Artern

Zur freundlichen Beachtung & aktuelle Meldungen

Wappenstein aufrecht

Freitag, 24. November 2017

Noch rechtzeitig vor Beginn des Winters wurde eine kleine, jedoch sehr notwendige Korrektur an einem Arterner Kleindenkmal vorgenommen. Die Anfang 2017 vom Heimatverein ARATORA initiierte Wiederherstellung des Wappensteins aus der Saline wurde mit dessen feierlicher Übergabe im letzten Mai vollzogen. Seither war das Denkmal leicht schräg positioniert gewesen, was Ende vergangener Woche jedoch derart abgeändert worden ist, dass der Stein aufgerichtet wurde und die Wappen vom Kurfürstentum Sachsen (rechts) und Polen-Litauen (links) nunmehr den Betrachter direkt anschauen (unser Bild, Foto: M. Gödicke, Artern). Diese Maßnahme wurde durchgeführt von Steinmetz Marko Gödicke, ein herzlicher Dank für Unterstützungen ergeht auch an die Bürgermeisterin der Stadt Artern und die Friedhofsverwaltung bzw. den Bauhof. Nötig geworden war die Aufrichtung des Denkmals, weil sich in dem verschnörkelten Rankwerk um die Wappen nach Regengüssen Wasser sammelte und nicht abfloss. Auf die Dauer hätte der Sandstein dadurch Schaden davongetragen, besonders in der kalten Jahreszeit, weil dann Gefahr besteht, dass das Wasser gefriert und Teile des Schmuckwerks hätten absprengen können. Nach der jetzt vollzogenen Aufrechtstellung des Steins kann das Regenwasser nun komplett abfließen und bleibt nicht mehr in den Furchen und Vertiefungen zurück. Im kommenden Frühjahr soll dann ein Dach oder Verdeck das Denkmal von ca. 1735 besser vor Wetterunbilden schützen sowie eine Info-Tafel angebracht werden. Dass Letztere besonders wichtig ist, zeigt ein Fauxpas, der tatsächlich diesen Sommer geschehen ist. In völliger Unkenntnis, welche Wappen der damals frisch gesetzte Stein wiedergibt bzw. was diese bedeuten und wie sie mit der Stadt Artern in Zusammenhang stehen, wurde Ortsfremden (nicht ohne damit bewiesenen Einfallsreichtum) erklärt, auf dem Denkmal wären die Wappen der Partnerstädte von Artern zu sehen! Das dies eben nicht so ist, kann man dann im kommenden Jahr auf einer Tafel nachlesen und sich zugleich stadthistorisch und landesgeschichtlich weiterbilden. Hierzu wurde bereits mit dem befreundeten Kleindenkmalforscher Manfred Schröter vom Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue ein Text abgestimmt.


Ehrung Dr. Römer

Dienstag, 21. November 2017

Am vergangenen Freitag fand zum sechsten Male die Ehrenamtsgala der Stadt Artern statt. Zehn engagierte Frauen und Männer wurden im Freizeitzentrum von Bürgermeisterin Christine Zimmer für ihr langjähriges und freiwilliges Engagement geehrt. Darunter auch ein Mitglied des Heimatvereins ARATORA: Dr. Axel Römer, wohnhaft in Pulheim bei Köln (unser Bild), der damit der bislang am weitesten von Artern entfernt lebende Preisträger ist. Als Einreicher für diesen Vorschlag zeichneten Ursula Telschow aus Schönfeld und der Vorstand des Heimatvereins verantwortlich. In der gemeinsamen Begründung heißt es: Trotz geografischer Entfernung ist Dr. Axel Römer aus Pulheim in Nordrhein-Westfalen noch immer sehr eng mit seiner Heimatstadt Artern verbunden. Dies äußert sich einerseits in jährlich mehrfachen Besuchen, andererseits in umfänglicher ehrenamtlicher Arbeit sowie unschätzbarer finanzieller Unterstützung. Er ist besonders aktives Mitglied im Heimatverein ARATORA. Im Rahmen der lokalhistorischen Arbeit widmet er sich familiengeschichtlichen Forschungen in Kirchenbüchern und städtischen Akten sowie deren wissenschaftlicher Erfassung, Katalogisierung, Niederschrift und Darstellung. Aufgrund historischer und familiärer Wurzeln liegt ihm besonders der Erhalt der Kirche St. Kilian von 1741 in Schönfeld am Herzen, für deren Sanierung er sich in Vergangenheit mit beachtlichen Mitteln einsetzte und auch in Zukunft diesbezüglich Hilfe zugesichert hat. So trug er für die im Frühjahr 2017 abgeschlossene, denkmalgerechte Sanierung des Barockaltars in der Kilian-Kirche einen Großteil der Kosten. Auch für die malerische Ausgestaltung des Altarraumes in dieser Kirche hat Dr. Römer großzügig private Geldmittel überlassen. Für die demnächst beabsichtigte Sanierung der Kirchenfenster in St. Kilian gab er bereits Zusagen zur Unterstützung. Ebenso ist Dr. Axel Römer hinsichtlich der Sanierung von historischen Kirchenbüchern löblich in Erscheinung getreten. So hat er in Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden und z. T. mit dem Heimatverein ARATORA einzelne Bücher aus Artern und Voigtstedt komplett bzw. teilweise auf eigene Kosten fachgerecht sanieren und neu einbinden lassen. Im Vorfeld der gerade im Gange befindlichen, gleichfalls sehr kostenintensiven Erhaltung und Neubindung einer sog. Kirchen-Agenda von 1580 aus dem verschollenen Archiv der vormaligen Superintendentur Artern hat Dr. Römer die Kosten für die Trocknung, Reinigung und Untersuchung auf Kontaminationen dieses alten und für die Stadtgeschichte Arterns bedeutenden Buches im Zentrum für Bucherhaltung Leipzig getragen. Nicht zuletzt hat sich Dr. Römer bei der Finanzierung der Kosten für die Wiederherstellung dreier wichtiger Denkmale in Artern mit großzügigen Spenden beteiligt: Lutherstein von 1819, Friedensstein von 1871 und Wappenstein von ca. 1735.


Kronengarten

Freitag, 17. November 2017

Im Rahmen einer familien- und gebäudegeschichtlichen Arbeit, verbunden mit der Ermittlung der vormaligen Bewohner eines eng begrenzten, historischen Wohnviertels der Stadt Artern, wird heute um Mithilfe wie folgt gebeten. Im Fokus derzeitiger Recherchen steht der Kronengarten, ein kleiner Siedlungsbereich östlich der ehemaligen Gaststätte zur Krone in der Alten Poststraße bzw. südlich des westlichen Abschnittes der Leipziger Straße. Mithilfe von alten Stadtplänen, Einwohnerbüchern, Steuerverzeichnissen, Archivalien sowie Eintragungen in den Kirchenbüchern sollen zur Geschichte des Kronengartens möglichst viele Daten ermittelt werden. Wichtig hierbei sind besonders auch persönliche Erinnerungen, mündliche Überlieferungen sowie Namen der einst dort ansässig gewesenen Familien und Personen. Hierzu werden Mitteilungen und Informationen aus Artern erbeten. Für die Forschungsarbeit zum Kronengarten werden außerdem und ganz besonders Fotos von ehemaligen Bewohnern, Häusern und Gärten sowie Gesamtansichten gesucht, die dazu dienen, besagte Recherchen anschaulich zu machen. – Der Kronengarten hatte nicht den besten Ruf, es wohnten dort über Generationen hinweg oft sozial schwache und/oder arme Familien. Das Wohnumfeld war eher dürftig und die Grundversorgung, z. B. mit Wasser und Energie, rückständig. Diese damaligen Umstände sollen bei potentiellen Zeitzeugen jedoch keine falsch verstandene Scham erzeugen, über diesen alten Wohnbereich nicht zu berichten! – Mit Errichtung des Vestibüls mit Saal neben dem Hotel „Stadt Artern“ sowie der beiden Kaufhallen fand der Kronengarten ein baulich bedingtes Ende. Die Arterner Stadtchronik berichtete darüber: „Gegen Ende des Jahres 1968 war das Bauvorhaben "Kultur- und Versorgungszentrum“ im vollen Gange. Zur Schaffung der Baufreiheit waren 32 Familien aus abbruchreifen Häusern in Neubauwohnungen im Talgebind umgezogen. Dem folgte der Abbruch von Altbauten in der Thälmannstraße [heute Leipziger Straße] und der Alten Poststraße.“ – Unser Bild zeigt den Blick aus dem früheren Kronengarten auf die Rückseiten der Wohnhäuser Leipziger Straße 40 bis 42, wohl um 1975 (Sammlung Dr. Axel Römer, Pulheim).


Walter Funcke

Dienstag, 14. November 2017

Kein Karnevalsscherz zum 11.11.: Mit einer ganz besonderen und höchst willkommenen Überraschung für den Heimatverein ARATORA stand am vergangenen Sonnabend Walter-Wilhelm Funcke (unser Bild), Ehrenbürger der Stadt Artern aus Einbeck, vor der Tür. Er verschenkte seine private Sammlung mit fast 700 Dias – ausschließlich eigene Aufnahmen mit Arterner Motiven aus den frühen 1990er Jahren, als die ersten Kontakte zwischen unserer Stadt und Einbeck in Niedersachsen geknüpft und gefestigt worden sind. Es handelt sich somit um einmalige Bilddokumente aus der rückblickend nicht selten „konfusen und wilden Zeit“ kurz vor bzw. nach der deutschen Einheit. Nach einer ersten, noch sehr oberflächlichen Sichtung kann resümiert werden: Gut dokumentiert auf den Dia-Positiven ist der damalige Zustand der Stadt, besondere deren (kaputte) Straßen, (grau-ruinösen) Häuser und die abgewirtschaftete Industrie – beredte lokale Zeugnisse sozialistisch-zentralisierter Misswirtschaft und des nahen Staatsbankrotts der DDR. Aber auch die eine oder andere „Koryphäe“ der "Wende- und Nachwende-Zeit", nicht wenige sind mittlerweile längst nicht mehr unter uns, ist abgebildet. – Die Dia-Sammlung soll demnächst komplett digitalisiert werden, um z. B. den Arterner (N)Ostalgie-Kalender für das Jahr 2020 mit relevanten Abbildungen bereichern zu können. Dieser fungiert auf der mittelfristigen Vorbereitungsliste unserer nächsten Publikationen unter dem Arbeitstitel „Artern um 1990. Dreißig Jahre Deutsche Einheit“. Zuvor schon wird auf dieser Homepage sicherlich das eine oder andere besonders interessante Dia vorgestellt. Nach der Digitalisierung wird es voraussichtlich im Frühjahr 2018 einen ersten Bildervortrag mit diesen Aufnahmen geben. Über einen Bildband mit einer Auswahl aus der Dia-Kollektion von Walter Funcke anlässlich der dreißigsten Wiederkehr der Einheit unseres deutschen Vaterlandes wird nachgedacht. – Ein besonders herzlicher Dank geht nochmals nach Einbeck für die Überlassung dieser einmaligen, reichhaltigen und zeitgeschichtlich wichtigen Bildersammlung zur jüngeren Stadtgeschichte Arterns. Dies nicht, ohne zu erwähnen, dass Walter Funcke über lange Zeit hinweg stets auch anderweitig als Förderer und Unterstützer des Heimatvereins ARATORA, dessen langjähriges Mitglied er ist, gewirkt hat! (Und unser Ehrenbürger aus Einbeck ließ „nebenbei“ durchblicken, dass er noch etliche weitere Fotosammlungen mit Motiven aus Artern seit 1990 habe!)


Bodendenkmalpfleger Beichlingen

Freitag, 10. November 2017

Am vergangenen Wochenende war Schloss Beichlingen im Nachbarkreis Sömmerda Ziel von über fünfzig Bodendenkmalpflegern, nachdem das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie zu einer Tagung dorthin eingeladen hatte. Unter dem Titel „Ur- und Frühgeschichte im nordöstlichen Thüringen Becken“ fand im Saal des Hohen Hauses eine ganztätige Weiterbildung statt, bestehend aus Vorträgen sowie anschließenden Exkursionen zu vorgeschichtlichen Bodendenkmalen. Nach Begrüßung und Präsentation durch „Schlossherr“ Lothar Bechler stellte Gebietsreferent Dr. Mario Küßner einen linienbandkeramischen Begräbnisplatz bei Höngeda im Unstrut-Hainich-Kreis mit Spondylus-Muscheln aus dem Mittelmeergebiet als Grabbeigaben vor (unser Bild). Dem folgten Ausführungen von Sandra Schneider zum jungsteinzeitlichen Erdwerk bei Niederzimmern am Fuße des Ettersberges und dessen Erforschung mittels verschiedener archäologischer Prospektionsmethoden. Dr. Klaus-Peter Wechler berichtete über aktuelle Grabungen und Funde im Industriegebiet „Kiebitzhöhe“ bei Kölleda von der mittleren Steinzeit bis zur Völkerwanderung. Auch Artern stand im Mittelpunkt eines Referats, das Kevin Bartel hielt. Er berichtete über die Grabung im Zuge der Errichtung der L 1772n (Abfahrt Artern der Autobahn A71, Kreisverkehr in Richtung Schönfeld/Ringleben), die eine bronzezeitliche Siedlung mit acht verschieden ausgerichteten Häusern, diversen Gruben aus dieser Zeit, weiterhin spätneolithische Grabbefunde sowie bronzezeitliche Grabensysteme (Pit aligments) und eine mittelalterliche Landwehr am Kyffhäuserbach zutage brachte. (Die zweite abgeschlossene Grabung, jene im Bereich der Kyffhäuserhütte Artern mit neolithischen Feuerstein-Bergwerken, war Arbeitsplatz eines anderen Teams des TLDA.) Zum Abschluss widmete sich Robert Knechtel der eisenzeitlichen Funkenburg bei Westgreußen und analysierte dort gemachte Keramikfunde der Latène- und Przeworsk-Kulturen. Am Nachmittag wurden zwei Exkursionen angeboten: zur bronzezeitlichen bzw. merowingerzeitlich umgebauten Monraburg an der Hohen Schrecke und zum Fürstenhügel bei Leubingen aus der Aunjetitzer Kultur. – Trotzdem eine bis Mittag defekte Heizung die Stimmung der Besucher leicht unterkühlte, war die Tagung des Landesamtes für die Ehrenamtlichen in Beichlingen doch ein Gewinn an Wissen und Kontakten – und ein lohnendes Ausflugsziel ist das Schloss ohnehin zu jeder Zeit!


Tafel 1977-2017

Dienstag, 7. November 2017

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution ab dem 6. November 1917 (nach gregorianischer Zeitrechnung) in Russland! Was wäre das dieser Tage für ein Feiermarathon zur hundertsten Wiederkehr geworden: mit unsäglichem Gehätschel um den Befehlsgeber zum Zarenmord, Uljanow-Lenin, um seine Bolschewiken-Banden und deren als Heldentat glorifizierten Raubüberfall auf das Winterpalais! Wenn, ja wenn nicht der Herbst 1989 und jener des Jahres 1990 in der DDR dazwischen gekommen wären! Deswegen sind nun auch die Jubelorgien und das Brimborium zum Jubiläum hinfällig. Und doch: der Schatten des Kommunismus ist noch immer lang, und manchmal fällt er sogar auf das Städtchen Artern, z. B. in den Salinepark. – Als nämlich Arbeiter des Bauhofes kurz vor Ostern 2017 den reichlich verwilderten Bereich um den Gedenkstein für Ernst Thälmann, dem „roten Arm“ Stalins in Deutschland, nach Jahren frei schnitten, kam ein allgemein bekanntes Relikt aus tiefsten DDR-Tagen wieder ans Tageslicht, eine Tafel (unser Bild) auf der zu lesen ist: „Die Jugend des Kreises Artern / im Jahre 1977 / an die Jugend des Jahres 2017 / Zu öffnen am 100. Jahrestag / der Großen Sozialistischen / Oktoberrevolution“. Dieser Aufforderung zum genanntem Termin nicht nachzukommen, wäre töricht gewesen; auch bei zwischenzeitlich demokratischen Verhältnissen. Für besagten Tag war die Öffnung somit gedanklich bereits fixiert. Aber es kam anders, ganz anders! – Nachdem die ominöse Tafel zutage gekommen war, wurde deren Offerte zur Öffnung der vergrabenen Zeitkapsel bereits verfrüht durch die städtischen Arbeiter nachgekommen. Doch leider ist bei den daraufhin unternommenen Erdarbeiten das ominöse Gefäß mit Briefen von vor vierzig Jahren nicht entdeckt worden! Aus diesem Sachverhalt ergeben sich nun folgende Optionen: die Kapsel wurde nicht direkt unter der Platte verstaut und ist noch im näheren Umfeld in der Erde befindlich (unwahrscheinlich). Oder aber das Gefäß wurde vorsätzlich schon früher gehoben! Ob es in diesem vermuteten Fall nun Neugierige und Witzbolde oder vielleicht einer (bzw. mehrere) der damaligen Briefschreiber waren, die heimlich geschaufelt haben mögen, sei dahingestellt. Letztere Variante macht aber durchaus Sinn, denn wer weiß schon, was damals von Kindern und Jugendlichen für hanebüchene Inhalte zu Papier gebracht worden sind und in die Zeitkapsel verfrachtet wurden? Mag also durchaus sein, dass sich da jemand einer potentiellen öffentlichen Blamage nach vierzig Jahren entziehen wollte und vorsichtshalber selbst Hand angelegt hatte. Wohl eben deshalb wird es nun leider keine Hebung der sozialistischen Grüße in Form von sechzig Briefen der Pioniere und FDJler aus Artern vom 6. November 1977 an die Jugend von 2017 geben können. Der historische Verlust hält sich in engen Grenzen, schade ist es nur um den potentiellen Humorfaktor! Obige steinerne Tafel 1977-2017 vor dem Quarzit mit dem Thälmann-Konterfei, das der Bildhauer Prof. Gerhard Lichtenfeld (1921-1978) aus Halle/S. geschaffen hatte, wurde entfernt und sichergestellt.


Jahrbuch 2016

Freitag, 3. November 2017

In einem erneut bis zum letzten Stuhl mit Interessierten besetzten Ratskellersaal stellte der Oberröblinger Heimatverein e.V. am vergangenen Wochenende seine neueste Heimatschrift, das Oberröblinger Jahrbuch 2016, vor. Eingerahmt von Vorträgen einiger Autoren war die Präsentation eines Filmdokuments über den Festumzug im Rahmen der 1100-Jahrfeier im Jahr 1981 Höhepunkt des Abends. (Viele Heimatfreunde erinnern sich bestimmt noch der inhaltsreichen Festschrift aus der Feder von Rudolf Möncher aus eben diesem Anlass.) Mit 78 Seiten etwas umfangreicher als eben dieses Heft ist das soeben erschienene Jahrbuch 2016 geworden, dass mit einer farbigen Zeichnung auf dem Titel grüßt, die Hauptstraße und den turmbekrönten Ratskeller darstellend (unser Bild). Zunächst holt ein 18seitiger Rückblick in knapper und bebilderter Form die wichtigsten Ereignisse im Dorfleben während des Jahres 2015 in Erinnerung. Die Abhandlung „Aus längst vergangener Zeit“ bringt danach schlaglichtartig und querbeet diverse Geschehnisse in Oberröblingen aus fernerer Vergangenheit, hier solche aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Detaillierter geht anschließend Hartmut Müller mit seiner Analyse „Magere Jahre, fette Jahre. Die finanzielle Lage der Gemeinde Oberröblingen im Spiegel der Zeit“ in die Dorfgeschichte ein und begründet u. a. den ehemaligen Ruf des Ortes, eine reiches Bauerndorf gewesen zu sein, das zeitweise seinen Bewohnern sogar Dividenden auszahlte! Thematisch ergänzend werden danach die bäuerlichen Anwesen zwischen 1930 und 1960 vorgestellt, deren Lage im Ort bzw. die Besitzer detailliert in Luftbildaufnahmen eingezeichnet worden sind (eine gute Idee mit gekonnter Umsetzung). Winfried Holzlehner, einer der Initiatoren der Oberröblinger Jahrbücher, und dessen Bruder schreiben danach über die Geschichte der Neusiedlerstraße und deren Bewohner. Für Freunde der historischen Glockenforschung wird anschließend auf dreizehn Seiten über die Glocken in der St. Andreas-Kirche berichtet, wobei auch jene 1888 in Artern gegossene zur Sprache kommt. Dr. Siegfried Göschel erinnert sich dann an seine Kindheit an der Helme, die u. a. geprägt war von einem Mc Cormick – ein amerikanischer Traktor. Zum Schluss des Heftes wird es familiengeschichtlich: Götz Schneegaß (auch vielen früheren Arterner Musikschülern noch wohlbekannt) referiert über den Oberröblinger Lehrer Fritz Kramer, dessen Familie aus Reinsdorf bei Artern kam, weiterhin über dessen Angehörige bzw. diverse Details aus deren Leben. – Mit dem Jahrbuch 2016 des Oberröblinger Heimatvereins wurden erneut interessante Splitter aus der reichhaltigen Geschichte dieses Ortes publiziert, wobei besonders die Wiedergabe persönlicher Erinnerung bzw. Erkenntnisse aus Befragungen ihren besonderen Reiz ausmachen. Diese neueste Veröffentlichung aus Oberröblingen stellt erneut einen nicht unwichtigen Baustein der Publizierung von Orts- und Heimatgeschichte in unserer Region dar, auch wenn da und dort sicherlich noch Luft nach oben ist.


Luther-Büste

Dienstag, 31. Oktober 2017

Heute vor 500 Jahren begab sich der Überlieferung nach Martin Luther mit Hammer und Nägeln zur Schlosskirche in Wittenberg und klopfte an deren Tür seine 95 Thesen an; ein Ereignis, dessen Wahrheitsgehalt zwar vakant ist, deren weltgeschichtliche Folgen indes nicht. In Artern erinnert der 2015 umfassend sanierte Luther- oder Reformationsstein von 1819 an diese Tat, trotzdem Luther nie in der damals gräflich-mansfeldischen Kleinstadt an der Unstrut weilte. Immerhin gibt es eine lokale sagenbehaftete Überlieferung, die in engem Kontext mit dem Reformator steht. Da diese Geschichte in Artern leider nur unzureichend bekannt ist, soll deren Inhalt zum heutigen Reformationstag so veröffentlicht werden, wie der Theologe und Historiker Friedrich Christian Lesser (1692-1754) aus Nordhausen selbige 1739 niederschrieb und publizierte. – Nachdem nämlich ein Feuer am 20. Mai 1634 auch das Haus des Dekans und Pfarrers Thomas Bäumichen zerstört hatte, wurde eine wundersame Entdeckung in den Trümmern des Gebäudes offenbar. Denn trotzdem der Brand auch eine schwere Holztür in diesem Haus in Asche legte, war ein zuvor an diese befestigt gewesenes „Bildniß Lutheri“ vollständig erhalten geblieben. Besagtes Bild war „1630. auf die hundertjährige Feyer des Gedächtnisses der Augspurgischen Confession zu Dresden verfertiget worden…“. Dieses seltsame Ereignis wurde von Bäumichen in lateinischen Versen am Gemälde verewigt. Die deutschen Reime hierzu werden wie folgt transkribiert und erläutert: „Da des Artrischen Decani Haus / Abgebrandt ist zu Grunde aus / Auch mit verbrandt die Stuben-Thür, / An welcher gewesen das Bild allhier, / Ist’s doch blieben ganz unverletzt / Und zum Gedächtniß hieher gesetzt. – Auf dem Rücken des Bildes ist die Registratur des damahligen Consitorial Secretarii mit folgenden Worten geschrieben: Dieses Bild hat Herr M. [Magister] Thomas Bäumichen, Pastor und Decanus zu Artern, bei dem Herrn Superintendenten eingeantwortet, mit Bericht, wie sein Hauß abgebrandt, wäre dieses an seiner Stuben-Thür verbrandt, und solch Bild etliche Ellen tief in der Erde gefunden, und in der glüenden Asche nicht verzehret worden, welches nicht vor ein schlechtes Wunderzeichen zu achten ist, so ich auch anher registriren sollen, ex ore Superintendentis, den 21. Maji 1634. Felix Bauer.“ – Bezug auf das geschilderte Geschehen nimmt auch ein 1765 in Zerbst verlegtes Kunstwerk, den Reformator als Kupferstich zeigend. Die Umschrift um dessen Brustbild teilt mit: „EFFIGIES DIVI DOCTORIS MARTINI / LUTHERI NATI 1483 DENATI 1546.“ Im Schriftband darüber ist zu lesen „IN FESTIVITATEM ANNI JUBILAEI AVGVSTANAE CONFESSIONIS. / Nata Deo fIDeI qVanDo ConfessIo nostrae AVgVstae eXhIbIta est: IVnIVs aXe InIIt“ [Als das für Gott entstandene Bekenntnis unseres Glaubens in Augsburg vorgelegt wurde, betrat am Himmel der Juni seine Bahn]. Darüber die für die Stadtgeschichte Arterns maßgebliche Hinweis: „Effigies Lutheri in Incendio Arterensi Anno 1634. mirabiliter servata“ [Das beim Brande von Artern im Jahre 1634 wunderbar bewahrte Bildnis Luthers]. – Die mit diesem Brandereignis verbundenen Wunderdinge haben allerdings kein Alleinstellungsmerkmal, eine ähnliche Geschichte wird z. B. auch aus Oberroßla bei Apolda berichtet, nur dass dort Luthers Bildnis anfing zu schwitzen, anstatt den Flammen zu widerstehen. Solche abergläubisch-frommen Wunderzeichen und sagenhaften Begebenheiten werden als neomystisch eingestuft. – Unser Bild zeigt eine Büste Luthers in der Stadtkirche St. Georg zu Mansfeld (Foto: Wolfgang Hecker, Artern).


Westbahnhof

Freitag, 27. Oktober 2017

„Alte Heimat Artern“ – Ein treffenderer Titel konnte den Herausgebern gar nicht einfallen, war doch der Bildgeber für die heute erschienene, neueste Veröffentlichung des Heimatvereins ARATORA – der Arterner Buchbindermeister Wilhelm Leibnitz (1898-1983) – ein Mann der seine Heimatstadt über alles liebte! Mehr noch, als er seine letzten Jahre in Göttingen verbrachte und dort sehr oft die Erinnerungen an die Zeit zuvor in Artern abschweiften. Leibnitz‘ Fotosammlung, die ihm in Niedersachsen über das Heimweh hinwegtröstete, war eingebunden in zwei großen Folianten und bildet die Grundlage für diesen attraktiven Bildband, der im „Guten Buch“ Artern und beim Heimatverein zum Preis von nur … Euro erhältlich ist. Auf 128 Seiten werden 124 Fotos aus der Zeit zwischen ca. 1880 und 1950 präsentiert. Artern stellt sich dem Betrachter hier noch als Kleinstadt mit zahlreichem Handel, Handwerk und Industrie sowie Stätten zur Naherholung dar. Der Großteil der Fotos wurde professionell hergestellt, einige wenige variieren in der Qualität, sind jedoch trotzdem wichtige Bilddokumente der Stadtgeschichte. Bei der Veröffentlichung wurde die Reihenfolge in den Originalbänden beibehalten, sodass visuell ein authentischer historischer Spaziergang durch unsere Heimatstadt vorgenommen werden kann. Der Trip führt durch die Innenstadt, in die Saline, an die Unstrut und auf den Weinberg, weiterhin ins Industrieviertel und zu den Bahnhöfen, hier im Bild der Westbahnhof der Kyffhäuser-Kleinbahn. – „Alte Heimat Artern“ ist eine Reminiszenz an Wilhelm Leibnitz und zugleich eine attraktive Rückschau auf Arterns augenscheinlich bessere Tage. Die Auflage beläuft sich jedoch auf lediglich 300 Exemplare, von denen bereits ein Sechstel in den Postversand gehen wird. Also, lassen Sie sich bitte dieses schöne Buch z. B. als Weihnachtsgeschenk nicht entgehen!


Brücke Sole

Dienstag, 24. Oktober 2017

Am morgigen Tag jährt sich ein bedeutsames historisches Ereignis vor 180 Jahren mit weitreichenden Folgen für die Herstellung von Salz in Artern, an das hier mit Exzerpten aus einem Text von 1838 erinnert werden soll: „Der erste glückliche Fund von Steinsalz in den Preussischen Staaten, welcher am 25. October 1837 in der Nähe der Saline Artern in dem Niedersächsisch-Thüringischen Haupt-Berg-Distrikt gemacht worden ist […] Dieser Fund ist eben so wichtig in geognostischer Beziehung für das Vorkommen des Steinsalzes in Gebirgs-Formationen, in denen es zwar vielfach gemuthmaasst, aber bis jetzt erst in einem Falle nachgewiesen worden war, in technisch-ökonomischer Beziehung für die Saline zu Artern, welche hierdurch in den Stand gesetzt wird, anstatt einer 3,3–3,6procentigen Soole, eine gesättigte 27procentige Soole zu benutzen, als in allgemein staatswirthschaftlicher Hinsicht, als ein neuer treffender Beweis, dass der Erfolg bergmännischer Unternehmungen von einer beharrlichen Ausdauer abhängig ist und bei der Ausführung eines wohl erwogenen Planes die Mittel nicht gescheut werden dürfen, welche dazu erforderlich sind. […] Die Wahl des speciellen Punktes für das Bohrloch, durch Oberflächen-Verhältnisse bedingt, war für die Arbeit selbst sehr ungünstig ausgefallen. Sand, Thon und wasserreiche Kieslagen erreichen hier eine Mächtigkeit, welche gar nicht zu erwarten war. […] Das erste Bohrloch musste in 136 Fuss Teufe verlassen werden, weil der Kies neben der Bohrröhre einen Zugang zu dem Bohrloche gefunden hatte. […] Das zweite fortgesetzte Bohrloch wurde im Januar 1832 angefangen; die Tiefe betrug […] b. z. 25. Oct. 1837 […] 986 Fuss (ein Fuß = 31,3854 cm, d. h. gerundet 309,5 Meter Teufe).“ – Mit der daufhin begonnenen Nutzung dieser reichhaltigeren Salzlösung war das Wasser des Solebaches als Grundlage der bisherigen Produktion seit Johann Gottfried Borlachs Zeiten  hinfällig. – Unser historisches Bild zeigt den Solebach mit Brücke im Arterner Salztal.


Übergabe Rose-Stein

Freitag, 20. Oktober 2017

Nachdem im März 2017 auf dem Schuttplatz westlich von Artern das vormalige Ernst-Thälmann-Denkmal aus dem Salinepark durch Zufall von einem aufmerksamen Vereinsmitglied aufgefunden worden ist (siehe unsere aktuelle Meldung vom 24. März 2017), wurde dieser Stein nach vorheriger Absprache des Heimatvereins ARATORA mit der Stadtverwaltung in die Obhut des Geschichtsvereins Goldene Aue übergeben. In Tilleda ist das ausgediente Denkmal dann von Heimatforscher Paul Meyer, der als Grabungstechniker noch mit dem Prähistoriker Prof. Paul Grimm aus Halle/S. archäologische Untersuchungen auf der Pfalz vorgenommen hatte, für einen neuen Zweck umgearbeitet worden. Hintergrund dieser Umwidmung war die angedachte Neuerrichtung eines seit Mitte der 1980er Jahre im Kyffhäuserwald verschollenen Denkmals in Erinnerung an den von einem Wilderer erschossenen Waldhüter Carl Rose (1825-1884) aus Tilleda. Eben dafür würde sich das vormalige Arterner Thälmann-Denkmal besonders gut eignen, so die einhellige Meinung von Manfred Schröter und Manfred Wirth vom Heimat-und Geschichtsverein Goldene Aue (unser Bild). Den vergangenen Sommer über wurde der Stein restauratorisch aufgefrischt, der ursprüngliche Schriftzug unkenntlich gemacht und neben einem Kreuz auch das Datum „19. Okt. 1884“ als Tag der Mordtat in den Stein eingearbeitet. – Am gestrigen Donnerstag, dem 133. Todestag von Carl Rose, ist das neue Denkmal an alter Stelle mit einer kleinen Zeremonie und musikalischer Umrahmung im Beisein von über 50 Besuchern der Öffentlichkeit übergeben worden. Mögen sich hoffentlich viele Wanderer im Kyffhäuser-Wald an dem neuen Denkmal erfreuen bzw. der schrecklichen Mordtat von 1884 gedenken, über die bald auch eine Info-Tafel aufklärt. Nicht zuletzt ist dieses Monument erneut Zeugnis dafür, dass die langjährige heimatkundliche Zusammenarbeit auch über eine Kreis- und Landesgrenze hinweg reibungslos und zu aller Vorteil funktionieren kann.


Harz-Zeitschrift 2017

Dienstag, 17. Oktober 2017

Als Leuchtturm regionalgeschichtlicher Veröffentlichungen unserer weiteren Heimat sticht hinsichtlich der Langlebigkeit, des Unfangs sowie der inhaltlichen Qualität und Fülle die Harz-Zeitschrift besonders hervor, die dieser Tage mit der Ausgabe für das Jahr 2017 im Lukas-Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte in Berlin (http://www.lukasverlag.com) erscheint. Das neue Werk umfasst 175 Seiten und bringt 50 Abbildungen in Schwarzweiß und Farben zur Ansicht. Erfreulich zumal, dass auch in der aktuellen Ausgabe der Süd- und Ostharz wieder thematisch vertreten sind. Neun „Aufsätze und Miszellen zur Harzgeschichte“ bilden diesmal den Hauptlesestoff, und zwar mit folgenden Berichten: Bauten des Harzraums als Vorbilder für den protestantischen Kirchenbau des Barock / Ein Sachsengott „Krodo“? Eine literarische, kunst- und religionsgeschichtliche Spurensuche / Die Wüstung Linzke im Blankenburger Stadtgebiet / Neues zum Stadtrecht von Aschersleben / Nach dem Riechenberger Vertrag: Fabian Luther in Goslar / Aus den Baurechnungen der Königshütte 1733–1737 bei dem damaligen Flecken Lauterberg/Harz / Zur Gipsbrennerei und Gipsindustrie am Harz / „In Blankenburg lebte ein Ehepaar namens Elster“ / Zur Erinnerung an [den Historiker] Heinrich Spier (1910–1996). Es folgen Literaturschau und Berichte. – Die Harz-Zeitschrift 2017 ist mit ISBN 978-3-86732-277-5 für 20,00 Euro im Buchhandel bestellbar. Auch die vorherigen Jahrgänge können noch geordert werden. Im kommenden Jahr jährt sich dann zum 150. Male die Erstausgabe der Harzzeitschrift 1868, die als Reihe bis 1942 erschienen ist. Seit 1909 kamen sporadisch die Harz-Forschungen als Publikationen hinzu. Beiden Zeitschriften werden seit 1999 bzw. 2000 im Lukas-Verlag veröffentlicht.


Motorschlepper mit Kahn

Freitag, 13. Oktober 2017

Im Zusammenhang mit der Fortsetzung des Buches „Die Unstrut – Geschichte(n) vom Fluss von der Sachsenburger Pforte bis zum Wendelstein“ wurde kürzlich ein Vortrag gehalten, in dessen Nachgang ein einmaliges historisches Filmdokument leihweise überlassen worden ist. Gezeigt wird auf dem digitalisierten Amateurfilm in einer rund dreißig Sekunden währenden Sequenz das Ziehen eines Lastkahns mittels Motorschlepper auf der Unstrut, aufgenommen im Arbeitsbereich unseres Buches 1939/40. Zu sehen ist zunächst der aus der Ferne langsam näherkommende Schlepper mit Frachtkahn (unser Bild). Der Filmer ließ anschließend das Schleppschiff an der Kamera vorüber fahren, sodass dessen Einzelheiten erkennbar werden, ehe der Lastkahn ins Bildmotiv rückt und diverse Details an Bord (u. a. Seilwinde und Anker) zeigt. Als Ladung konnten Kalksteine identifiziert werden. Insgesamt vier Personen befinden sich auf dem Schiff, wobei der Steuermann am Helmholzruder steht. Ein am Heck des Lastkahns befestigtes Beiboot kündet vom Ende eines damals wohl schon nicht mehr allzu häufig zu sehenden Schleppzuges. – Mittels dafür geeigneter Software ist nun der gesamte Film sukzessive in Einzelbilder zerlegt worden. Diese Bilddateien wurden der Ablauffolge nach gespeichert. Aus der großen Anzahl von so entstandenen Fotos konnten nun jene ausgewählt werden, die hinsichtlich der Qualität und nach digitaler Bearbeitung für eine Veröffentlichung infrage kommen. Aufgrund der eher mangelhaften Qualität des bald achtzigjährigen Films sowie wegen dessen freihändiges Aufnahmeverfahren gestaltete sich diese Aufgabe etwas mühselig. Zwei Dutzend Bilder fielen schlussendlich in die engere Auswahl, um dann im Buch mittels chronologischer Bilderfolge diesen "cineastischen Leckerbissen" nachvollziehen zu können. Ein aussagereicher Text wird dann diese Fotos näher erläutern.


Orgel mit Peter Telschow

Dienstag, 10. Oktober 2017

Vielen herzlichen Dank an die Käufer des (N)Ostalgie-Kalenders 2018, denn allein am vorigen Zwiebelmarkt-Wochenende wurden sage und schreibe annähernd zwei Drittel der Auflage veräußert! Interessenten möchten sich jetzt bitte zwecks rechtzeitigen Erwerbs dieses Erzeugnisses an das „Gute Buch“ in Artern oder direkt an den Heimatverein ARATORA wenden, zumal demnächst noch fast fünfzig Exemplare in den Postversand gehen! Die mit dem Verkauf verbundene Spendenaktion zugunsten der Wiederherstellung der Statik der Orgel in der Arterner Marienkirche erbrachte, inklusive vorab überwiesener Beträge, knapp 500 Euro ein – eine sehr erfreuliche Summe. Dieser Betrag wird sich bis Dezember noch weiter erhöhen und zum Jahresende 2017 an die evangelische Kirchengemeinde Artern zur Aufstockung der Eigenanteils für die anstehende Sanierung weitergeleitet. Danke sehr für dieses Ergebnis, weitere Spenden für die avisierte Normalisierung der bedrohlichen Orgelstatik sind herzlich willkommen. – Nachstehend zur allgemeinen Information einige Eckpunkte zur Orgelgeschichte der Marienkirche Artern: Der Heimatverein ARATORA konnte vor etwa sieben Jahren ermitteln, dass die Geschichte der Orgel in der Marienkirche viel weiter als bis dato bekannt war zurückreicht und demnach ein solches Instrument von 1693 bis 1697 durch den „Mechanikus Thiele“ aus Erfurt in der Stadtkirche Artern eingebaut worden ist, das 1807 vom „Mechanikus Krug“ aus Merseburg umfänglich repariert wurde. Auch danach war diese Orgel schadensanfällig, und es wurde schließlich 1844 vom „Mechanikus Witzmann“ aus Klein-Rudestedt ein neues Instrument installiert. Durch die Orgelbaufirma Strobel aus Frankenhausen erfolgt 1856 bis 1860 ein Umbau, hundert Jahre später, 1960 bis 1962, dann eine Generalreparatur. Welche Teile der Vorgängerorgeln in der heutigen Orgel verbaut sind, muss ein Fachmann entscheiden. Naheliegend ist, dass Teile des Orgelprospekts die heute ältesten erhaltenen Stücke darstellen. 1972 war die Orgel weitgehend zerstört worden, vermutlich durch spielende Kinder. 1979 wurde die 1854 gebaute Orgel der St.-Nicolai-Kirche in Eisleben erworben und in Artern aufgebaut. Die Weihe des Instruments fand 1984 statt. (Ab hier ist wohl mit der mangelnden Statik als Ursache des heutigen Dilemmas zu rechen.) Im Frühjahr 2017 wurde dann publik, dass die Standfestigkeit des Instruments im Westschiff äußerst bedroht ist und rasch Abhilfe geschaffen werden muss, damit die Orgel keinen größeren Schaden nimmt. Von horrenden 200.000 Euro Kosten ist für diese Behebung die Rede! – Unser Bild zeigt den langjährigen Organisten Peter Telschow an den Manualen der Orgel in St. Marien Artern.


Agenda

Freitag, 6. Oktober 2017

Nachdem bereits im vergangenen Frühjahr der historische Foliant im Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig behandelt worden war, um diesen zu trocknen, zu reinigen sowie auf Kontaminationen zu untersuchen, ist das für die Kirchen- und Stadtgeschichte sehr wichtige Originaldokument kürzlich zur Sanierung und Neubindung nach Halle/S. verbracht worden: die erste Auflage der „KirchenAgenda […] Für die Prediger in der Graff/ vnd Herrschaft Mansfeld“ von 1580, quasi eine Handreichung für Pastoren zur Durchführung von Gottesdiensten, für verschiedene geistliche Handlungen sowie zur allgemeinen Organisierung des Gemeindeleben im lutherischen Sinne; weiterhin sind dort evangelische Lieder abgedruckt. Aus diesem Werk kann somit direkt auf das kirchliche und religiöse Leben (auch in Artern) zu nachlutherischer Zeit geschlossen werden. – Die Werkstatt in Halle/S., die sich nun der Wiederherstellung dieser Agenda annimmt, hatte bereits im Sommer 2016 jenes Arterner Kirchenbuch (Beerdigungen von 1855 bis 1905) zur vollsten Zufriedenheit saniert, dessen Kosten komplett der Heimatverein ARATORA übernommen hatte, weiterhin auch andere Arterner Kirchenbücher. – Die vormals im aufgelösten Archiv der Superintendentur Artern befindlich gewesene und über einen Flohmarkt sowie einen Privatmann erworbene Agenda ist ein kultur- und kirchenhistorisch wichtiges Buch. Interessant ist, dass es in relativ großer Schrift gedruckt wurde – einzig, damit auch ältere Pfarrer die Buchstaben noch gut lesen konnten. Einige Stiche mit biblischen Themen schmücken das Buch. In der folgenden Zeit wurde die Kirchenagenda immer wieder nachgedruckt, bis in das 18. Jahrhundert hinein. Dies zeigt die religiöse Zeitlosigkeit des Buchinhaltes und somit der Lehre Luthers an. Von besonderem Interesse, aber auch von sehr bedeutenden Nutzungsspuren beschädigt, sind etliche handschriftliche Seiten, die besonderer Sorgfalt bei der Sanierung bedürfen, um diese dann besser lesen zu können. Nach erfolgter Wiederherstellung und Neubindung wird die Agenda als Schenkung des Heimatvereins ARATORA dem Archiv der evangelischen Gemeinde Artern zugeführt. Gleiches gilt für weitere interessante kirchliche Akten aus dem 19. Jahrhundert, deren Sichtung aber noch Zeit in Anspruch nehmen wird.