Artern

Zur freundlichen Beachtung & aktuelle Meldungen

Donnerstag, 24. Februar 2011

Der morgige Tag ist für Biertrinker ein denkwürdiger: Am 25. Februar 1936, also vor 75 Jahren, beschloss die Reichsregierung, dass alle deutschen Brauereien, die Bier in Leihflaschen verkaufen, auf diese ein Pfand von mindestens zehn Reichspfennigen pro Flasche erheben müssen. Hintergrund dieser Regelung war damals weniger der ökologische Aspekt, wie er heute nur zu gern (über-)betont wird. Vielmehr sollte ein Anreiz zur Flaschenrückgabe geschaffen werden, um dem industriellen Reproduktionsprozess im rohstoffarmen Deutschland wieder verwertbares Material zuführen zu können. Diese wirtschaftspolitische Maßnahme ging offensichtlich ohne größere Probleme vonstatten, denn schon ab 1. April 1936 mussten auch für diverse Flaschen mit nichtalkoholischen Getränken Pfand berappt werden, damit diese nicht auf dem Müll landeten. Im Gegensatz dazu erinnere man sich an den Sturm der Entrüstung bzw. die Verunsicherung infolge der Dritten Verordnung zur Änderung der Verpackungsverordnung vom 24. Mai 2005 sowie der sich anschließenden Vereinheitlichung des Pfand- und Rücknahmesystems! - Unser Bild zeigt eine Ansicht der seit 1879 bestehenden Arterner Brauerei, die 1936 gleichfalls unter den Pfandzwang auf Bierflaschen fiel.


Dienstag, 22. Februar 2011

Mit dem in Sangerhausen wohnhaften, seit Jahrzehnten in der Altbergbauforschung des Südharzes tätigen und auch publizistisch sehr aktiven Heimatforscher Thilo Ziegler verbindet uns eine bereits seit Jahren bestehende herzliche Freundschaft und Zusammenarbeit. Vergangenes Wochenende kam es seit längerem wieder zu einem persönlichen Besuch mit interessanten Gesprächen und Austausch neuester Schriften. Zu diesem Anlass trennte sich Thilo Ziegler auch von einigen Unterlagen aus seinem sehr umfangreichen Privatarchiv. Zur weiteren Verwendung stellte er dem Heimatverein ARATORA zwei Leitzordner mit hunderten Seiten Material und Kopien zur Geschichte der Saline Artern vom frühen 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts zur Verfügung, u. a. Betriebsbeschreibungen, Produktionszahlen und Geschäftsberichte, Teufen und Bohrungen, Lagepläne, Grundrisse, Schnitte und Karten (z. B. Salinegelände, Kunstturm, Pumpen und Kraftanlagen, Soleschächte, Grubenbahn, Braunkohlenbergwerke nördlich von Artern), diverse handschriftliche Aufzeichnungen, weiterhin gedruckte Chroniken und heimatgeschichtliche Zeitungsartikel. Als Zugabe gab es eine handschriftliche Beschreibung des Arterner Salzwerkes unter preußischer Regie aus dem Jahr 1816. Dafür unser ganz herzlicher Dank, verbunden mit den besten Wünschen, besonders zum Gelingen seiner großen regionalhistorischen Broschürenserie „Die Geschichte des Sangerhäuser Berg- und Hüttenwerkes von den Anfängen bis zur Neuzeit“, von denen bereits drei Hefte erschienen sind (siehe Kapitel „Aktuelle Veröffentlichungen von Mitgliedern & Freunden“ unter SONDERSCHRIFTEN). Bei Interesse zwecks Einsicht wird um vorherige Terminvereinbarung gebeten.


Sonntag, 20. Februar 2011

Der Vorstand unseres Partnervereins, des Vereins für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung e. V., lud gestern zu einem Treffen von Mitgliedern und Heimatfreunden, u. a. aus Artern, in die Rosenstadt, um das zwanzigjährige Vereinsbestehen feierlich zu begehen. Der Geschichtsverein Sangerhausen wurde am 4. Februar 1991 gegründet und versteht sich als Nachfolger des 1873 gegründeten und nach 1945 nicht wieder reaktivierten Vereins für Geschichte und Naturwissenschaft in Sangerhausen und Umgegend. Der Geschichtsverein erstreckt seine Tätigkeit auf die Gebiete der Heimatgeschichte, der Denkmalpflege, der Bodendenkmalpflege sowie der Sitten und Gebräuche im Territorium. Im Besonderen macht er sich die Erforschung der Geschichte und Altertümer der Stadt Sangerhausen und die Ausbreitung von geschichtlichem Wissen sowie die Erhaltung der geschichtlichen Zeugnisse und Denkmäler zur Aufgabe und nimmt somit Einfluss auf die Entwicklung der Stadt. - Manfred Köppe, Vizepräsident des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt hielt den Festvortrag und philosophierte launig über den Begriff der Heimat. Auf zwanzig Jahre Sangerhäuser Geschichtsverein blickte anschließend Vereinsvorsitzender Helmut Loth zurück und ging auf zahlreiche Veranstaltungen, Aktivitäten, Veröffentlichungen und Erfolge ein. Zum Abschluss brachte der Naumburger Diplomhistoriker Joachim Säckl (u. a. Buchveröffentlichung „Barocke Fürstenresidenzen an Saale, Unstrut und Elster“, 2007) einen hochinteressanten orts- und landesgeschichtlichen Vortrag unter dem Titel „Sangerhausen. Zu einer landesfürstlichen Residenz der Albertiner (Sachsen-Weißenfels)". – Wie stets bei dergleichen Veranstaltungen sind die Gespräche am Rand wenigstens ebenso ertragreich wie die Vorträge, so auch gestern: Demnächst wird viel digitalisiertes Material aus Kirchenbüchern den Weg nach Artern antreten, weiterhin hundertseitenweise Material des 19. Jarhunderts zu unserer Saline. Dazu mehr in Kürze.


Freitag, 18. Februar 2011

Unser Interessenkreis Arterner Ahnenforscher sowie Gäste aus Sangerhausen und Voigtstedt fanden sich gestern zum ersten Familiengeschichtlichen Abend 2011 in der Volkshochschule Artern ein. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag zur Geschichte und Blasonierung des seit 1929 gültigen Wappens der Stadt Artern. In seinem Referat nahm Andreas Schmölling die Besucher mit auf eine Reise durch die Heraldik, sehr fachkundig ergänzt von Steffen Döhring aus Sangerhausen. Ausgehend von verschiedenen deutschen und ausländischen Familien- und Stadtwappen zeigte er mittels fast einhundert Folien mit historischen Bildern und Faksimiles, dass das vormalige Wappen der Familien von Hacke tatsächlich zwei gegeneinander gekehrte Regenbögen zeigt und keinesfalls imaginäre Radfelgenstücke oder sogar Halbmonde, wie oft in Artern behauptet wird. Leider hat dieser Irrtum sogar in offizielle städtische Dokumente Einzug gehalten hat. Darüber hinaus informierte der Vortragende über die vormaligen Wappenträger – die miteinander versippten Familien von Hacke, von Gehofen und von Artern. Der Schlusspunkt wurde mit dem Wappenstein am Arterner Rathaus gesetzt, dessen beide Symbole (Gabel und Kreuz) schlüssig gedeutet wurden. Die Gabel ist demnach offensichtlich eine Hacke und somit ein altes Symbol, das Verleihungen, Bestallungen oder Belehnungen bildlich darstellt. Naheliegend ist es, das spätere Fräuleingut (späterer Schulkomplex hinter der Marienkirche) als besagten Gutshof anzusehen, den die Hackes nachweislich ab dem Spätmittelalter innehatten. Das Kreuz wäre als Symbolik für den Segen Gottes bzw. der Kirche für eben jene Verleihung oder Belehnung zu deuten. – Zudem stellte der ARATORA-Vorsitzende ein bislang unbekanntes historisches Foto des Arterner Goetheahnenhauses vor, weiterhin eine kürzlich an den Heimatverein übermittelte große genealogische Arbeit über die Familien Schiefer, von Lepel und Lüttich (Oberer und Unterer Hof in Artern), die demnächst an dieser Stelle näher vorgestellt wird. Dem Vortragsteil schloss sich eine wiederum sehr interessante Gesprächsrunde rund um Familienforschung und Heimatgeschichte an. Zum nächsten Familiengeschichtlichen Abend wird im späten Frühjahr eingeladen. Als Gast wird dann Dr. Axel Römer aus Pulheim (NRW) - aus Artern stammend - erwartet, der in und um Artern Genealogie betreibt und zur Geschichte der Pfarrer seit der Reformationszeit forscht.


Goethehaus

Mittwoch, 16. Februar 2011

Einen wahren Glücksfall für das Bilderarchiv des Heimatverein ARATORA bescherten kürzlich Recherchen im Internet. Von einem Anbieter aus Franken konnte eine bislang nie gesehene Ansicht des Goetheahnenhauses in der Harzstraße als Kupferdruck (Druckfarbe schwarzbraun), aufgenommen um 1920/1925 mit einer Blattgröße von ca. 15 x 19,5 Zentimetern (unser Bild), für einen äußerst akzeptablen Preis erworben werden. Dieses Foto muss schon als Rarität angesehen werden, denn niemals zuvor während jahrzehntelanger ortsgeschichtlicher Arbeit kam diese Abbildung vor, geschweige denn, dass diese Ansicht je in der Arterner Heimatliteratur veröffentlicht worden wäre. Das Foto zeigt diesmal nicht das Wohnhaus (seit 1880 ist der Fachwerkbau leider verputzt), sondern den Blick dahinter. Zu sehen sind Hofraum und Nebengelasse in Fachwerkbauweise, im Vordergrund eine hölzerne Galerie und im Hof gestapelte Balken. Leider sind auf der Rückseite keinerlei Vermerke bzw. andere Angaben (Jahr der Aufnahme oder Fotograf vermerkt). Es könnte sein, dass dieses Foto im Vorfeld der Anbringung der Goethetafel am Wohnhaus im Jahr 1929 entstand. Trotz dieses kleinen Makels: ein sehr schönes, weil seltenes Motiv, das sicherlich auch in der Goetheahnenforschung Aufmerksamkeit finden wird. Auch in privater familiengeschichtlicher Hinsicht ist das Bild sehr interessant, da während des 19. Jahrhunderts in jenem alten Goethehaus u. a. ein Schmied namens Schmölling werkelte.


Abzeichen

Montag, 14. Februar 2011

Mit fast hundert Folien einer Power-Point-Präsentation ist der Vortrag zur Geschichte und Blasonierung des Arterner Stadtwappens, der im Rahmen des nächsten Familiengeschichtlichen Abends am Donnerstag, 17. Februar 2011 um 18.30 Uhr in der Volkshochschule Artern gehalten wird, wesentlich umfangreicher ausgefallen als ursprünglich angedacht. Anlass dieses Vortrags sind die immer noch herrschenden Unklarheiten und sogar Falschbeurteilungen über Herkunft und Bedeutung dieses Wappens, das ab dem Hochmittelalter den Schild der Ministerialenfamilie von Hacke zierte. Dabei ist das Bild des Arterner Stadtwappens mit Abstand das einfachste in ganz Thüringen, vielleicht sogar eines der gleichförmigsten in Deutschland. Es besteht lediglich aus einem in blau gehaltenen Schild sowie zwei nach außen gebogenen, silbernen (weißen) Bögen als Wappenbild. Um diese beiden Bögen ranken sich teils unmögliche Geschichten. Was sollen sie nicht alles sein: Stilisierte Regenbögen, zurechtgestutzte Halbmonde oder gar Fragmente von Radfelgen (also ungefähr ein Fünftel einen Vollrades), wie es die Homepage der Stadt Artern bildlich erklären will. Der Vortrag klärt über Herkunft und Aussage des ehemaligen Familienwappens der Herren von Hacke, das seit 1929 offizielles Stadtwappen ist und dessen früheste bildliche Quelle in das frühe 14. Jahrhundert datiert, auf. - Unser Bild zeigt ein Abzeichen von 1929.


Samstag, 12. Februar 2011:

Aufruf zur Mithilfe beim Buchprojekt „Die Unstrut – ein Fluss und seine Geschichte(n)“: Die Bewohner der Städte und Dörfer entlang der Unstrut haben sich seit dem Entstehen ihrer Siedlungen mit dem Fluss arrangiert. So nutzten sie das Wasser u. a. im Haushalt, für die Viehtränke, als Fischweide oder für den Antrieb von Mühlen. Darüber hinaus war die Unstrut vor allem seit Ende des 18. Jahrhunderts ein wichtiger Verkehrsweg. Mit diesen Vorteilen musste man aber auch zahlreiche Gefahren in Kauf nehmen. Nicht selten wurde bei schweren Hochwassern binnen Stunden zerstört, was in Jahrzehnten mühsam aufgebaut worden war. Zudem waren mit häufigen Überschwemmungen des Unstrut-Tals gerade in den Sommermonaten Insektenplagen und damit Krankheiten für Mensch und Tier verbunden. - Das Leben am und mit dem Fluss steht im Mittelpunkt einer Publikation, die zurzeit von den Autoren Dr. Mathias Deutsch (Erfurt) und Andreas Schmölling (Artern) vorbereitet wird. Das Projekt mit dem Arbeitstitel „Die Unstrut – ein Fluss und seine Geschichte(n)“ konzentriert sich räumlich auf den Laufabschnitt zwischen der Thüringer Pforte und dem Wendelstein. Weniger die Ereignisse der „großen Geschichte“, die zweifellos auch an den Ufern der Unstrut stattfanden, werden Inhalt des Buches sein. Vielmehr soll der historische Alltag in den Gemeinden und das Leben der Menschen beleuchtet werden, wobei stets ein Bezug zur Unstrut herzustellen ist. Dazu gehören beispielsweise Mühlenbetrieb, Fischerei, Brückenbau, Schifffahrt, Badewesen, Notzeiten bei Hoch- und Niedrigwasser, wasserbauliche Anlagen, Landwirtschaft, flussbezogene Straßen- oder Flurnamen, Wasch- und Bleichplätze, tragische Todesfälle sowie in neuerer Zeit verstärkt auch der Wassersport bzw. Tourismus. - Für die Darstellung des einstigen Lebens zwischen der Sachsenburger Pforte (unser Bild) und dem Wendelstein konnten M. Deutsch und A. Schmölling bereits umfangreiches Material sichten. Aber es wird noch dringend nach weiteren Dokumenten gesucht. Die Autoren bitten daher vor allem die Gemeinden Oldisleben, Heldrungen, Bretleben, Reinsdorf, Schönfeld, Artern, Ritteburg, Kalbsrieth, Schönewerda, Donndorf, Bottendorf, Rossleben, Wiehe und Wendelstein um Hilfe. Angesprochen sind nicht nur die örtlichen Heimatvereine und Ortschronisten, sondern auch geschichtsinteressierte Bürger. Für die leihweise Überlassung von alten Fotos oder die Nutzung alter Schriftdokumente sind die Autoren sehr dankbar; insbesondere, wenn damit persönliche Erinnerungen und Geschichten verknüpft sind. Ein wichtiges Anliegen der Publikation ist es, bisher noch nicht in der Regionalliteratur veröffentlichte Schrift- und Bilddokumente von möglichst vielen Orten zu verarbeiten. - Auf diesem Weg soll ein Buch entstehen, das sich eng am historischen Volksleben orientiert. Wer Interesse am Projekt hat und das Buchvorhaben aktiv unterstützen möchte, möge bitte Kontakt zum Heimatverein ARATORA, Franz-Schubert-Straße 69, 06556 Artern, Telefon & Fax: 0 34 66 / 32 01 39 per per Email: verein@heimatverein-aratora.de aufnehmen.


Borlach

Donnerstag, 10. Februar 2011

Im Mittelpunkt eines Bildervortrages am gestrigen Abend beim Lionsclub in Bad Frankenhausen standen Leben und Werk von Johann Gottfried Borlach (1687-1768, unser Bild). Auf Wunsch des Vorstandes der Lions sprach der ARATORA-Vorsitzende vor über 25 Mitgliedern im Hotel „Residenz“ über den großen kursächsischen Salinisten und dessen Wirkungsstätten: die Salzminen von Bochnia und Wieliczka sowie die Salinen Artern, Dürrenberg und Kösen. Schwerpunkt der Ausführungen war die Arbeit Borlachs bei Aufbau und Wachsen der Arterner Saline, die in dutzenden historischen und aktuellen Abbildungen gezeigt werden konnte. Zudem wurde auf Borlachs geniales Ingenieurwissen aufmerksam gemacht, weiterhin auf seine weit über die Salzgewinnung bzw. -verarbeitung hinausgehenden Wirkungsbereiche - auch als Entdecker einer paläontologischen Seltenheit, dem großen Fossil einer kreidezeitlichen nacktsamigen Pflanze (Raumeria reichenbachiana). Während in Artern die allermeisten Anlagen aus Borlachs Zeiten für immer verschwanden, sind zeitgenössische Teile der Salzwerke in Bad Kösen und Bad Dürrenberg noch teils vorhanden. Was Borlach indes überdauert hat, ist die von ihm aufgestellte und nach ihm benannte geologische Regel: "Wo Salzquellen sind, spürt man solches Gebirge, und die Salzquellen kommen aus dem selben hervor. Soole ist ein Wasser, welches durch ein Salzgebirge gegangenen ist, sich in selben gesalzen hat und mit dem Salze hervorkommt."


Dienstag, 8. Februar 2011

Der Ort des Geschehens, das heute vor hundert Jahren stattfand, ist längst Geschichte: das „Hotel zur Krone“ in der Alten Poststraße (unser Bild). Das Ergebnis dessen, war vor einem Jahrhundert ebendort auf der Taufe gehoben wurde, ist indes heute noch bzw. wieder aktuell: der Heimatverein ARATORA. Insbesondere auf den Arbeiten früherer Forscher bzw. Gelegenheitshistoriker aus und um Artern aufbauend, reiften zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei einigen heimatgeschichtlichen interessierten Männer aus Artern Idee und Einsicht zur Gründung eines Geschichtsvereins, um die bislang nur verstreut auffindbaren Quellen und historische Nachrichten zu erforschen, aufzuarbeiten und zu publizieren. Bis zur Bildung eines Heimatvereins war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Am 8. Februar 1911 trafen sich an Arterner Ortgeschichte und Heimatkunde interessierte Männer, um eben jenen Verein zu begründen, der in den folgenden Jahrzehnten maßgeblich an der Erforschung und Publizierung geschichtlicher Ereignisse unserer Heimatstadt beteiligt war. Heute vor einem Jahrhundert wurde die Gründung des Heimatvereins ARATORA beschlossen, nachdem zuvor in der Lokalpresse ein „Weckruf“ von Schriftsteller Ewald Engelhardt (1879-1976) zur Förderung der Heimatgeschichtsforschung auf offene Ohren gestoßen war. Die konstituierende Sitzung fand einen Monat später, am 8. März 1911, gleichfalls in der „Krone“ statt, wobei neben Engelhardt E. Haase und E. Thierbach federführend waren. Seit dessen Gründung untrennbar und bis zuletzt (allgemeines Vereinsverbot seitens der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg) mit dem Heimatverein ARATORA verbunden war Ewald Engelhardt (1879-1976) – Forscher, Dichter, Maler, Spiritus Rektor, Allround-Genie und Mann der Tat im Dienste dieses Vereins und weit darüber hinaus. In seinem Sinne und in Anknüpfung an die alte Tradition des Arterner Heimatvereins wirkt der neugegründete Heimatverein ARATORA wieder seit Herbst 1990 (siehe dazu auch auf dieser Homepage unter Registerkarte VEREIN). Bis heute stellen insbesondere die Vereinsveröffentlichungen seit 1911 (um die 70 Bücher, Hefte, Drucke, Bilder und Karten) wichtigste Quellen zur Geschichte unserer Heimatstadt dar!


Mansfelder Land

Sonntag, 6. Februar 2011

In historischer Verbundenheit mit der vormaligen Grafschaft Mansfeld, der anzugehören Artern die Ehre ab 1449 (zur Hälfte) bzw. seit 1510 (gänzlich) hatte, soll auf eine Buchneuerscheinung aufmerksam gemacht werden, die unter dem Titel „Das Mansfelder Land - Persönlichkeiten und Ereignisse“ (144 Seiten, zahlreiche Abbildungen) vom Förderverein für Kultur und Brauchtum im Mansfelder Land herausgegeben wurde. Hintergrund ist das zwanzigjährige Firmenjubiläum des Mansfeld Bildungszentrums GmbH am 4. September letzten Jahres, das mit der Herausgabe dieses Buches gewürdigt wird. Die Mitteldeutsche Zeitung (Ausgabe Eisleben) berichtete über die Neuerscheinung wie folgt: „Um die Weihnachtszeit [2010] ist in Eisleben ein neues Heimatbuch erschienen, das mit wesentlichen Persönlichkeiten unserer Heimat vertraut macht. […] Mit seiner neuesten Publikation, die unter Mitarbeit der ebenfalls promovierten Historikerin Marion Ebruy entstand, hat [der Historiker Dr. Hartmut] Lauenroth nun eine Lücke in der Heimatliteratur geschlossen, denn eine so umfangreiche Vorstellung von Personen, die sich um die hiesige Region verdient gemacht haben, suchte man bislang vergebens. Etwa ein halbes Hundert Namen fanden Platz in dem Buch, es hätten gut und gern doppelt so viel sein können, wie der Autor versicherte, aber das hätte den zur Verfügung stehenden Rahmen gesprengt. In die Auswahl gelangten berühmte Namen wie Martin Luther, Friedrich König, Friedrich von Hardenberg (Novalis), Gottfried August Bürger und Cyriak Spangenberg auch Namen, die wie Carl Christian Agthe, Bernhard Rupprecht und Gustav Adolf Spengler der Allgemeinheit weniger vertraut sein dürften. […] An der Art und Weise, wie Lauenroth die ausgewählten Personen in Wort und Bild sehr übersichtlich und chronologisch vorstellt und dabei den historischen Kontext berücksichtigt, gibt es nichts zu deuteln. Das ist eine gelungene Arbeit, an der keiner vorbeikommt, der sich für das Mansfelder Land und seine Geschichte interessiert, wobei in diesem Fall mit Mansfelder Land eher die Region Mansfeld-Südharz gemeint ist, weshalb das Buch auch im Sangerhäuser Gebiet auf Interesse stoßen dürfte.“


Wohnungsannonce

Freitag, 4. Februar 2011

Eine neue Sonderausstellung mit dem Titel „Genossenschaftliches Wohnen in Sangerhausen. Spar- und Bauverein - AWG – WGS“ wird ab morgen im Spenglermuseum Sangerhausen präsentiert. Dazu vermeldet die Homepage des Museums unserer Nachbarstadt www.spengler-museum.de:Vor einem Jahr hat die Wohnungsbaugenossenschaft Sangerhausen eine Chronik ihrer bis in das Jahr 1900 zurückreichenden Geschichte veröffentlicht. Der Autor ist der Wirtschaftshistoriker Michael Laschke. Jetzt hat das Spengler-Museum basierend auf dieser Chronik in Zusammenarbeit mit der WGS eine kleine Sonderausstellung zusammengestellt, die die Möglichkeit bietet, auch einige zeitgenössische Objekte zu zeigen. Texte, Bilder und Dokumente zeichnen die Entwicklung der Genossenschaft vom Spar- und Bauverein der Zeit um 1900 (unser Bild) zur Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft in der DDR bis hin zur Gründung der heutigen WGS im Jahr 1990 nach. Die Gründerväter des Spar- und Bauvereins wollten ihren Mitgliedern guten Wohnraum zu einem angemessenen Preis zur Verfügung stellen. So ist es bis heute geblieben, wobei sich die Ansprüche von Mietern an eine Wohnung im Verlauf von 100 Jahren natürlich sehr verändert haben. Die WGS zeigt in der Ausstellung interessante Dokumente aus ihrem Genossenschaftsarchiv. Außerdem sind historische Alltagsdinge aus der Sammlung des Spengler-Museums zu sehen, die zeitlich zur Baugeschichte der Häuser der WGS passen. Die Objekte sind hauptsächlich dem Lebensbereich der Frauen entnommen, die mit ihren Familien in den Genossenschaftswohnungen lebten und ihren Haushalt führten. Der Spar- und Bauverein errichtete seine ersten Häuser im Jahr 1900 in der Hüttenstraße. In diesem Jahr wurde in Sangerhausen eine Wasserleitung verlegt, die frisches fließendes Wasser direkt in die Wohnungen führte. Die neuen Häuser in der Hüttenstraße wurden gleich an die Wasserleitung angeschlossen. Auch wenn es zuerst nur einen Kaltwasserhahn in der Küche gab, war es für die Hausfrau doch eine große Arbeitserleichterung. Seit 1912 gab es eine Überlandleitung vom Elektrizitätswerk in Bretleben nach Sangerhausen. Elektrischer Strom im Haushalt war ein großes Thema, als 1919 die ersten Häuser in der Genossenschaftsstraße errichtet wurden. Abschließend erinnert eine kleine Auswahl von interessanten Dingen aus der DDR an die Zeit der AWG.“ Die neue Schau, als auch die Dauerausstellung im Spenglermuseum hat Dienstag bis Sonntag von 13.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.


Mühlenberg

Mittwoch, 2. Februar 2011

Aus unserer Partnerstadt Einbeck wird mitgeteilt, dass in diesem Jahr ein großer Sohn der Stadt anlässlich seines 300. Geburtstages geehrt wird: Heinrich Melchior Mühlenberg (1711-1779, unser Bild), der Begründer des deutschsprachigen lutherischen Gemeindewesens im britischen Nordamerika - gemein auch als Erzvater des Lutheraner in den USA bezeichnet - und mit ihm auch eine nicht unbedeutende Persönlichkeit aus Artern (doch dazu weiter unten). Über die Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten berichtete die Einbecker Morgenpost Ende letzten Jahres: „Millionen Menschen in Nordamerika kennen ihn, aber in seiner Geburtsstadt Einbeck ist er nur wenigen bekannt: Im kommenden Jahr steht der 300. Geburtstag von Heinrich Melchior Mühlenberg an, und das sollte, so der Vorschlag von Museumsleiterin Dr. Elke Heege im Ausschuss für Kultur und Tourismus, groß gefeiert werden. Mühlenberg ist der Begründer des Luthertums in Nordamerika im 18. Jahrhundert. Geboren wurde er am 6. September 1711 in der Altendorfer Straße in Einbeck. Er studierte Theologie in Göttingen und Halle. Von den dort ansässigen Franckeschen Stiftungen wurde er zum lutherischen Prediger von deutschsprachigen Gemeinden in Pennsylvania in der Neuen Welt bestimmt. Er begann ab 1742 mit dem Aufbau einer lutherischen Kirche an der amerikanischen Ostküste, organisierte die erste lutherische Synode und betreute schließlich fast alle lutherischen Gemeinden in Nordamerika. Mühlenberg starb am 7. Oktober 1779 in Tappe/Pennsylvania. Das Jubiläum, so Dr. Heege, werde in den USA mit einem Festakt aufwändig begangen. Daran würden auch die Franckeschen Stiftungen teilnehmen. In Deutschland sollte man den Geburtstag am 6. September für eine eigene Jubiläumsfeier in Einbeck nutzen. Angesichts der Bedeutung des Jubilars sollte man schon in den nächsten Wochen Einladungen an hochkarätige Persönlichkeiten, angefangen von der Bundesregierung, verschicken. Wer dann letztlich komme, sei eine andere Frage, aber es handele sich bei diesem Sohn Einbecks um einen wirklich bedeutenden Vertreter des Luthertums.“ - Wie erwähnt, bestanden familiäre Beziehungen Mühlenbergs zu dem in Artern geborenen Johann Christoph Kunze (1744-1807), Sohn eines Händlers und Gastwirtes, der gleichfalls als Theologe in den USA wirkte. Kunze heirate eine Tochter Mühlenbergs und unterstützte seinen Schwiegervater und später erfolgreich allein die kirchlicher Arbeit. Eine Kurzbiographie dieses Missionars und Pietisten wurde in der Zeitschrift ARATORA 20/2010 veröffentlicht.


Montag, 31. Januar 2011

Unbemerkt verschwanden in den vergangenen Wochen wieder einmal in Artern Zeugnisse alter Kulturlandschaft im Stadtrandgebiet. In der Franz-Schubert-Straße wurden historische Strom- bzw. Lichtmasten, teils noch aus den 1930er Jahren, entfernt. Nur noch kläglich Stümpfe der vormals markanten Metallmasten blieben im älteren Teil dieser Straße stehen, ehe moderne Lampenmasten ihren Platz einnahmen. An der Ecke zum Wapplerweg wurde sogar der auf unserem Foto abgebildete eindrucksvolle Gittermast am 27. Januar 2011 niedergelegt. Mittlerweile „zieren“ moderne Lampenmasten die Franz-Schubert-Straße und spenden Licht für die Altbauten der AWG sowie die schmucken Zweifamilienhäuser. Sicherlich zeitgemäßer und energietechnisch ins Gesamtkonzept passend fehlen diesen irgendwie beliebig wirkenden Zweckbauten allerdings der Charme und das lokale Kolorit, die zuvor von den schrottreifen (?) historischen Masten mit und ohne Stahlfachwerk ausgingen. Immerhin stehen in und um Artern noch genügend alte Masten, teils sogar aus Holz, die an die Anfangs- und Blütezeit der Elektrifizierung erinnert. An diese Tage erinnert auch unsere vor 15 Jahren veröffentlichte, inzwischen längst ausverkaufte Broschüre „90 Jahre Elektrizitätswerk Bretleben“.


Samstag, 29. Januar 2011

Zum ersten Vortrag im neuen Jahr lud gestern der Förderverein Schloss Wiehe e.V. in den Gewölbekeller des 1666 errichteten Wieheschen Schlosses ein. Geschichtsinteressierte, darunter auch Mitglieder des Heimatvereins ARATORA, folgten gern der Einladung in die Ranke-Stadt. Als Referent des Abends konnte Rudolf Wendling, vormals Lehrer an der Klosterschule Roßleben, gewonnen werden (rechts im Bild). Seine langjährige Leidenschaft für die Archäologie frönt der Naturfreund als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger, und diesem Thema widmete er auch seinem gestrigen Vortrag, mit dem er an die siebzig Besucher in die Ur- und Frühgeschichte unserer Heimat an Unstrut, Hoher Schrecke und Ziegelrodaer Forst entführte. Mit geschultem Auge entdeckt Rudolf Wendling auf seinen Streifzügen durch Fluren und Wälder immer wieder Relikte vergangener Zeiten - von der Altsteinzeit bis zum Mittelalter. Glanzpunkte seines engagierten Wirkens waren z. B. die Entdeckung der hochmittelalterlichen Stelzenburg aus dem 13. Jahrhundert in der Flur Wiehe sowie an gleicher Stelle (Kiesgrube) viel ältere Reste ausgestorbener eiszeitliche Fauna. Auch diese Funde und Befunde erläuterte der Hobbyarchäologe, weiterhin diverse Rekonstruktionen prähistorischer Werkzeuge, Waffen, Alltagsgegenstände und Gefäße. Besonders eng verbunden fühlt sich Rudolf Wendling auch mit der Himmelsscheibe; im Heimatmuseum Nebra schuf er eine sehr attraktive Ausstellung zu diesem Jahrhundertfund der frühen Bronzezeit.


Donnerstag, 27. Januar 2011

Infolge eines von vielen Gesprächen am Rande der Jahreshauptversammlung des Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue am vergangenem Samstag brachte der (bereits seit Jahren bestehende angenehme) Kontakt mit Jürgen Sander, Heimatfreund und Amateurastronom aus Sangerhausen, ein vergessen geglaubtes Detail unseres ehemaligen „Hotels Stadt Artern“ zumindest fotografisch wieder ans Tageslicht. Neben der Garderobe im Vestibül in Richtung der Treppe zu den Toiletten im Kellergeschoss befand sich lange Zeit ein typisches Exemplar volkskünstlerischen Schaffens mit DDR-Charme der siebziger Jahre: Eine im Metallrahmen integrierte Uhr, geschmückt mit sieben Motiven aus der Tierwelt, nämlich: Schmetterling, Eule, Hahn, Pfau, heimischer Fisch, Krebs und exotischer Fisch. Das Bild dieses hübschen Kunstwerkes, das Jürgen Sander selbst für das Arterner Hotel angefertigt hat, ist in unserer Galerie, neben einem weiteren Foto aus der Glanzzeit des „Hotels Stadt Artern“ in unserer GALERIE, abgebildet. Wer kann nähere Angaben darüber machen, wo sich heute dieses Kunstwerk befindet, oder wurde es durch den Brand Anfang der 1990er Jahre bzw. durch die sich anschließenden Sanierungs- und Umbauarbeiten des Gebäudes in Mitleidenschaft gezogen?