und deshalb schon speckig glänzende Pergamentbezug konnte nicht mehr eingesetzt werden. Dieser zuvor sehr augenscheinliche Zustand bedeutet aber, dass das Buch einst sehr rege genutzt worden ist, immerhin ist es als Leitfaden und Handbuch für die Geistlichen des damals noch jungen Luthertums in der Städten und Dörfern der Grafschaft Mansfeld gedacht gewesen. Und so war es wohl auch in Artern, wo sich die Pfarrer immer wieder in die Seiten vertieften, um ja keine liturgischen o.a. Fehler zu machen (z. B. bei den sehr strengen Regelungen zur Eheschließung)! Diverse handschriftliche Einträge zeugen davon und können nun in aller Ruhe begutachtet und gelesen werden. Zuvor war dies wegen der zu zerbröseln drohenden Seiten unmöglich. – Das vorliegende Werk geht in seiner Entstehung fast zwei Jahrzehnte zurück, denn: „Schon vorher / nemlich Anno 1562. ist ein Manuale zum Gebrauch der Mansfeldischen Kirchen gedrucket […]. Solche Manuale ist nun hier [mit der Agenda von 1580] / wiewohl vermehret / wieder auffgelegt […].“ Nach der Urfassung und der erweiterten Auflage wurde eine weitere Agenda sogar noch 1718 veröffentlicht. – Wie angekündigt, übernahm der Heimatverein ARATORA die kompletten Kosten für die Sanierung. Pfarrer Hans-Martin Kohlmann aus Wippra (Archivbeauftragter für den Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda) und Jürgen Puchta als Gemeindevertreter freuten sich über die historische Bereicherung und dankten dem Vorstand des Heimatvereins für die erneute Sanierung eines alten Buches mit Relevanz zur Kirche in Artern. – Anschließend soll und muss besonders gern auf eine ganz außergewöhnliche Unterstützung aufmerksam gemacht werden, denn erneut zeigte unser Vereinsmitglied Dr. Axel Römer aus Puhlheim ein großes (und großzügiges) Herz für seine alte Heimatstadt. Infolge inniger Verbundenheit mit Artern und Schönfeld sowie deren Kirchen St. Marien und St. Kilian übernahm Dr. Römer sage und schreibe zwei Drittel der wahrlich nicht geringen Kosten für die Wiederherstellung der Kirchen-Agenda. Er trat damit erneut als wichtiger Mäzen für die Förderung der Heimatgeschichte sowie des lokalen Denkmalschutzes auf. Dafür (zum wiederholten Male) unser allerherzlichster Dank! Hierzu der Spender: „Mit der Spende möchte ich mich für Ihre Arbeit im Verein bedanken, die mir immer wieder zugutekommt.“


Die Unstrut bei Artern

Freitag, 2. Februar 2018

Eine Email mit Bildanhang aus Jena vor wenigen Tagen beinhaltete zunächst eine Anfrage zu einem historischen Ölgemälde mit dem Titel „Die Unstrut bei Artern“, das sich mindestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts dort in Familienbesitz befindet (unser Bild). Die Überraschung beim Heimatverein ARATORA war entsprechend groß, denn bislang war diese künstlerische Darstellung des Flusses völlig unbekannt und wurde demnach auch noch nie als Reproduktion veröffentlicht. Die Abmessungen des Kunstwerkes betragen stolze 109 x 87 Zentimeter (mit Rahmen). Das farbenfrohe Gemälde mit Blumen und Bäumen in vollem Laub zeigt eine sommerliche Unstrut-Landschaft wohl auf Höhe gegenüber dem Saline-Park. Im Hintergrund fällt der Blick auf die Chaussee nach Reinsdorf. Probleme bereitete zunächst der Künstler, der zwar seine Signatur als Pinselstriche in der Ölfarbe hinterlassen hat, diese aber zunächst nicht eindeutig zuzuordnen waren. Mit einiger Phantasie konnte das Kürzel „EE 44“ erkannt werden. Dieses stünde für Ewald Engelhardt, die 44 für 1944 als dem Jahr der Herstellung. Ewald Engelhardt (1879-1976) war der maßgebliche Arterner Heimatforscher in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dieser widmete sich auch gelegentlich der Malerei, wenngleich mit viel weniger Erfolg als sein Bruder Otto (1884-1965). Nach zwischenzeitlichen Vergleichen mit anderen Bildern und Signaturen von Ewald Engelhardt konnte die Vermutung hinsichtlich des fraglichen Kürzels aber eindeutig bestätigt werden. Somit kehrte am gestrigen Tag ein echter und dazu noch sehr schöner „Engelhardt“ in die alte Heimat zurück. Zeitgeschichtlich interessant an dem Bild ist, weil „Kriegsware“, dass dessen Rückseite mit Schnittmustern verklebt worden ist. – Wie aber kam das Gemälde von Artern nach Jena, wo es schon in der Wohnung der Eltern und Großeltern des Anbieters hing? Die sehr einfache genealogische Lösung: Dessen Großmutter war eine geborene Pietzsch aus Artern, weiland Kaufmannsfamilie auf dem Marktplatz und Bauherren des Wohn- und Geschäftshauses Markt 2 im ausgehenden 19. Jahrhundert. – Das Gemälde „Die Unstrut bei Artern“ ist eine unerwartete und sehr willkommene Bereicherung heimatgeschichtlicher Darstellungen und soll künftig möglichst öffentlich zugänglich gemacht werden! Damit würde auch dem Wunsch des bisherigen Besitzers nachgekommen. Eine Publikation im noch immer aktuellen Projekt „Unstrut-Buch 2“ wird ebenfalls vorgenommen. Nicht verschwiegen werden soll, dass unser langjähriges Vereinsmitglied Dr. Mathias Deutsch aus Erfurt zur Mitfinanzierung des Gemäldes die Hälfte der Aufwendungen aus eigener Tasche beigesteuert hat. Darüber hinaus hat er das Bild aus Jena abgeholt. Dafür in alter Verbundenheit (mittlerweile ein Vierteljahrhundert erfolgreiche gemeinsame Forschungsarbeit in der Unstrut-Region) unseren besonders herzlichen Dank!


Bruder des Provinzsteins

Dienstag, 30. Januar 2018

Das intensive Studium möglichst zahlreicher historischer Stadt- und Detailansichten offenbart nicht nur die über Jahre und Jahrzehnte erfolgten Veränderungen im Ortsbild. Nicht selten werden noch andere spannende Details entdeckt, wie sich am vergangenen Wochenende wieder einmal zeigte. Während der Arbeit an einer Neuveröffentlichung zur Geschichte der Stadt Artern fiel ein Bild mit Bauarbeiten zur Neuerrichtung der durch die Wehrmacht 1945 gesprengten Unstrut-Brücke in der Reinsdorfer Straße zu Beginn/Mitte der 1950er Jahre ins Auge, das freundlicherweise unser Vereinsmitglied Günther Burghardt aus Bad Frankenhausen überlassen hatte. Ästhetisch sicherlich nicht das schönste Foto, doch dafür ein wichtiges wasserbauhistorisches Dokument. Dann aber der unerwartet-angenehme Schreck, denn ganz links unten im Bild und wohl nur rein zufällig fast zur Gänze abgebildet, war da ein nicht einmal kniehohes, am Kopf abgerundetes Kleindenkmal zu erkennen (unser Bild). Deutlich darauf zu lesen: „Provinz“ und darunter eine waagerechte Linie. Keine Frage, hierbei kann es sich nur um den „Bruder“ des preußischen Provinzsteins in der Sangerhäuser Straße (auf Höhe der Rasenfläche vor dem Grundstück Nr. 1) handeln, der in den nächsten Wochen in Trägerschaft des Heimatvereins ARATORA saniert werden soll. – Das auf der Aufnahme entdeckte Denkmal steht, von der Stadt her kommend, am rechten (westlichem) Fußweg nach der Überquerung der Brücke über die Unstrut – gegenüber des Grundstücks Reinsdorfer Straße Nr. 2 (ehemals Werners). Die Blickrichtung des Steins mit der Aufschrift „Provinz“ geht nach Süden. Das heißt, unmittelbar nach der Brücke in Richtung Reinsdorf hatte früher die Preußische Provinz Sachsen wieder die Pflicht zur Unterhaltung dieser Chaussee. Demnach war die Stadt Artern für den Straßenabschnitt zwischen der heutigen Sangerhäuser Straße 1 und der Reinsdorfer Straße 2 verantwortlich. Dieser verlief aber nicht über die heutige Wegstrecke (Bundesstraße B86), denn diese gab es damals noch gar nicht, weil erst 1979 errichtet. Der innerstädtische Chaussee-Abschnitt ging über Harzstraße, Wasserstraße und Reinsdorfer Straße. Diese Distanz beläuft sich nach Messungen mit Google Maps auf einen Kilometer! Interessant ist zudem, dass die abgebildete Seite des Steins fast gänzlich weiß bemalt ist, während die Schrift und ein darunter gezogener Strich schwarz gehalten sind. – Nachdem nun ziemlich zweifelsfrei der Standort des zweiten „Provinzsteins“ gefunden worden ist, ergeben sich hierzu Fragen: Bestehen Chancen, dass sich das zweite Original nach Abschluss der Arbeiten zur Brückenerrichtung noch irgendwo in der Böschung an der Unstrut eingegraben befindet? Wenn nein, macht es dann Sinn, ein Duplikat eben dieses Denkmals herzustellen und es an der Reinsdorfer Straße zu platzieren, damit der historische Zusammenhang der Straßenverwaltung unter preußischer Regie wieder hergestellt wird? Und: Sollte der erhalten gebliebene Stein in der Sangerhäuser Straße im Zuge seiner Sanierung ebenfalls weiß bepinselt werden, so wie sein „Bruder“ in der Reinsdorfer Straße? Der Heimatverein ARATORA freut sich auf Hinweise, Antworten und Meinungen, besonders seitens der Kleindenkmalfreunde in Mitteldeutschland.


Heimatblätter 2018

Freitag, 26. Januar 2018

Schlicht aber wirkungsvoll seit der ersten Ausgabe 2017 als „Heimatblätter“ tituliert, erschien vor wenigen Tagen die zweite Schrift dieser Reihe des Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue. Im Mittelpunkt steht wiederum die alte Kultur- und Naturlandschaft der Goldenen Aue, hier mit einer Auswahl an interessanten Themen vom Hochmittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Auf 104 Seiten wurden diesmal sieben Artikel abgedruckt, die von knapp siebzig farbigen und schwarzweißen Abbildungen geziert werden. Auf der Titelseite prangt ein Kupferstich von Gregor Melchior Kraus, das Schloss Allstedt um 1770 darstellend (unser Bild). Die braune Umschlagfarbe des Heftes könnte gut als Referenz an die fruchtbare Erde der Goldene Aue verstanden werden. – Der erste Artikel, verfasst von Barbara Sieblist aus Questenberg, behandelt „Das Banner der Freiwilligen Sachsen – Ein Freicorps gegen Napoleon“. Jürgen Pichl aus Erfurt nimmt sich danach „Neuen Erkenntnissen über die Geschichte des Zisterzienser-Nonnenklosters St. Georgii zu Kelbra vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zu dessen Aufhebung" an. Eine burgenkundlich wichtige Abhandlung hat Hartmut Müller aus Oberröblingen/Helme verfasst: „Die Burg Oberröblingen und ihre Besitzer“. Michael Richter aus Tilleda widmet sich folgend der politischen Geographie und Kleindenkmalforschung (Grenzsteine) mit der Abhandlung „Die Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen, ehemals Schwarzburg-Rudolstadt und Preußen, vom Hüfler bei Kelbra bis zum Eulengeschrei bei Tilleda“ an. Danach schreibt Gerhard Heinrich zur Geschichte seiner Heimatstadt, und zwar über „Neue Erkenntnisse zur Sangerhäuser Industriegeschichte – Ergänzende Details zum zweiten Sangerhäuser Eisenhammer und die Suche nach dem Standort des ersten Eisenhüttenbetriebes bei Sangerhausen“. Als letzen Artikel des neuen Heimatheftes nimmt Werner Reich aus Nienstedt die Leser mit auf eine kulturhistorisch-naturkundliche „Rundwanderung in der Allstedter Flur“. Ein stark bebilderter Rückblick von Sophie Roland aus Bennungen auf die Vereinsaktivitäten und Kontaktpflege 2017, a. u. zum Sangerhäuser Geschichtsverein und Heimatverein ARATORA, beschließt dann die Neuveröffentlichung. – Kurzes Fazit zu den „Heimatblättern“ 2018: Dem Heimat- und Geschichtsverein Goldenen Aue als Herausgeber ist es gelungen, eine sehr abwechlungs- und vor allem inhaltsreiche Veröffentlichung auf die Beine zu stellen. Besonders die Auswahl der Themen ist wirklich gelungen, da zahlreiche neue, bislang kaum oder noch nie in Veröffentlichungen aufgegriffene, historische Details angesprochen werden. Dies wird im engen Rahmen der Platzkapazität überwiegend sogar tiefgründig und detailliert vorgenommen. Auch deshalb kann von einer echten Bereicherung für die Heimatkunde gesprochen werden. Es macht Spaß und Freunde, diese neuen bzw. maßgeblich ergänzten Ergebnisse älterer Forschungen zu studieren! – Das Layout der A5-Broschüre ist ansprechend und bis auf marginale Ausnahmen durchweg gelungen. Nur der Schriftgrad sollte künftig der besseren Lesbarkeit wegen, hauptsächlich für die „reifere Jugend“, etwas größer sein! Davon unbesehen gilt generell und besonders für Geschichtsfreunde der Region Kyffhäuser-Südharz-Goldene Aue eine aus unserer Sicht uneingeschränkte Empfehlung für den Erwerb des attraktiven Heftes. Dieses kann wie folgt online bestellt werden: http://www.goldeneaue.net sowie https://www.verlag-rockstuhl.de. Der Preis beträgt 9,95 Euro. – Wenn sich die „Heimatblätter“ in den nächsten Jahren etabliert haben und auch inhaltlich das hohe Niveau halten, kann perspektivisch von einem erheblichen Gewinn für die regionale Heimatforschung gesprochen werden. Das sollte bei der Vielfalt der Landschaft und der noch zu erforschenden Themen nicht schwerfallen. Deshalb nochmals großes Kompliment aus Artern an unsere rührigen und lieben Heimatfreunde im Altkreis Sangerhausen, verbunden mit der besonders herzlichen Aufmunterung: „Weiter so!“


Heldrungen 2

Dienstag, 23. Januar 2018

Mit unserer aktuellen Meldung vom 27. Januar vorigen Jahres durfte als Neuerscheinung der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen die Broschüre „Zwiebeln - Möhren - Majoran. Feldgemüseanbau in Heldrungen“ von Autor Dieter Holzapfel vermeldet werden. Fast auf den Tag genau ein Jahr später kann nun auf eine weitere, ergänzende Veröffentlichung dieses Verfassers (gleichfalls unter Ägide der Volkskunde-Beratung in Erfurt) hingewiesen werden. Seit Ende letzten Monats liegt uns vor: „Graben - Krauten - Wirtschaften. Vom Alltagsleben in Heldrungen“. Gedruckt im Format A5 werden auf 120 Seiten und mit mehr als sechzig Abbildungen illustriert das Leben und die Arbeit der ländlichen Bevölkerung im Städtchen Heldrungen in den Mittelpunkt gestellt (über den Alltag der zahlreichen, dort von der Gärtnerei lebenden Familien wurde explizit im Vorgängerband von 2016 berichtet). – Die Titelseite der Neuveröffentlichung zieren das historische Foto eines Einspänners, darüber der Bahnhof, ein Gruppenbild sowie das Wasserschloss (unser Bild). Nach dem Editorial wird mit nachstehenden sechs Einzelkapiteln dem Thema der Broschüre nachgegangen: Aus der Heldrunger Geschichte / Heldrunger unterwegs / Alltag und Mühsal der kleinen Leute / Die Kleinstadt entwickelt sich / Erinnerungen und Begegnungen / Anhang. – Mit lesenswerten, kurzweiligen und zugleich oftmals detailreichen Darstellungen und Geschichten berichtet der Verfasser, ein gelernter Gärtner aus Heldrungen und heute in Hirschroda bei Dornburg wohnhaft, aus volkskundlicher Sicht, wie die arbeitende Bevölkerung im kleinstädtischen Umfeld zu verschiedenen Zeiten ihre Existenz und den Alltag meisterte. – Ein Teil der hübschen Bebilderung der Broschüre ist durch teils aufwändige Vermittlung des Heimatvereins ARATORA zustande gekommen (leider wird in „Graben - Krauten - Wirtschaften. Vom Alltagsleben in Heldrungen“ nur sehr pauschal für allerlei erbrachte Unterstützungen gedankt). Dessen ungeachtet sei die Broschüre besonders für orts- bzw. regionalgeschichtlich sowie berufshistorisch und volkskundlich interessierte Leser sehr empfohlen; diese hat die ISSN 1619-5698 und kostet 6,00 Euro. Wenn noch nicht geschehen, ist der Zukauf des Vorgängerwerkes „Zwiebel - Möhren - Majoran. Feldgemüseanbau in Heldrungen“ ratsam. Es ist erfreulich und historisch wichtig, dass für Heldrungen jetzt ein derartiger Spiegel der historischen Arbeitswelt vorliegt.


CG 4-2017

Freitag, 19. Januar 2018

Bedingt durch Feiertage und Jahreswechsel kommt unsere vierteljährliche Besprechung der neuesten Ausgabe des Magazins für Familienforschung „Computer-Genealogie“ mit etwas Verspätung erst heute. Das Hauptthema von Heft 4/2017 steht diesmal unter dem Motto „Die Welt unserer Vorfahren“ und widmet sich mit sechs Berichten dem historischen Lebensumfeld jenseits der durch die Pastoren oftmals „automatisierten“ Eintragungen über Taufen, Ehen und Begräbnisse. Behandelt werden Notizen in Kirchenbüchern, die aus dem persönlichen oder gemeindlichen Leben berichten, weiterhin Kriegsgeschichte, Umweltfaktoren, Seuchen und Krankheiten, Geld und Preise sowie die Ernährung in alten Zeiten. Mit diesen Artikeln werden wichtige und interessante Hinweise gegeben, die volkskundlichen Forschungen der Lebensumstände vergangener Generationen betreffend. Dem schließt sich die Vorstellung eines Projekts in der Schweiz an, wie künftig genealogische Daten noch besser gesichert werden können. Diverse Kurzmeldungen vermitteln danach interessante Details aus der Welt der Genealogie, ehe wiederum elektronische Medien und Software besprochen werden, die die Familienforschung unterstützen. Die Auswirkungen des (destruktiven) Gender-Mainstreaming, hier in der Genealogie, werden dann anhand von neuzeitlichen gleichgeschlechtlichen Ehen und damit verbundenen Problemen bei der elektronischen Datenerfassung angesprochen. Kurzmeldungen, die Vorstellung eines genealogischen Krimis sowie die Präsentation eines bürgerlichen Sitzmöbels (Lutherstuhl) beenden die jüngste Ausgabe der „Computer-Genealogie“. – Wie stets kurzweilig und hochinformativ, ist auch dieses Heft ein Zugewinn für Familien- und Heimatforscher. Die nächste Ausgabe ist auf den 16. März 2018 datiert, wobei dann Ortsfamilienbücher im Mittelpunkt des Interesses stehen sollen.


Wasserschloss Artern

Dienstag, 16. Januar 2018

In der aktiv betriebenen Heimatforschung und Genealogie sind „Sternstunden“ so selten Gott sei Dank nicht: sei es die unerwartete Auffindung von wichtigen und interessanten Akten in Archiven, die Entdeckung lange gesuchter Ahnen in Kirchenbüchern oder die Öffnung von alten Schränken auf Dachböden, die dann ab und an spannende Inhalte preisgeben. Die andere Variante ist jene, dass Unterlagen aus Privatbesitz gebracht und dann schenkungs- oder leihweise überlassen werden. Eben dies ist vorige Woche geschehen, als Vereinsmitglied Günther Burghardt aus Bad Frankenhausen ein Fotoalbum mit 55 historischen Aufnahmen, die es im wahrsten Sinne des Wortes in sich haben, überreichte. Durchweg Abbildungen mit Arterner Motiven, mehrheitlich aus der Zeit zwischen 1880 und 1920, kamen diese damals professionell mittels Platten hergestellten Bilder im ungefähren Format A5 als komplette Sammlung zum Heimatverein ARATORA. Das Unglaubliche: die Mehrzahl der Fotos war bislang völlig unbekannt! Somit sind diese wertvollen und sehenswerten Bilder auch noch nie veröffentlicht worden, nämlich u. a. Marktplatz mit altem Rathaus, Häuserreihen in der Wasser-, Johannis- und Harzstraße, Salzdamm, auch Alte Poststraße, Saline-Kunstturm an der Mühle, E-Werk, diverse Unstrut-Motive mit Brücken und Wehr, Schulgebäude, Gaststätten, Ansichten der Saline, der Veits- und Marienkirche. Als absolute bildliche Volltreffer sind eine Aufnahme der Baulichkeiten des Arterner Wasserschlosses mit Schönfelder Straße und Mühlgraben (unser Bild) sowie der alten Kalkhütte nördlich des Friedhofs zu nennen. Diese Objekte waren bislang als fotografische Motive in der Arterner Stadtgeschichtsforschung gänzlich unbekannt! – Die Sammlung Burghardt hat neben einem hohen Schauwert auch und insbesondere stadt-, bau- und kulturgeschichtlich große Werte für Artern. Dies umso mehr, als die meisten der Bilder mit Unterschriften, Notizen und Jahreszahlen versehen worden sind. – Zusammen mit einem inhaltlich ähnlich schönen und umfänglichen Fotoalbum, das bereits im vorigen Herbst ebenfalls vom schon genannten Geber unserem Archiv überlassen worden ist, reizt es unwiderstehlich, diese dort eingeklebten bildlichen Marksteine in einem neuen Buch zu veröffentlichen und so einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Anbieten dafür würden sich als Vorlage (Layout und Seitenumfang) unser sehr erfolgreicher und sukzessive dem Ausverkauf zusteuernden Bildband „Alte Heimat Artern – Die Bildersammlung des Buchbindermeisters Wilhelm Leibnitz (1898-1983)“ von 2017. Ein Arbeitstitel für die avisierte Publikation ist zumindest schon gefunden: „Alt-Artern in Bildern – Die Fotosammlung des Schlossermeisters Hans Burghardt (1897-1970)“.


Chronik Oberheldrungen

Freitag, 12. Januar 2018

Eine intern bereits etwas länger angekündigte Abhandlung zur Geschichte zweier Siedlungen auf der Schmücke wurde zu Ende vergangenen Jahres publiziert: die „Chronik von Harras und Oberheldrungen“ aus der Feder von Ortschronistin und Heimatforscherin Sophie Schrimpf. Auf 68 Seiten und illustriert mit 93 Abbildungen in Schwarzweiß und Farbe ist ein kurzweiliger historischer Gang durch die lange Vergangenheit dieser beiden Orte entstanden. Von der Titelseite grüßt ein altes Foto mit wasserhistorischem Bezug: der Zusammenfluss der Helder mit dem Harras-Bach bzw. Mühl- und Flutgraben (unser Bild). Auf den nun folgenden Seiten nimmt sich die Verfasserin zunächst dem Ortsteil Harras (seit 1939) sowie dessen Gebäuden an, weiterhin der dortigen öffentlichen Wasserversorgung zu alter Zeit. In der sich anschließenden Darstellung der Gemeinde Oberheldrungen werden zahlreiche Aspekte vor allem der jüngeren Ortsgeschichte in Wort und Bild tangiert: Bergbau auf Kali, Vereinswesen, Historien zahlreicher Wohnhäuser und öffentlicher Gebäude, bäuerliches Leben und Arbeiten, Denkmale, Straßenansichten, Kirchengeschichte, Notgeld, Persönlichkeiten des Ortes (Heimatforscher Willi Glaß und Abgeordneter Pfarrer Adolf Heinrich Gräser), das soziale Umfeld im Ort, landwirtschaftliche Betriebe und Gewerbetreibende, Entwicklung des Dorfes nach 1945 usw. Ein Bildanhang mit Fotos überwiegend in Postkartengröße lässt dann optisch gut nachvollziehbar nähere Einblicke in die Vergangenheit von Oberheldrungen zu: Wohnhäuser, landwirtschaftliche Höfe, alte Grabsteine, das bekannte mittelalterliche Steinkreuz in alter Aufnahme, Mühlenwesen, Wappen und Siegel des Dorfes sowie Auszüge aus Kirchenbüchern. – Als Erstlingswerk muss die „Chronik von Harras und Oberheldrungen“ im Format A5 als sehr gelungen und optisch ansprechend bezeichnet werden. Im Gegensatz zu der einen oder anderen veröffentlichten Heimatschrift aus unserer Region während der letzten Jahre braucht sich dieses Heft überhaupt nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Gesamteindruck, Schriftbild, Größe der Abbildungen sowie das Layout sind sehr gelungen! Man könnte geradezu geneigt sein, diese qualitätsvolle Broschüre als beispielgebend für die publizistische Wiedergabe ortsgeschichtlicher Daten und Informationen zu bezeichnen! Auch die erfreuliche Tatsache, dass eine Frau für die Autorenschaft verantwortlich zeichnet, ist in der überwiegenden „Männerdomäne“ Heimat- und Familiengeschichte ausdrücklich und löblich hervorzuheben. Dass nicht jedes Teilstück aus der Vergangenheit von Harras und Oberheldrungen angesprochen werden konnte, liegt in der Natur der Sache und den nur begrenzten Möglichkeiten des Umfangs dieser Broschüre. So wurden z. B. die hochinteressanten ur- und frühgeschichtlichen Denkmale und Hinterlassenschaften leider nicht berücksichtigt. Trotzdem wird hier an Heimatfreunde und Interessierte an der Lokal- und Regionalgeschichte eine unbedingte Kaufempfehlung ausgesprochen, zumal auch der Preis von 7,00 Euro (zzgl. Porto und Verpackung bei Versand) gewissermaßen dazu einlädt. Bestellungen nimmt gern entgegen: Sophie Schrimpf, An der Trift 3, 06577 Oberheldrungen. – Nur ganz am Rande sei erwähnt, dass auch zwei Arterner zur Illustration der Chronik beigetragen haben.


Rathaus

Dienstag, 9. Januar 2018

Allen unseren Mitglieder, Freunden und Homepage-Besuchern zunächst ein frohes und gesundes neues Jahr 2018, verbunden mit der Hoffnung auf weiterhin reges Interesse an Orts-, Heimat- und Regionalgeschichte, Familienforschung, an neuen Veröffentlichungen sowie Veranstaltungen mit historischen Bezügen. Am heutigen Tag werden die aktuellen Meldungen nach der Weihnachtspause wieder aufgenommen, diesmal gleich mit einer sehr erfreulichen Mitteilung. – Ende vergangenen Jahres überließ Walter Wilhelm Funcke aus Einbeck, Ehrenbürger der Stadt Artern, dem Heimatverein ARATORA seine 624 Dias umfassende Sammlung mit eigenen Aufnahmen, die während zahlreicher Besuche in Artern von Beginn bis zur Mitte der 1990er Jahre entstanden. Diese Kollektion wurde noch vor Weihnachten in Hamburg digitalisiert und liegt nun in extrem hochauflösenden Bildern vor: Neben zahlreichen Ansichten von Straßen und Gebäuden mit zum Teil längst abgerissenen oder inzwischen umgebauten Häusern sind auch etliche der damals in Stadt und Landkreis Artern maßgeblichen Protagonisten und Entscheidungsträger abgebildet. – Die Sammlung ist somit eine wichtige zeitgeschichtliche Bilddokumentation, sie dokumentiert gut den Übergang von abgewirtschafteten DDR-zeitlichen hin zu sanierten und/oder modernisierten Straßenzügen und Gebäuden nach bundesrepublikanischem Standard. Zudem wurden durch Walter Funckes Bilder Lücken in der bildlichen Dokumentation der Stadtgeschichte während der frühen 1990er geschlossen. Mit der Zeit wird diese Kollektion sukzessive an historischem Wert gewinnen, nämlich umso mehr sich künftig Veränderungen im Stadtbild ergeben. – Derzeit werden die Bilder für öffentliche Präsentationen vorbereitet. Aus Anlass von dreißig Jahren deutscher Einheit wird die Ausgabe des Arterner (N)Ostalgie-Kalenders für das Jahr 2020 durchweg mit diesen Fotos aus der „Nachwendezeit“ illustriert sein. Darüber hinaus könnte auch über die Veröffentlichung einer Auswahl von Bildern in Buchform nachgedacht werden. In der laufenden Stadtgeschichtsforschung werden die Fotos besonders zur Familien- und Häuser- bzw. Bau- und Architekturgeschichte zurate gezogen. – Der Heimatverein ARATORA dankt für diese historisch unschätzbare Sammlung Walter Wilhelm Funcke in Einbeck besonders herzlich! Mit dieser Schenkung hat Walter Wilhelm Funcke erneut seine Verbundenheit mit der Stadt Artern, auch nach dem Tod seines alten Freundes Pfarrer Manfred Gerboth 2013, gezeigt. Selbiges gilt für den Heimatverein ARATORA, den er als langjähriges Mitglied und spendabler Unterstützer zur Seite steht. – Gänzlich los ist Walter Funcke die Arterner Dia-Kollektion dann aber doch nicht. Nachdem jetzt seine Lichtbilder als elektronische Dateien vorliegen, erhält er diese platzsparend als Kopien auf einem Datenstick zurück. Unser Bild aus dieser Zusammenstellung zeigt im Zuge der Errichtung der neuen Sparkasse abgerissene Häuser des 18./19. Jahrhunderts.


Artern um 1940

Freitag, 22. Dezember 2017

Kurz vor Weihnachten und dem Jahresende werden heute die aktuellen Meldungen für 2017 mit nachstehenden Informationen beendet: Vorigen Freitag fand in der Arterner Veitskirche das ausverkaufte Weihnachtskonzert des Heimatvereins ARATORA mit dem Johann-Strauß-Ensemble Leipzig und einem Melodienreigen von besinnlich bis heiter und getragen-festlich bis schwungvoll statt. Unser herzlicher Dank für einen wunderschönen, stimmgewaltigen und instrumental virtuosen Abend zur Adventszeit geht an die Musiker Christine Bath (Sopran), Alexandra Ismer (Piano), Anke Rehfeld (Violine) und Viktor Sawaley (Tenor). Gedankt wird ebenso Bürgermeisterin Christine Zimmer , Bauamtsleiterin Antje Große wie auch Standesbeamtin Christa Michel, weiterhin Patrick Helm vom Kyffhäuser Textilservice Artern, der wieder einmal zusätzliche Bestuhlung kostenfrei organisierte, weiterhin dem Städtischen Bauhof für die weihnachtliche Ausgestaltung der Kirche sowie Volkmar Künne (Ausstellung im Oberer Hof) und Herrn Kuhwald als Betreuer der Veitskirche. Den in der Konzertpause reichlich ausgeschenkten Glühwein sponserte freundlicherweise unsere Bürgermeisterin. Die Erlöse aus dessen Verkauf wurden der bislang vom Heimatverein gesammelten Spendensumme zugunsten der Wiederherstellung der Statik der Orgel in der Marienkirche zugeführt, die sich nach dem Konzert auf 650,00 Euro belief. Der Spendenscheck über diese Summe wurde zwei Tage später in würdigem Rahmen in der Marienkirche an Gemeindebeirat Jürgen Puchta und Kantor Pascal Salzmann überreicht. – Zurück zur Advents- und Weihnachtszeit: Unseren Mitgliedern, Freunden und Homepage-Besuchern wünschen wir geruhsame Fest- und Feiertage, einen fröhlichen Jahreswechsel und einen guten Start ins neue Jahr. Zugleich danken wir für allgemeines und spezifisches Interesse an unserer ehrenamtlichen Arbeit sowie für wiederum zahlreich erfahrene Unterstützungen, Schenkungen, Leihgaben, Hinweise und Informationen. Auch in 2018 werden die Geschichte der Stadt Artern sowie die Heimatkunde und Familienforschung in der Region zwischen Kyffhäuser, Südharz, Unstrut-Tal und Hainleite/Hohe Schrecke wieder im Mittelpunkt stehen: online, mit Veröffentlichungen und Druckerzeugnissen sowie tätiger Arbeit und Veranstaltungen. Bis dahin verabschieden wir uns in den Urlaub. Ab Dienstag, den 9. Januar 2018 werden hier wieder aktuelle Mitteilungen veröffentlicht. – Unser Bild zeigt einen winterlichen Gruß aus Artern um 1940: Blick vom Hang des Weinberges über die verschneite Stadt bis hin zur Sachsenburger Pforte (übrigens eines von zahlreichen „neuen alten“ Motiven unserer voraussichtlich im Spätsommer 2018 erscheinenden, stark bebilderten Buchveröffentlichung zur Arterner Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert).


Goetheplatz

Dienstag, 19. Dezember 2017

Eine etwas verfrühte Weihnachtsüberraschung, wie sie schöner nicht hätte sein können, gelangte vor wenigen Tagen zum Heimatverein ARATORA. Zunächst zu nennen wäre ein originales Arterner Adressbuch, vermutlich aus dem Jahr 1907. Mit diesem detaillierten Verzeichnis, untergliedert sowohl nach Berufen und Firmen, als auch alphabetisch nach Namen und ergänzt mit den Einwohnern u. a. von Gehofen, Reinsdorf und Voigtstedt, werden familiengeschichtliche Forschungen ab Beginn des 20. Jahrhunderts sehr erleichtert. Nunmehr liegen für die Zeit von 1894 bis 1940 vier solcher veröffentlichter Verzeichnisse für Artern und Umgebung vor, die als genealogische Helfer für Forschungen dienen. Zudem wurde schenkungsweise überlassen eine 15-bändige (!), pedantisch fortgeschriebene Chronik mit zahlreichen Fotos, Zeitungsartikeln und handschriftlichen Kommentaren. Diese beinhaltet sehr inhaltsreich die Geschichte eines Arterner Wohnbezirkes nach DDR-Duktus und dokumentiert u. a. die Errichtung von Wohnhäusern und Straßenzügen, diverse Baustellen, -trupps und -fahrzeuge, Umfeldverschönerungen, Anpflanzungen, Subbotnik-Einsätze, Anwohner und Hilfskräfte. Hinzu kommen noch weit über 300 (!) lose Privatfotografien mit zahlreichen Arterner Motiven, gleichfalls aus den 1950er bis 1980er Jahren. In der Zwischenzeit wurde ein größerer Teil der Abbildungen eingescannt, und diese werden für einen öffentlichen Vortrag in den nächsten Monaten vorbereitet. Auch in dem noch in Arbeit befindlichen Bildband mit Arterner Ansichten zwischen 1925 und 1975 werden sicherlich etliche dieser Fotos Einzug halten. Als Zugabe zu dieser bereits reichhaltigen Sammlung kamen noch einige Exemplare der Arterner Lokalpresse aus den 1930er Jahren als Geschenke hinzu. – Mit diesen Unterlagen, zzgl. noch etlichen Exemplaren der historischen Zeitschrift „Die Gartenlaube“, die bereits etwas eher zum Verein kamen, werden die Urlaubstage über der Jahreswechsel mit sehr viel (angenehmer) Arbeit ausgefüllt sein. Mögen obige Geschenke zudem beispielhaft sein für künftige Überlassungen bzw. Ausleihen orts- und heimatgeschichtlichen Materials! – Unser Bild zeigt den Goetheplatz zu Beginn der 1980er Jahre aus erwähnter Bildersammlung über die Stadt Artern zu DDR-Zeiten.


Ochs und Esel

Freitag, 15. Dezember 2017

Der lateinische Begriff „Agenda“ kann mit „das zu Tuende“ übersetzt werden. Mit kirchlichem Bezug wären damit all jene Aufgaben und Arbeiten gemeint, die die christliche Lehre, den Ritus, die Liturgie sowie das Gemeindeleben betreffen und die ein Pfarrer zu handhaben hat. Als umfassende Handlungsanleitung für Pastoren der damals noch jungen evangelischen Lehre erschien deswegen 1580 die „Kirchen-Agenda Darinnen Tauff, einsegen, und Trawbüchlein, Communion, sampt den teglichen Collecten, welche in der Kirchen gebraucht werden. Für die Prediger in der Graff/ und Herrschaft Mansfeld. Itzunder auffs newe vbersehen, vnd mit vielen nützlichen, vnd nötigen Tractaten, für junge vnd vngebübete Kirchendiener vermehrtet. Welche also bey einander nicht zu finden.“ Dieses Buch, vom dem 1718 einer erweiterten Fassung erschien, war also rege bei den Geistlichen in Gebrauch und ist deshalb trotz seines hohen Alters als Antiquität auch heute noch so selten nicht. Trotzdem wurde in den vergangenen Monaten ein Exemplar der Kirchen-Agenda im Auftrag des Heimatvereins ARATORA in Halle/S. umfänglich saniert. Zuvor war dieses Buch auf einem Flohmarkt erworben worden! – Unabhängig vom gedruckten Inhalt, auf dessen Grundlage man das komplette geistliche und gemeindliche Leben seit Luther anschaulich nachvollziehen kann, ist es der schriftliche Nachweis des längst aufgelösten Archivs des Superintendentur Artern, der dieser Agenda besondere lokalhistorische Bedeutung verleiht. – Ob nun das Buch schon 1580 oder erst später nach Artern kam, kann wohl nicht mehr nachvollzogen worden. Allein, dass es im alten Suptur-Archiv registriert war, lässt jedoch den Schluss zu, dass es zumindest vor 1718 dorthin gelangte. Ansonsten wäre wohl die schon angesprochene aktualisierte Ausgabe der Agenda archiviert worden. Klärung vielleicht auch darüber wird von etlichen handschriftlichen Einträgen im Buch erhofft, die aber bislang wegen des katastrophalen Zustandes der betreffenden Seiten nicht näher untersucht worden sind. Nach der bereits erfolgten Behandlung des Werkes im Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig bzw. nach der Stabilisierung auch dieser Seiten im Rahmen der derzeitigen Buchsanierung geht es hoffentlich bald müheloser an die Transkription der betreffenden Eintragungen. – In den nächsten Wochen wird die Arterner Kirchen-Agenda wieder in die alte Heimat zurückkehren und dann im Pfarrarchiv als kostbares Stück Stadtgeschichte die Kirchenbücher seit 1683 bereichern. Von der Buchübergabe wird hier noch zu berichten sein. – Unser Bild aus der Agenda zeigt, passend zur Weihnachtszeit, eine Szene mit Maria und dem neugeborenen Jesus-Kind, rechts schauen Ochs und Esel zu. Beide Tiere tauchen bekanntlich nicht in den kanonischen Büchern der Bibel auf, sondern nur in den apokryphen Evangelien. Trotzdem sind sie seit frühchristlicher Zeit fester Bestandteil der bildlichen Darstellung der Geburtsgeschichte Jesu bzw. der Bildsprache christlicher Kunst. Passend zur Abbildung ist aber auch der Prophet Jesaja: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“ (Jes 1,3).


Jahrbuch 2018

Dienstag, 12. Dezember 2017

Soeben im 23. Jahrgang erschienen ist eine wichtige regionalhistorische Zeitschrift: das Saale-Unstrut-Jahrbuch 2018, diesmal auf dem Titel geziert von einem gotischen Fenster mit Maßwerk, Dreipass und Herzen (unser Bild). Auch die aktuelle Ausgabe bietet eine mannigfaltige Mischung aus Forschungsergebnissen zum Denkmalschutz, zur Baugeschichte, Archäologie sowie Naturkunde entlang der unvergleichlichen Kultur- und Naturlandschaft beider mitteldeutscher Flüsse. – In der Rubrik „Kulturgeschichtliche Beiträge“ werden folgende Themen behandelt: WISSEN + MACHT. Der heilige Benedikt und die Ottonen. Eine Sonderausstellung im Kloster Memleben anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Straße der Romanik. Es folgt: Die Michaeliskirche in Zeitz. Sanierung, Instandsetzung und Neuausrichtung des Innenraums von 2015 bis 2017. Der Bauhistoriker Reinhard Schmitt nimmt sich anschließend eines neuaufgefundenen Grundrisses des Dorfes Großwilsdorf aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an. Danach werden behandelt: eine markante Bauzier am Gasthof zu den „Drei Schwanen“ in Naumburg, die Extravaganz des gotischen Chores von Schulpforta am Beispiel der mittelalterlichen Maßwerkfenster, Betrachtungen zur Baugeschichte der Kirche in Bucha bei Wiehe, ein biografischer Abriss über Alfred Scheidig, einem der Väter der Bodenmechanik in Deutschland, sowie abschließend eine kurze Geschichte der „Fischhausbrücke“ bei Schulpforte. Der nächste Hauptabschnitt „Auf dem Weg zum Welterbe“ beinhaltet zwei Berichte: Des Priesters stumme Diener. Der Naumburger Atzmann und seine „mechanischen Verwandten“, danach Ausführungen zum Eidbuch des Naumburger Domkapitels. Unter „Naturkundliche Beiträge“ werden biologische Lehrmittel aus Halle für den Weltmarkt präsentiert, weiterhin als botanisches Thema das Frühlings-Adonisröschen vorgestellt. Unter „Das besondere Bauwerk“ ist die Pieta aus der Naumburger Moritzkirche Gegenstand von kunsthistorischen Betrachtungen. In den abschließenden Buchbesprechungen werden der Naumburger Meister und der Westchor der dortigen Domkirche vorgestellt, zudem die Baugeschichte der Domkirche Naumburg seit 1532 untersucht und aus der Geschichte von Schulpforta zwischen 1945 und 195 berichtet. – Die neue Schrift des Saale-Unstrut-Vereins für Kulturgeschichte und Naturkunde e.V. ist im Mitteldeutschen Verlag Halle/S. erschienen, umfasst 160 Seiten und ist mit Farb- und Schwarzweißaufnahmen illustriert. Zum Preis von 9,50 Euro kann es im Buchhandel mit ISBN 978-3-95462-974-9 bestellt werden.


Provinzstein

Freitag, 8. Dezember 2017

Er führt zugegebenermaßen ein Schattendasein: der Arterner „Provinz-Stein“ an der Sangerhäuser Straße, gegenüber dem vormaligen Springbrunnen in der Thomas-Müntzer-Straße (unser Bild, Foto. Manfred Schröter, Berga). Seine Errichtung wird in die Zeit um 1840 fallen. In absehbarer Zeit soll dieses Kleindenkmal aus preußischer Zeit nun aufgearbeitet und möglichst bis zum Frühjahr 2018 neugesetzt werden. Bereits zweimal schon in jüngerer Zeit durch Fahrzeuge umgefahren, ist der Stein beschädigt und dazu noch fälschlich um 90 Grad verdreht in der Erde verankert. Der Schriftzug „Stadt Artern“ muss nämlich richtigerweise nach Süden, jener mit „Provinz“ nach Norden weisen; entsprechend die Angaben „12,1 Km“ dann nach Osten bzw. Westen. – Kleindenkmalforscher Manfred Schröter aus Berga/Kyffh. erklärt, dass es sich hierbei um eine Art Merkstein handelt, der rechtliche Zuständigkeiten über bestimmte Straßenabschnitte dieser Chaussee festlegte und regelte bzw. an diese erinnerte. Demnach war für den südlich des Steins befindlichen Straßenabschnitt die Stadt Artern zuständig, nördlich davon die Preußische Provinz Sachsen, in diesem Fall wohl der damals zuständige Kreis Sangerhausen, ggf. auch der übergeordnete Regierungsbezirk Merseburg. Manfred Schröter ist sich aus langjähriger Erfahrung sicher, dass der „Provinz-Stein“ in Artern ein sehr seltenes Kleindenkmal ist und schon deshalb Erhaltung und Pflege sowie größere Aufmerksamkeit und Bekanntheit verdient hat. Auch seitens der überregional tätigen Forschungsgruppe „Meilensteine“ wird die Sanierung jenes bedeutsamen Verkehrsdenkmals befürwortet und ausdrücklich empfohlen. Mit der bevorstehenden Restaurierung durch den Steinmetzbetrieb Marko Gödicke und den Heimatverein ARATORA, ggf. verbunden mit einer angemessenen Versetzung vom jetzigen Standort, soll dem Genüge getan werden. Später auch dazu mehr. – Abschließend noch ein historischer Rückblick: Der Beginn der „Anlage einer ohngefähr fünf Meilen langen Chaussee zwischen Sangerhausen und Kindelbrück“ fällt in das Frühjahr 1830. Die für die Errichtung zuständigen „Conducteurs“ hatten in Sangerhausen, Oberröblingen, Edersleben, Artern, Sangerhausen und Sachsenburg ihre Quartiere. Die spätere Wegemeisterei für den Abschnitt der Chaussee zwischen Kindelbrück bis Edersleben befand sich in Artern. Fest steht auch, dass auf dieser Strecke seit 1. November 1833 Chaussee- bzw. Damm-Gelder (also Mauten) eingenommen worden sind. Weitere Archivalien zum Bau der Landstraße von Kindelbrück über Kannawurf, Sachsenburg, Heldrungen, Artern und Edersleben nach Sangerhausen müssen aber noch ausgewertet werden.


Müntzer-Buch

Dienstag, 5. Dezember 2017

Eine Buchneuerscheinung vom vergangenen Monat porträtiert mit Thomas Müntzer eine wichtige Persönlichkeit unserer Region aus dem 16. Jahrhundert. Der Landkreis Mansfeld-Südharz und die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt als Herausgeber möchten mit dem 352-seitigen Werk „Thomas Müntzer – Keine Randbemerkung der Geschichte“ den Blick auf den Theologen, Reformator und Revolutionär lenken, ihn neben die Reformatoren seiner Zeit stellen und sein reformatorisches Wirken, das in Allstedt zur vollen Ausprägung kam, beleuchten. – „Satan von Allstedt“ nannte Martin Luther gelegentlich diesen Mann, der einen vermeintlich dunklen Schatten auf die Zeit der Reformation wirft. Nach seiner Hinrichtung und der Niederschlagung des Bauernkrieges sollte Thomas Müntzer gänzlich aus dem Gedächtnis der Menschen verdrängt werden. Sein Wirken wurde als das eines „falschen Propheten“ diffamiert. Martin Luther hatte entsprechend vorgelegt. Nach Müntzers Tod entstanden zahlreiche polemische Publikationen, die mit Halb- oder sogar Unwahrheiten gespickt waren. Ob lutherisch oder katholisch, jede Seite versuchte einen Nutzen aus diesem Mann zu ziehen, stets zum Nachteil Müntzers, der sich als „Knecht Gottes“ sah. Wer war dieser Thomas Müntzer? Woher kam er? Was waren seine innersten Antriebskräfte, die ihn zum umstrittenen Reformator und heißblütigen Kämpfer für die Sache des „gemeinen Mannes“ werden ließen? Im 500. Jahr der Reformation erinnert dieses Buch in vielfältigen Facetten an jenen Mann, der wichtige Phasen seines Lebens auf sachsen-anhaltischem und thüringischem Gebiet verbrachte. Geboren in Stolberg (Harz) und ausgebildet in Quedlinburg, setzte er im kleinen, ehemals unbekannten Städtchen Allstedt seine reformatorischen Ideen um. Im nahen Mühlhausen und in Frankenhausen trat er aus dem kirchlichen Raum heraus, um an der Spitze der aufständischen Bauern ein neues Reich Gottes zu errichten. Er zerbrach am Widerstand der fürstlichen Obrigkeit. Dieses Buch entführt in die Zeit des wechselvollen 16. Jahrhunderts. Und es zeigt Müntzers Heimat heute. Der Landkreis Mansfeld-Südharz wird in eindrucksvollen Fotografien in Szene gesetzt. – „Thomas Müntzer – Keine Randbemerkung der Geschichte“ entstand innerhalb eines reichlichen Jahres als Beitrag aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz zum 500. Reformationsjubiläum. Zu den Autoren gehören die Professoren Hans-Jürgen Görtz (Hamburg), Günter Vogler und Siegfried Bräuer (beide Berlin); Dr. Marion Dammaschke, Dr. Ulrike Müller, Dr. Stephan Mokry, Dr. Friedrich Winterhager, Dr. Frank Pritsche, Klaus-Rüdiger Mai, Rose-Marie Knape, Maik Reichel und Adrian Hartke – alles ausgewiesene Kenner der Materie. Das Buch erscheint im Verlag Janos Stekovics – stekos historische bibliothek – Band VII, ISBN: 978-3.89923-378-0. Es kostet 28,00 Euro.